Ein bisschen Afrika kommt mit
Heute gönnt uns Südafrikas Winter wunderbares Sommerwetter – zumindest für norddeutsche Verhältnisse. 😎 Wir lassen es an unserem letzten Urlaubstag noch einmal ganz entspannt...

Veröffentlicht: 25.08.2026
Eigentlich war der letzte Blogeintrag ja schon geschrieben. Eigentlich. 😬😅
Heute Morgen wachen wir relativ früh auf, was uns auf dem Weg zum Frühstück nicht nur wieder diese urige Tür, sondern auch ein tolles Naturschauspiel beschert: Während sich die Sonne noch hinter der Bergkuppe versteckt, kriecht der morgendliche Nebel über den Gipfel.
Da unser Boarding heute aber erst um 17:15 Uhr beginnt und wir nun auch nicht allzu früh am Flughafen sein wollen, suchen wir uns für die Fahrt von Franschhoek nach Kapstadt noch einen Zwischenstopp.
Seit ich im Heimatmuseum in Kapstadt die Afrikaans sprechende Dame an der Kasse ziemlich ahnungslos für eine Niederländerin gehalten habe 🙈, interessiert mich, wie diese Sprache eigentlich entstanden ist. Da kommt das Afrikaanse Taalmonument in Paarl, ein Denkmal für die Sprache Afrikaans, gerade recht.
Schon die Lage ist beeindruckend. Das 57 Meter hohe Monument steht weithin sichtbar hoch oben auf einem Hügel, umgeben von einem überraschend großen, sehr gepflegten Park mit interessanter Vegetation (und einem wunderschönen Ort zum Schachspielen 🤩). Von dort hat man einen fantastischen Blick über Paarl und die umliegenden Winelands.
Mit einem Audioguide laufen wir durch die Anlage und erfahren, dass Afrikaans zwar hauptsächlich auf dem Niederländischen basiert, aber keineswegs einfach nur das Niederländisch der weißen Siedler ist. Seine Entstehung erzählt vielmehr ziemlich viel von der Geschichte Südafrikas.
Als die Niederländer im 17. Jahrhundert am Kap eine Versorgungsstation gründen, treffen hier Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft aufeinander: europäische Siedler, die bereits am Kap lebenden Khoi und San sowie Menschen, die vor allem aus Südostasien und anderen Teilen Afrikas als Sklaven ans Kap gebracht werden. Im alltäglichen Kontakt verändert sich das Niederländische, Wörter aus anderen Sprachen kommen hinzu und nach und nach entsteht daraus Afrikaans.
Einige Spuren davon sind uns auf unserer Reise längst begegnet, ohne dass wir es wussten. Kudu und Springbock zum Beispiel. Und sogar der etwas skurrile Name Dikkop für einen Vogel ist Afrikaans und bedeutet tatsächlich schlicht „Dickkopf“. 😄
Besonders interessant finde ich, dass auch die aus Südostasien verschleppten Menschen einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Sprache hatten. Viele von ihnen waren Muslime, und frühe religiöse Texte auf Afrikaans wurden sogar in arabischer Schrift verfasst.
Das alles wird im Audioguide sehr ausführlich erklärt und findet sich auch in der Architektur des Monuments wieder. Seine verschiedenen Säulen und Bögen stehen für die Einflüsse aus Europa, Afrika und Asien, die schließlich zu einer gemeinsamen Sprache zusammenfließen.
Je länger wir zuhören, desto interessanter finden wir das Ganze. Irgendwann fällt uns allerdings auch auf, was wir nicht erfahren, und ich nutze das WLAN am Flughafen für weitere Recherche. 🤓
Denn die Geschichte des Afrikaans hört natürlich nicht mit seiner Entstehung auf. Im 20. Jahrhundert wird die Sprache immer stärker zu einem Symbol der weißen Afrikaaner und schließlich auch zu einer der Sprachen des Apartheidstaates – jenes Systems, das Menschen nach ihrer Hautfarbe trennte und der schwarzen Bevölkerungsmehrheit grundlegende Rechte vorenthielt.
1976 versucht die Regierung schließlich durchzusetzen, dass schwarze Schulkinder bestimmte Fächer auf Afrikaans lernen müssen. In Soweto protestieren Tausende Schülerinnen und Schüler dagegen. Die Polizei schießt auf die Demonstrierenden, zahlreiche Menschen sterben. Der Aufstand wird zu einem wichtigen Wendepunkt im Widerstand gegen die Apartheid.
Und nun wird der Zeitpunkt, zu dem wir hier stehen, noch einmal besonders interessant: Das Taalmonument wurde 1975 eröffnet – mitten in der Apartheid und nur ein Jahr vor dem Aufstand von Soweto.
Davon erfahren wir während der gesamten Führung nichts. Auch in unseren Informationsblättern wird dieser Teil der Geschichte nicht erwähnt. Bei einem Denkmal, das ansonsten so ausführlich von der Entstehung und Bedeutung des Afrikaans erzählt, finden wir diese Lücke zumindest bemerkenswert.
Noch etwas fällt uns auf: Zum ersten Mal auf unserer Reise sitzen hier am Eingang und hinter der Museumskasse weiße Südafrikaner. Nachdem wir in den touristischen Dienstleistungsbereichen bisher fast ausschließlich schwarzen oder in Südafrika als „Coloured“ bezeichneten Beschäftigten begegnet sind, registrieren wir das inzwischen tatsächlich sofort. Ob das hier irgendeine Bedeutung hat, wissen wir natürlich nicht. Aber interessant finden wir, dass es uns überhaupt auffällt.
So wird aus einem Zwischenstopp, mit dem wir eigentlich nur verhindern wollten, viel zu früh am Flughafen zu sein, unerwartet noch einmal eine ziemlich interessante Begegnung mit der komplizierten Geschichte Südafrikas.
Und am Flughafen sind wir natürlich trotzdem viel zu früh. 😂✈️
Jetzt aber wirklich: Ende. 🙈
