Miriam
Miriam
vakantio.de/afrika-2026
Live Botsuana

Alles eine Frage der Perspektive

Veröffentlicht: 16.08.2026

Sehenswert
Chobe River
Chobe National Park, Botswana
Sehenswert
Lodge
Chobe National Park, Botswana

Gestern Nachmittag steigen wir mit Gästen, die wir schon von der morgendlichen Jeeptour kennen, in ein Boot auf dem Chobe River. Das Boot hat gut zehn Sitzplätze und wirkt im Verhältnis zu den anderen sechs Booten, die mit uns ablegen, eher klein.

Sofort kommen die Erfahrungen vom Morgen zur Sprache. Im Vergleich zu den diversen anderen Safaris, die einige bereits unternommen haben, sei das ja echter „Massentourismus“ gewesen.

Und ja: Mein Eindruck vom morgendlichen „Drive Game“ mit 50 bis 100 Jeeps, Funkkontakt und der gemeinsamen Jagd nach den gerade gesichteten Löwen war durchaus ähnlich.

Während wir mit dem Boot relativ ruhig die Stellen ansteuern, an denen unser Guide Tiere vermutet oder entdeckt, denke ich darüber nach. Auch über Angebot und Nachfrage. Wenn wir alle Safaris machen wollen – manche von uns nicht nur eine –, dann sorgen wir schließlich selbst für die Nachfrage, auf die mit entsprechenden Angeboten reagiert wird. Sich über die vielen anderen Touristen zu beklagen, während man selbst mitten unter ihnen sitzt, ist zumindest ein kleiner Widerspruch. 🤔

Auf dem Chobe River ist alles ruhiger und langsamer. Wir haben viel mehr Zeit, die Tiere tatsächlich zu beobachten, ihnen bei ihren Bewegungen zuzusehen und ihr Verhalten wahrzunehmen. Wir fahren erst weiter, wenn alle ihre Aufnahmen gemacht haben – oder die Nähe des Krokodils nicht länger aushalten. 🫣

Und so entstehen einige der schönsten Filme und Fotos.

Unser einheimischer Guide kennt die Tierwelt beeindruckend gut und erzählt uns, dass er seit mehr als zehn Jahren in diesem Beruf arbeitet und es immer noch gerne tut. Als wir nach der Tour wieder anlegen, bedankt er sich bei uns dafür, dass wir den Tourismus in Botswana unterstützen und damit auch seine Existenzgrundlage sichern.

Der Satz bleibt hängen.

Natürlich beantwortet er nicht die Frage, wie viel Tourismus Natur und Tiere vertragen. Aber er fügt ihr eine weitere Perspektive hinzu. An all den Booten, Jeeps und Lodges hängen eben auch Menschen und ihre Arbeitsplätze.

Vielleicht ist es also gar nicht die Frage, ob Tourismus gut oder schlecht ist. Sondern wie viel davon ein Ort verträgt – und wie wir reisen wollen, wenn wir selbst Teil davon sind.

Der Herr, der uns gestern Abend freudestrahlend das Essen an den Tisch bringt, erzählt uns, dass abends häufig eine Eule unter das hohe, offene Dach der Lodge fliegt. Von ihrer Beute profitieren offenbar gelegentlich auch die Katzen.

Zwei davon haben wir bereits entdeckt. Eine hatte parallel zu uns gerade ihr Abendessen verspeist – arme Maus. 🐭🤷‍♀️

Bei einer der Katzen fehlt die Spitze eines Ohres. Mein Mitgefühl ist natürlich sofort geweckt: „Oh, die Arme …“ – und schon entstehen in meinem Kopf Vorstellungen von „auf sich gestellt“ und Vernachlässigung.

Dann erfahren wir, dass ausgerechnet sie die Lieblingskatze unseres Obers ist. Und die fehlende Ohrspitze? Kein Ergebnis eines harten Lebens, sondern die Markierung des Tierarztes dafür, dass die Katze kastriert wurde.

Ich bin beeindruckt – und schäme mich ein kleines bisschen für meine vorschnelle Geschichte von der vernachlässigten afrikanischen Katze. 🙈

Wieder was gelernt: Nicht alles, was für uns nach Vernachlässigung aussieht, ist auch eine.

Und während ich diesen Eintrag schreibe, hören wir plötzlich ein Geräusch und schauen auf der Suche nach dem Tornado nach oben.

Aber es ist nur ein Rollkoffer hinter uns. 😂

Afrika verändert uns … 😉

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Begleitung
Mit Freunden
KulturellEntspannend
  • Bootsfahrt auf dem Chobe River
  • ruhigere Tierbeobachtung als bei der Jeeptour
  • Eule unter dem Dach der Lodge
  • Katzen an der Unterkunft
NaturTierweltTransit
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