Alles eine Frage der Perspektive
Gestern Nachmittag steigen wir mit Gästen, die wir schon von der morgendlichen Jeeptour kennen, in ein Boot auf dem Chobe River. Das Boot hat gut zehn Sitzplätze und wirkt im...

Veröffentlicht: 16.08.2026
Neben der Lodge gibt es ein „Elefantenmuseum“. Hier sehen wir beeindruckend große Knochen, erfahren von besonderen Rezeptoren in den Vorderfüßen, mit denen Elefanten Vibrationen von Artgenossen, Menschen oder auch herannahenden Stürmen wahrnehmen können, und lesen, dass die Kleinen erst einmal üben müssen, mit ihrem faszinierenden Rüssel umzugehen – was wir bei unseren Beobachtungen ja auch schon vermutet hatten. 😊
Zwar gibt es hier in Chobe und überhaupt in Botswana sehr viele Elefanten, aber die Afrikakarte ist wirklich erschreckend: In den letzten 250 Jahren hat sich der Lebensraum der Elefanten in Afrika um fast 70 Prozent reduziert.
Damit bekommt auch die mir immer wieder ins Auge fallende Zerstörung der Vegetation eine andere Bedeutung. Es gibt nicht einfach „zu viele Elefanten“. Vielmehr konzentrieren sich in manchen Regionen sehr viele Tiere auf einen zunehmend begrenzten und zerschnittenen Lebensraum. Zudem sorgt der Klimawandel mit Hitze und längeren Trockenperioden dafür, dass Wasser und Nahrung knapper werden. Wo weniger Gras zur Verfügung steht, greifen Elefanten verstärkt auf Bäume und Sträucher zurück.
Die Aussage unseres Taxifahrers „Elephants destroy everything“ erscheint damit plötzlich in einem anderen Licht. Sie ist auch Ausdruck eines Konfliktes zwischen Mensch und Tier, der hier sogar einen Namen hat: HEC – Human-Elephant Conflict.
Bei unseren Fahrten zu Lande und zu Wasser sind wir außerdem an streng gesicherten Anti-Poaching-Bereichen vorbeigekommen. Zu ihrem eigenen Schutz, so erklärt uns der Guide, seien Betreten und Fotografieren dort verboten. Die Anti-Poaching-Einheiten müssen ihre Standorte, Arbeitsweisen und vermutlich auch ihre Identität bzw. Bewegungen schützen. Wilderei sei nach wie vor ein großes Problem.
Auf den Tafeln lesen wir heute, dass in den vergangenen 15 Jahren etwa 30.000 afrikanische Elefanten pro Jahr illegal wegen ihres Elfenbeins getötet wurden – rechnerisch mehr als 82 am Tag. Der internationale kommerzielle Elfenbeinhandel ist zwar seit 1989 durch CITES weitgehend verboten, doch der illegale Handel besteht fort.
So wird aus dem zunächst recht einfachen Bild vom schützenswerten Elefanten ein ziemlich komplexes: Klimawandel, schwindender und zerschnittener Lebensraum, Konflikte zwischen Menschen und Elefanten und Wilderei hängen miteinander zusammen.
Natürlich gilt vieles davon auch für zahlreiche andere große und kleine Tierarten, deren Lebensräume unter Druck geraten sind
Und während wir hier in Chobe manchmal das Gefühl haben, Elefanten seien einfach überall, zeigt die Karte, wie außergewöhnlich dieser Eindruck eigentlich ist. 🐘
Morgen verlassen wir Chobe und fliegen mit dem Kleinflugzeug ins Okavango-Delta. Das Wetter scheint mich schonen zu wollen: ich bin etwas aufgeregt und lege auf zusätzliche Turbulenzen nicht so richtig viel Wert. Bin sooo gespannt 🤩
