Bienvenue en France
Die Nacht war für uns alle einigermaßen ok. Die Hitze war gut auszuhalten, weil wir vorher noch alle Dachfenster zum Lüften aufgestellt hatten, aber wenn sich einer dreht…ihr...

Veröffentlicht: 11.08.2020














Gestern Abend war es spät geworden, wir saßen echt lange bei Kerzenschein und haben über dies und das und jenes gesprochen, wozu man manchmal im Alltag gar nicht kommt. Nichtsdestotrotz sind wir heute schon gegen halb 9 aufgewacht und waren (zumindest 2 von 3 Personen) topfit. Auf der Suche nach Brötchen oder was leckerem zum Frühstück haben wir ungünstigerweise unsere Alltagsmasken vergessen. Also zurück zu Herbert gelaufen, Masken geholt und wieder zum Campingplatz-Restaurant. Mit un petit peu französisch und a little english haben wir erfahren, dass der Gute dort leider keine Brötchen mehr oder irgendwas anderes außer Baguettes hatte. Nagut, warum nicht mit landestypischem Gebäck in den Tag starten. Wir trugen dieses wertvolle Stück (ganze 1,-€ bei ca 80cm Länge) an den Frühstückstisch (für Karin B. in DD : nicht unterm Arm, wir haben ja dazu gelernt 😊) und ließen es uns schmecken.
Nach der Morgenroutine incl Abwasch und Aufräumen ging dann unser Tagesprogramm los. Wir hatten uns vorgenommen nochmal bei dem besagten Aufzug vorbeizuschauen, obwohl da gestern echt ne seeeehr lange Schlange anstand. Aber wir hatten Glück, es waren heute nicht soviele Leute dort und es ging echt flott. 4 kostenlose Schrägaufzüge verbinden seit 2006 die Stadt unten mit der Wohnsiedlung oben auf den Klippen, wobei man da ein Stück durch die Felswand fährt, echt spannend, wer sowas gebaut hat. Die Anlage, was früher mal ne Standseilbahn war, soll es wohl schon seit 1908 oder so geben. Oben angekommen hat man einen echt wahnsinnig geilen Blick über den Ort, die Küste und den Hafen von Le Tréport. Wir hatten beim Laufen durch die Straßen unten schon den Eindruck, dass dort viele kleine parallele Gassen durch die City führen, in denen Haus an Haus gebaut ist. Sehr schmale Häuser, auch nicht sehr hoch und Modernisierung ist dort noch nicht angekommen. Bei vielen Häuschen konnte man hineinschauen und sah die Familie mit Freunden am Esstisch sitzen. Denen ist es nicht wichtig den größten Flachbildfernseher oder die modernste Wohnlandschaftscouch zu haben, Hauptsache man sitzt beisammen und isst gemeinsam ausgiebig.
Von oben hat sich das Bild bestätigt: ein Haus ans andere gebaut, aber von architektonischer Gleichheit oder einem ausgeglichenen Stadtbild keine Spur. Das eine Haus stürzt fast ein, daneben ist eins voll in Schuss. Von allem ein bisschen. Aber alles eben sehr klein, wenn man unsere Häuser zuhause vergleicht.
Nachdem wir die Aussicht genossen hatten genehmigten wir uns ein kühles Getränk und wanderten dann wieder bergab, auf der Suche nach der Kahl Burg – eine Bunkeranlage, die 1942 in die Kreidefelswand gebaut wurde. Leider ist dieses Überbleibsel aus Kriegszeiten kein öffentliches Museum, sondern wird von ehrenamtlichen, freiwilligen Leuten aufrecht erhalten, der Eingang befindet sich allerdings auf Privatgelände. Klar kann man da anrufen und eine Führung bekommen, aber für uns 3? Auf französisch? Egal, wir haben dann eine Infotafel gefunden, wo wir erfuhren, dass diese 4-stöckige Anlage von hauptsächlich weiblichen, ukrainischen Zwangsarbeiterinnen erbaut wurde, 32 Räume umfasst, über 225 Stufen geht und alle Gänge zusammen 270m lang sind. Ein Teil von dem ganzen Gebilde wurde damals nicht fertiggestellt, aber heutzutage bemühen sich die Ehrenamtlichen um die Erhaltung. Beeindruckend, aber auch irgendwie unvorstellbar…
Weiter ging es die Treppe hinab in die Unterstadt Richtung Strand. Dieser ist bedeckt von unzählbar vielen Steinen. Von klein bis riesig findet man da alles. Die meisten sind schön rundgewaschen und für „Hühnergötter-Suche“ ist das dort ein wahres Paradies. Allerdings sind die meisten Steine echt zu groß zum Mitnehmen. Wir wagten uns dann ein ganzes Stück an der Küste entlang vom Badestrand weg, dort wo schon der Zutritt eigentlich verboten ist, weil dort riesige Felsklumpen runterfallen könnten (da lagen auch beeindruckend große Brocken rum). Die Ansicht der Kreidefelsen von unten aus gesehen ist schon Wahnsinn! Badewetter wäre eigentlich heute super gewesen, den ganzen Tag wieder heiß, um die 33 Grad, aber kein Lüftchen…nur hatten wir keine Badesachen dabei. Aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit und finden vielleicht noch ein paar Gelegenheiten.
Anschließend sind wir über den Markt gelaufen, der an diesem Tag gerade stattfand, aber ehrlich gesagt, ist es nichts anderes wie unsere Wochenmärkte: Klamotten, Klimbim und Quatsch. Deshalb sind wir dann auch relativ bald Richtung Zeltplatz zurückgekehrt und haben uns dort zum späten Vesper eine Honigmelone gegönnt. Dann noch Duschen, Kartenspielen, quatschen und Abendessen vorbereiten. Heute gab es nochmal Gegrilltes mit Salat und geröstetem Baguette. Püntklich, als der letzte Bissen runtergeschluckt war zog Unwetter auf – wie aus dem Nichts! Erst ein bisschen Wind, plötzlich stürmischer und - als wir alles verräumt und die Markise eingefahren hatten – Blitzregen.
Nun sitzen wir im Herbert, der hat uns ja auch schon sehr vermisst. Fahrersitze zum Tisch rumgedreht, Füße hoch und ein Glässchen Weinschorle zum Blog schreiben. Die anderen Nachbarn draußen räumen ganz hektisch ihre 7 Sachen im Sturm zusammen, die waren nicht so schnell. Macht uns aber nix, so haben wir noch ein bisschen Kino aus der Autoscheibe…
Liebe Grüße
Die3Bolis