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Wo die Zeit still steht

Veröffentlicht: 30.04.2023

Wir haben wirklich sehr großes Glück. Ganz spontan dürfen wir bei der Familie Kodama unterkommen. Wir hatten die Familie bereits ein paar Tage vorher besucht und zu Anni und Nei haben wir schnell einen guten Draht gefunden. Auch Salia und Namira haben sich gleich mit den Schwestern Kogumi und Nanami angefreundet. Die Familie ist vor vier Jahren nach Tomi gezogen, vorher haben sie 8 Jahre in Tübingen in der Wagenburg gelebt. Neis Familie wohnt seit über 120 Jahren auf dem Grundstück – hier saßen schon die Samurais zusammen und haben sich auf einen Tee getroffen. Das Haus hat viele Winkel und so manche Geheimgänge. Die Familie betreibt am Wochenende auch ein Café und ist offen für Besucher. Sie bauen Wein an, den sie auch verkaufen.

Anni, Nei, Nanami und Kogumi sind so lieb und herzlich, dass wir gar nicht merken, wie schnell die Tage vergehen. Große Ausflüge machen wir gar nicht, viel schöner ist es, die Koifische bei einer naheliegenden Quelle zu streicheln und ein sehr schönes Onsen zu besuchen (so wie Gott uns schuf auf einem Berg stehen und die fernen Stadtlichter betrachten – ein sehr archaisches Gefühl). Im Onsen gibt es gewisse Regeln, die einzuhalten sind. Es ist eine Reinigungsstätte für Körper und Geist. Die Schuhe lässt man vor dem Betreten des Onsens in einen dafür vorgesehen Bereich. Dann erst geht man zur Umkleide. Man badet dort unbekleidet. Männer und Frauen sind voneinander getrennt. Zunächst wird kräftig geduscht, geschrubbt und eingeseift. Es gibt kleine Hocker auf denen man sitzen kann. Frauen und Mädchen tragen einen Zopf, die Haare dürfen nicht ins Wasser hängen. Darauf wurden wir gleich hingewiesen. Dann geht es in die verschiedenen Becken. Je nach Größe des Onsens gibt es kalte Becken und verschiedene heiße Becken (über 42 °C). Für Namira sind die meisten Becken zu heiß, sie übergießt stolz und unerschrocken ihren Bauch mit dem kalten Wasser (21 °C). Salia liebt das heiße Wasser und ist davon auch nicht wegzubekommen. Zu lange sollte man nicht im heißen Becken sitzen - für den Kreislauf ist es nämlich eine Herausforderung, ähnlich wie beim Saunieren. Am Schluß haben wir alle knallrote Bäckchen. Nach dem Baden kann man sich in einem großen Raum, der mit Tatamimatten ausgekleidet ist, ausruhen.

Die Japaner baden eigentlich jeden Abend. Hygiene ist ein wichtiges Thema. Man könnte ein ganzes Buch nur über die Körperhygiene schreiben. Oder allein nur über die Supertoiletten. Die können nämlich alles. Sie haben eine Bidetfunktion und sogar eine Sound-Funktion. Dann hört man entweder ein aufgenommenes Spülgeräusch oder Vogelgezwitscher.  Man findet sie fast überall. Auch im Konbini. Ob man die dort in vollem Umfang benutzen will, ist eine andere Frage, aber zumindest ist der Sauberkeitsstandard unvergleichlich.

Zuhause malen die Mädels sehr viel und auch ich habe die Ehre eine Wand im Café zu gestalten. Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit!
Am Samstag gehen wir dann weiter Richtung Kyoto, wir fahren dabei am Kisogebirge vorbei – es regnet leider und die Regenwolken verdecken die Sicht auf die Berge, aber wir können erahnen wie schön es ist. Unser gemietetes Auto leistet gute Dienste und nach 8 Stunden Fahrt kommen wir in Tokoname an.

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