Lama Kheno!
Aus der trockenen Höhe geht es weiter in den verregneten Dschungel Nepals. Und dort hat man mich nicht vergessen...

Veröffentlicht: 30.06.2022
Da waren selbst die vielen Affen baff: Hunderte Mönche ziehen mit LIchtblüten und Laternen um die Stupas im heiligen Swayambhu. Ein Bild, das ich leider nicht selbst festhalten konnte, aber nie vergessen werde. Der Akku meines Telefons war zur Unzeit leer. Denn dieser Ausflug kam unerwartet.
Als in meinem luxuriösen Hotelzimmer das Telefon klingelt und die Rezeption mir ankündigt, dass ein Lama und ein Mädchen zu mir wollen, ahne ich nichts von dem nächtlichen Ausflug, der mich erwartet. Vielmehr denke ich, dass Rangdröl und Sonam gekommen sind, um mit mir das Ticket zurück nach Leh zu buchen. Das machen wir auch, Rangdröl hat schon alles vorbereitet. Nur zahlen muss ich noch. Am 5. geht es nun also zurück in die Berge. Eigentlich wollte ich noch bleiben, bis mein Lehrer am 7. Juli abreist. Aber mein nepalesisches Visum endet am 6. So muss ich also schon früher los. Macht nichts. Ich freue mich auch auf die Rückkehr in meine zweite Heimat.
Als wir dann von dem Ticketverkäufer aufbrechen, denke ich, wir gehen vielleicht zum Abendessen. Hatte ich schließlich noch nicht. Aber denkste. Plötzlich wartet da ein Taxi und fährt uns (Sonams Mutter Drölma und ihre Schwester Rinchen sind mittlerweile zu uns gestoßen) durch den dichten Abendverkehr nach Swayambhu. Drölma hat jede Menge Kartons dabei, in denen sich elektrische Lichterblüten und Kerzen in Blütenform befinden. Eine indonesische Sponsorin hat die Sachen geordert, damit in Swayambhu eine Lichterprozession stattfinden kann. Sämtliche Mönche aus dem Kloster Rinchen Palri reisen an, um an dem heiligen Platz Wunschgebete zu rezitieren.
Swayambhu ist der älteste Stupa seiner Art in Nepal und ist umgeben von zahllosen Schreinen und Tempeln. Der Komplex, dessen Name selbst erschaffen oder entsprungen bedeutet, wurde ungefähr zu Beginn des fünften Jahrhunderts nach Christus gegründet, und ist sowohl Buddhisten als auch Hindus heilig. Und er dient auch zahlreichen Affen als Heimat, die dort ebenfalls als heilig angesehen werden.
Und das hängt zusammen mit Manjushri, Bodhisattva der Weisheit und des Lernens, der den Hügel errichtete, auf dem der Stupa steht. Es heißt, er soll das Wasser aus dem Kathmandutal abgelassen haben. An der Stelle des heutigen Swayambhu war ein Lotus, aus dem dann der Hügel entstand. Und die Affen? Tja, das ist eine etwas wenger blumige Geschichte. Manjushri soll seine Haare lang wachsen lassen haben und bekam Läuse. Aus diesen Läusen entstanden dann die heiligen Affen.
Heilig hin oder her, frech sind unsere tierischen Verwandten auch in Swayambhu. Klaut sich doch einer glatt eine der elektrischen Blüten und erklimmt siegesgewiss den Stupa. Der leuchtende Affe hatte sicherlich Essbares erhofft, geerntet hat er stattdessen herzhaftes Gelächter und staunende Gesichter der vielen Menschen am Fuß des Stupas.
Dort gibt es dann noch ein Highlight, von dem ich leider nur ein Video habe, das sich aber nicht auf diese Seite hochladen lässt. Sämtliche Mönche versammeln sich und stimmen inbrünstig ein Mönlam (Wunschgebet) an, das so herzergreifend ist, dass ich automatisch die Luft anhalte. Dieses Bild der unzähligen in Rot und Gelb gekleideten Mönche, die mit einer Hand ihre Lichtblume darbieten und mit verzückten Gesichtern das Mönlam singen, wird für immer in meinem Gedächtnis haften bleiben.
So schön.
Da ich leider nicht so viele Bilder von diesem Highlight habe, liefere ich noch ein paar nach, die mich aus Ladakh erreicht haben. Dort ist Lama Rigdzin rechtzeitig zum Festival mit seiner Arbeit an den Masken und Garudas fertiggeworden und hat mir dankenswerterweise die Ergebnisse seiner Arbeit geschickt und mich einmal mehr beeindruckt. Vielleicht ja auch euch.
So, das war's fürs erste. To be continued...