Woche 28 - Pokhara + Besisahar
Bei den Busfahrten wird hier unterteilt in Tourist Bus und Local Bus, wobei es Standard und Luxus Touribusse gibt. Zum Glück habe ich mich für die Luxusvariante mit den...


Veröffentlicht: 03.05.2024
































































Tag 1:
Heute stand nochmal eine Fahrt an, da wir ja ein bisschen Strecke aufholen mussten, die wir jetzt nicht mehr laufen konnten. Von Besisahar nach Dharapani mit dem ,shared jeep‘ (Fahrer plus 6 Leute auf 4 Sitzen). Floor, ich und unsere langen Beine haben direkt wieder den vorderen Sitz bekommen und dann ging die wilde Fahrt los. Mit beißendem Schweißgeruch im Jeep und der lautesten Trillermusik, der ich je begegnet bin, ging es über so holprige Straßen, sodass nur meine Reisetablette mich sicher ans Ziel bringen konnte und meine Schrittezähler App am Ende des Tages dachte ich wäre 13.000 Schritte gelaufen. Aber schon hier war die Natur beeindruckend, auch wenn man durch die Windschutzscheibe hauptsächlich den Boden und die ganzen Anhänger und Sticker im Auto gesehen hat. Sicher angekommen im super süßen Teehaus erstmal nen schön fetten Mittagsschlaf gemacht. Schlafen geht man beim wandern ja eh super früh deshalb war um neun auch schon Sense bei uns.
Tag 2:
Endlich der erste Trekkingtag! Heute geht es von Dharapani (1800m) nach Chame (2600m). Wir starten frisch und früh mit Frühstück um 7 Uhr und laufen dann auch direkt los. Puru ist total gechillt und eher so der introvertierte Typ, was mir ganz gut passt. Wir starten in einem guten Tempo, aber schnell ist klar Floor läuft schneller als ich, vor allem bei Steigung. Trotzdem funktioniert das ganz gut und ich kann in Ruhe mein Schneckentempo an den Tag legen. Und wir hängen auch nicht alle drei die ganze Zeit hintereinander, sondern laufen ein bisschen verstreut, sehr relaxed. Ich wusste das vorher schon, denn ich wander generell sehr langsam, mache einige Verschnaufpausen, Fotopausen und Trinkpausen. An diesem Tag habe ich aber auch deutlich noch die Schwäche der Lebensmittelvergiftung gespürt. Vor allem die erste ernsthafte Steigung hat mir doch kurz ein bisschen Angst gemacht bezüglich dem Rest der Wanderung. Zwischendurch hatte ich extrem Herzrasen und die ganzen Leute, vor allem große Tourgruppen, haben mich etwas überfordert. Nach einer Pause zum Durchatmen und ein noch langsameres Tempo meinerseits ging es dann aber, und ich habe mich die ewige Steigung hochgekämpft. Trotz Schneckentempo sind wir trotzdem auch immer wieder an den gleichen Gestalten vorbei und auch insgesamt waren wir eine Dreiviertelstunde vor Purus Prognose am Ziel. Das hat mir bestätigt, dass das Tempo total klargeht. Und man muss dabei auch noch bedenken, dass die meisten Leute einen Porter gebucht haben und selbst nur mit einem mini Tagesrucksack wandern (dazu später mehr). In Chame angekommen sind wir quasi bis zum letzten Teehaus gelaufen, schön mit extra Steigung, Puru immer sportlich voraus. Die letzten Kilometer haben uns dann schon den Rest gegeben und wir sind direkt ins Bett gefallen. Dieses Zimmer war fast das schönste bisher (zwei Doppelbetten Luxus) aber dafür arschkalt, sodass direkt unsere Thermoklamotten aus den Rucksäcken gerupft wurden. Ungefähr eine halbe Stunde nach unserer Ankunft fing ein extremer Regenfall an, Gottseidank für Puru!
Tag 3:
Die heutige Tour von Chame (2600m) nach Upper Pisang (3300m) verlief für mich um einiges besser als der vorherige Tag. Klar die Beine schmerzen und eigentlich auch alle restlichen Muskeln aber so langsam kommt man in einen Laufrythmus und auf andere Gedanken. Da wir am Tag davor auch genügend Erholungszeit hatten, haben wir uns total aufs Laufen gefreut. Beim Aufwachen waren zwar noch Minusgrade aber nach Aufreißen der Gardine und dem Anblick von Mount Manaslu (8156m, dem 8. größten Berg der Welt) war das sofort vergessen und wir standen stramm beim Frühstück (Veggie Omelette mit Chapati). Durch das gute Wetter mit der extrem klaren Sicht, wegen gestrigen Regens, war meine Laune auch bei 100% und ich hätte am liebsten alle 5 Minuten angehalten für Fotos. Ich hatte meine Rucksack heute auch entsprechend umgepackt, sodass nicht so viel draußen dran rumbammelt, was sich beim laufen positiv bemerkbar gemacht hat. Generell lernt man ja mit seinem Equipment beim Wandern sich schnell anzupassen und das perfekte Outfit etc zu tragen. Mittagessen kam nach einer Extremsteigung etwas später und wir haben beide reingehauen. Für mich gibt es immer Veg. Momos, da ich Dumplings einfach in allen Formen liebe. Der letzte Part war nicht einfach und auch in Pisang hatten wir wieder das letzte Hotel genau vor dem Tor, wodurch man das Dorf wieder verlässt😂 Trotzdem man erst an allen teuren schicken Unterkünften vorbeigeht, ist auch das letzte total süß und den Hammerblick auf die Berge haben alle, denn wir sind ja mitten im Himalaya!
Tag 4:
Von Pisang (3300m) geht es nach Manang (3540m) und heute macht sich die dünne Luft schon deutlich bemerkbar! Uff bei der ersten ewigen Steigung bin ich direkt super kurzatmig und zweifle schon meiner Fitness, also Puru sagt, dass es an der Luft liegt. Danach war es mehr oder weniger ein ziemlich flacher weg aber irgendwie hat sich der Tag ins ewige gezogen. Den Weg haben wir heute überwiegend mit einer Tiesengruppe Portern geteilt, die zwar viel schneller laufen, aber auch zahlreiche Pausen einlegen, sodass man sich immer gegenseitig überholt hat. Die Porter tragen laut Puru alle 25+ Kilo, meistens zwei riesige Duffelbags plus eigener Rucksack zusammengezurrt, und mit einem Band über die Stirn gelegt und den Oberkörper vorn übergebeugt. Ich habe gemischte Gefühle darüber, denn das kann einfach nicht gesund für sie sein, aber gleichzeitig werden gut bezahlte Jobs kreiert. Wir waren auf jeden Fall doch sehr stolz, unseren eigenen Kram geschleppt zu haben, auch wenn sich das zusätzliche Gewicht (~10gk) vor allem in der Höhe durchaus sehr stark bemerkbar gemacht hat. Heute taten die Füße ganz schön weh aber wir haben uns bis zu einer späten Mittagspause durchgekämpft, sodass danach überraschenderweise das Teehaus schon nach einer Stunde erschien. Manang scheint ein super süßes Örtchen zu sein und auch das vergleichsweise große Teehaus mit warmer Dusche (!!!) zur Abwechslung mal und der sonnigen Dachterrasse könnte nicht einladender sein. Bei mir gibts dann heute Abend ne schöne Knoblauchsuppe (tatsächlich sehr lecker) mit Chapatis und einem Ingwertee (alles sehr wirksam gegen die Höhenkrankheit). Eine halbe Tablette gegen die Höhenkrankheit haben wir jetzt auch angefangen einzunehmen, da wir die Chance zu erkranken jetzt echt nicht mehr riskieren wollen. Davon kribbeln lediglich extrem die Fingerkuppen und man muss dauernd pinkeln. Spannende Themen. Morgen ist Akklimatisierungstag! Das heißt relaxing, yeahh!
Tag 5:
Akklimatisierungstag in Manang (3540m)! Wir konnten ,ausschlafen’ und um 8 Uhr statt wie sonst um 7 Uhr frühstücken. Meistens gibt es bei uns morgens Veg. Omelette mit Chapati oder Porridge mit Apfel und Honig. Ich war natürlich trotzdem um 6 wach, habe mich aber sehr über den Entspannungstag gefreut, denn die wahre Challenge bieten die nächsten 5 Tage. Heute geht es darum, sich an die dünnere Luft zu gewöhnen, weshalb man den Tag auch mit einer kleinen 2-stündigen Wanderung zum Gangapurna Glätschersee startet. Sogar ohne dicken Rucksack ist man super schnell außer Atem. Zurück in Manang hatten wir einen suuper schönen entspannten Tag. Zum Lunch gab es eine Pizza mit Yak Käse und danach haben wir noch Essentials geshopped, da Manang der letzte Ort ist, der mit dem Jeep zu erreichen ist und somit die Preise noch bezahlbar sind. Danach wird alles an Essen und Produkten von Yaks und Portern nach oben getragen (unglaublich). Ich habe noch eine extra Trinkflasche und Wollmütze und Wollsocken im Nepali Style gekauft. Danach wurde eine Stunde auf dem Dach in der Sonne eingelegt und dann die seit 4 Tagen heiß ersehnte warme Dusche genommen, um eeendlich die Haare zu waschen. Das wird auch die Letzte sein für die nächsten 5 Tage, da es nur noch Eiswasser gibt oder die Leitungen komplett einfrieren. Wie neugeboren bin ich aus der Dusche gehüpft und habe abends direkt noch einen megaa guten Veggie Burger gegessen (nur nachdem ich den schon bei anderen auf dem Teller gesehen hab. Jetzt reichts mit Lebensmittelvergiftung!), denn das Restaurant hier war wirklich ausgesprochen gut. Die Folgen unserer Lebensmittelvergiftung schränken uns leider ein wenig bei der Essensauswahl ein, deshalb die westlichen Gerichte.
Tag 6:
Von Manang (3540m) zum Tilicho Base Camp (4200m) waren es 3 Etappen. In zwei Stunden nach Khangsar, dann zwei weitere Stunden nach Sreekharka und krasser Steigung und nach dem Mittagessen, mit unglaublichem View auf den Tilicho Berg (7100m), weitere drei Stunden zum Base Camp. Das Ende war wirklich ein brutaler Weg mit steilen Steigungen und Abhängen auf einem schmalen Pfad und links und rechts sehr hoher Gefahr von Erdrutschen. Die Aussicht über den Tag hinweg war die beste bisher, da wir uns den schneebedeckten Gipfeln immer mehr nähern und die großen Riesen plötzlich wie 3-tausender Berge aussehen. Bei Ankunft im Base Camp wischt man sich einmal das Gesicht, die Achseln und die Füße mit Baby Wipes ab, schmeißt sich in die ,drinnen Klamotte‘, pfeift sich ein langersehntes Snickers rein und verfällt in einen koma-ähnlichen Schlaf bis es kurz darauf Abendbrot gibt. Zum Abendbrot erscheinen wir ab jetzt nur noch in unseren XXL Daunenjacken.
Tag 7:
Tilicho Base Camp (4200m) zum Tilicho See (4919m) und zurück und nach dem Lunch zurück nach Sreekharka. OHA. Ich glaube das war die herausfordernste Wanderung meines Lebens und generell auch der absolut anstrengendste Tag. Die Wanderung zum See hatten wir massiv unterschätzt und ich dachte zwischendurch bestimmt 20x ich brech ab und habe zwischendurch durch die super dünne Luft gekeucht wie ein Asthmapatient. Irgendwie doch sehr gruselig, wenn man tief mit dem Mund einatmet und nichts in der Lunge ankommt. Der Weg zum See sollte 3 Stunden gehen, aber ich hab 4:15h gebraucht, denn es ging DIE GANZE ZEIT STEIL BERGAUF. Bei jeder Kurve dachte ich, dahinter kommt der See und er kam und kam einfach nicht. Floor war ungefähr 10 Minuten vor mir und unser Guide in der Mitte. Mich hat aber sehr beruhigt als Floor danach ebenfalls meinte, dass es das schwerste war was sie je gemacht hatte. Ich habe es eigentlich nur durchgehalten, weil ich mich ab der Hälfte wortlos an ein russisches Paar gehängt habe, die wirklich in Zeitlupe aber gleichmäßig und ohne Pausen den Berg hochgekrochen sind. Hier waren die Muskeln eigentlich gar kein Thema mehr, sondern nur meine schlechte Kondition und dünne Luft haben mich fast umgelegt. Die Ankunft am See hat Stolz ausgelöst und ich bin froh, dass ich es geschafft habe. Der Blick war schön, aber das war er davor auch schon die ganze Zeit…Der Weg nach unten hat nur 1,5h gedauert, was mir fast lächerlich vorkam nach diesem Kampf. Und jetzt der Knaller: nach dem Mittagessen im Base Camp mussten wir noch drei Stunden nach Sreekharka (mit hoch und runter und dem gruseligen Erdrutschengebiet, wo man eigentlich lieber schnell durchhuschen möchte, aber einfach nicht kann). Angekommen sind wir wirklich komplett fertig und haben ein bisschen schiss vor den nächsten Tagen🫣 Aber für die Natur, die man hier zu sehen bekommt, lohnt es sich allemal!
