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3. Challenge: nicht verzweifeln an der Bürokratie…

Veröffentlicht: 04.02.2026

Ich schlafe lange, und snooze den gestellten Wecker unzählige Male. Der Schlafmangel & der richtig gut abdunkelnde Vorhang sorgen dafür, dass ich erst gegen Mittag aus dem Bett komme. Erstmal Frühstück: gebratener Reis mit Hühnchen, serviert in den Bambuspavillon. Das beste, leckerste Frühstück seit sehr langer Zeit…

Danach mache ich mich auf den Weg zur „Koh Phangan Charity Foundation (Rescue Squad)“, habe einen Google-Standort von der Botschaft bekommen. Ich werde sachlich freundlich empfangen, meine Personalien werden überprüft, und auf meine Nachfrage, wo Udos Körper sei (dieser Ort hatte so gar nichts gemein mit den antiseptischen Kühlhallen amerikanischer Filme) sagt der Herr: „He‘s here.“ und zeigt auf einen Durchgang hinter sich. Wir gehen aus dem Hinterausgang zu einer Art Anbau, in dem sich fünf - wie sag ich‘s respektvoll? - überdimensionale Kühlboxen befinden, teils reich verziert. In einer davon liegt Udo, die Klappe öffnet er für mich, ich kann einen in Tücher eingeschlagenen Körper erahnen, gezeigt wird er mir nicht (ich habe gefragt; sagt, was ihr wollt - bisher hat es mir immer sehr geholfen, mit jemandes Tod abzuschließen, wenn ich denjenigen nochmal sehen konnte)…

Die Kommunikation ist auch hier sehr holprig. Wir gehen zurück, und er zeigt mir ein Dokument (auf dem ich außer Udos Namen nichts lesen kann), und als ich ihn um eine Kopie bitte, nickt er freundlich und verschwindet - in eine Art Büro? Nach kurzer Zeit kommt er zurück - mit leeren Händen - & sagt mir, dass ich jetzt zur Polizei müsse…? Ich frage ihn nochmal. Ach einer Kopie, er versteht mich nicht, und ich gestikuliere, dass ich gerne ein Foto von dem Dokument machen würde, was er mir grade gezeigt hat. Endlich bekomme ich meinen Willen und annähernd etwas Schriftliches!

Auf der Wache (war erst bei der falschen) reihe ich mich ein die lange Schlange derer, die gestern auf der FullMoonParty beklaut wurden. Leider habe ich im Gegensatz zu den anderen niemanden dabei, der losgeht und mich mit Snacks & Getränken versorgt. Als ich drankomme geht’s ziemlich schnell ein Stockwerk höher ins Büro (wie gut, dass ich das Dokument abfotografiert habe!). Eine Übersetzerin gesellt sich zu uns, die Sachlage ist äußerst unklar. Mir wird gesagt, dass ich ein Dokument von der Botschaft benötige, um den Leichnam zur Bestattung freizugeben. Die Botschaft hatte mir vor Tagen auf diese Frage geantwortet, dass das Bestattungsunternehmen eine „Sterbeurkunde“ ausstellen würde. Um dieses zu beauftragen, muss aber der Leichnam freigegeben werden - was nur mit dem Dokument der Botschaft geht…! Ich habe das Gefühl, ich werde verrückt… Ich versuche, meinen Kontakt in der Botschaft anzurufen - was einfach nicht funktioniert, als würde mein Anruf nicht durchgehen, zum Verzweifeln. Bis mir einfällt, es über die relativ neu installierte VoIP-App zu versuchen (ich lerne mal wieder so viel grad!), das funktioniert. Meine Ansprechpartnerin bestätigt, dass sie mir nichts Schriftliches zur Verfügung stellen kann, und gibt mir die Nummer eines Mitarbeiters, der thailändisch spricht. Mittlerweile ist die Übersetzerin verschwunden, und der Beamte reagiert sehr unwirsch, als ich versuche zu kommunizieren, dass bitte jemand unter dieser Nummer das Missverständnis aufklären möge. Also stehe ich ratlos alleine vor seinem Schreibtisch, während er konzentriert auf seinen Bildschirm starrt & tippt, ca. 20 Minuten lang. Langsam füllt sich der Raum, letztendlich wuseln 8-9 Polizisten herum, und ich stehe offenbar ständig im Weg. Aber weiter kümmert sich niemand um mich, die Übersetzerin höre ich im Nebenzimmer. Für mich die kurioseste Gestalt im Raum: ein Mann, vermutlich ein paar Jahre älter als ich, mit Sonnenbrille (!), und (unangezündeter) Zigarette im Mundwinkel, der „bad cop“ wie er im Buche steht. Und der einzige, der mal was in Gang bringt: während offensichtlich schon vorher mehrfach über mich geredet wurde, spricht mich diesmal ein junger uniformierter Beamter an, und ordert mich zu sich. Er erklärt mir in überraschend gutem Englisch, dass die Polizei ein entsprechendes Dokument der Botschaft benötigt, um den Leichnam zur Bestattung freizugeben. Ihm erkläre ich erneut, dass ich kein Dokument bekomme. Immerhin erklärt er sich bereit, mit dem thailändischen Mitarbeiter zu sprechen - wenn ich den anrufe. Unter der Nummer geht niemand dran, in meiner Verzweiflung rufe ich wieder Frau F. an, die mir erklärt, dass der Mitarbeiter schon außer Haus sei. Ich erkläre ihr nochmal die Lage, und plötzlich ist alles „ein Missverständnis“ - sie wird sich um das Schreiben kümmern, allerdings frühestens morgen… Ich bekomme einen neuen Termin bei der Polizei, morgen 13 Uhr - hoffentlich habe ich das Ding bis dahin…!

Wieder zuhause, frage ich David nach einem Bestattungsunternehmen. Wir ziehen seine Frau zu Rate, die sich spontan anbietet, mit mir zur Polizei & danach zum Tempel, um mit dem „Tempel-Anwalt“ (?!) die Einäscherung zu besprechen. Was für Engel ich getroffen habe!

Ich telefoniere mit Udos Vermieterin, und sage ihr, dass ich gleich vorbeikomme. Mein Navi sagt 7 Minuten, ich mache mich auf den Weg, und finde zwar direkt „Koh Phangan Villa Bungalows“, nicht aber „Koh Phangan Bungalows“… (könnt ihr euch vorstellen, was los ist, wenn ihr das als Internet-Suche eingebt?!)

Ich irre relativ hilflos am Strand herum, ein Telefonat mit der Vermieterin endet nur damit, dass sie immer wieder „Koh Phangan Bungalows“ wiederholt… Ich suche, rechts, links, weiter ins Landesinnere von dem mir von Google angegebenem Punkt aus, ohne Erfolg, dafür habe ich jetzt aber eine ganz gute Übersicht der Resorts hier… wieder am Strand, fange ich an die thailändischen Mitarbeiter der zahlreichen Kite-Schulen zu befragen, ich werde zwar immer weitergeschickt, aber helfen kann mir keiner (hatte vergessen, dann es passiert, dass man eher einfach in irgendeine Richtung geschickt wird, bevor derjenige zugibt, keine Ahnung zu haben). Mittlerweile bei mir: Hunger, Pipi, Durst! Und kein Restaurant o.ä. in Sicht. Ich weiß ehrlich im Nachhinein nicht mehr, warum ich die drei Touristen angesprochen habe, die dort gemütlich am Strand saßen wo ich meinen Roller abgestellt hatte, ein älteres Paar & ein Mann. Der ältere Mann guckte mich an, und sagte: „Do you know what?!“ Er und seine Frau fangen an zu lachen. „I actually know that place! But you‘re in the completely wrong road!“ Die beiden berichten, dass sie regelmäßig hier sind, und vor 22 Jahren das erste Mal in den „Koh Phangan Bungalows“, bei „Mama Pim“, und die liegen von hier aus auf der anderen Seite von Thongsala…! Wie groß ist dieser Zufall?! Diesmal wohnen sie woanders, erinnern sich aber sehr gut an das kleine, alte Resort mit wohl außergewöhnlichen Hüttchen. Ich bedanke & verabschiede mich, und werde gefragt, ob das mein Ernst sei jetzt zu gehen. Alle gucken hinter mich, und wirklich, da bahnt sich ein spektakulärer Sonnenuntergang an! Ich finde ein WC, setze mich mit meinem mitgebrachten Wasser zu den dreien, und wir reden: David, Chris (aus Kanada) & Jörg (aus Kassel) staunen darüber, warum ich die Bungalows suche, und irgendwann kommt David mit einer kleinen Dose Bier für mich - eiskalt…! Was für ein Geschenk des Himmels, schon wieder 2 Engel getroffen! Im Dunklen mache ich mich auf den Heimweg, und genieße dort nur noch das Meer & das gute Essen, bevor ich ins Bett falle…

Antworten (4)

Kinga
Liebe Ilka- das könnte man sich alles nicht ausdenken, so verrückt ist diese Geschichte hier!! Ich wünsche dir ganz viel Geduld, Kraft und Zuversicht auf deiner Reise und hoffentlich nur nette und selbstgewählte Abenteuer. Liebe Grüße

Kerstin
Mögen dir weitere Engel begegnen, du machst das sensationell toll 🫶

Ute
Gute Nerven brauchst Du aber wirklich!!! Aber Du hast es bis jetzt bravor gemeistert. Ich wünsche Dir weiter das Alles gut zu Ende geht. 🥰🤪

Senkelchen
Liebe Ilka, auch diese Herausforderungen wirst Du schaffen. Ich wünsche Dir ganz viel Keaft, Zuversicht und Optimismus. Fühl Dich gedrückt 😘🤗

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