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Tag 5: Midelt - Ziz Tal - Wüstencamp Hassilabied

Veröffentlicht: 22.10.2026

Fahrt
Midelt → … → Hassilabied
283 km
Unterkunft
Glamping · Hassilabied · Booking
Sehenswert
Rissani
Rissani, Morocco
Attraktion
Ziz-Canyon
Morocco

31.3.26

Highlights des Tages:

· Tizi n’Talghaumt Pass (1.907 m)

· Ziz Tal, Oase & Canyon

· Rissani

· Erg Chebbi Wüste

· Übernachtung im Wüstencamp

## Vom Mittleren Atlas bis in die Sahara – oder wie unsere Wüstenpläne plötzlich auf der Kippe stehen

Nach einer ruhigen Nacht in der Villa Pomme d'Or in Midelt starten wir gut gestärkt in den Tag. Es gab ein reichhaltiges Frühstück mit Obst, Omelette, Teigfladen und dem leckeren Mandelmus, welches wir schon in Fès so gerne gegessen haben. Auf geht’s zur nächsten Etappe unserer Marokko-Rundreise – vom Mittleren Atlas bis an den Rand der Sahara.

Schon kurz hinter Midelt führt uns die Straße über den Tizi n'Talghaumt Pass auf 1.907 Metern Höhe. Immer wieder legen wir kleine Fotostopps ein, denn die Ausblicke sind einfach spektakulär. Tief eingeschnittene Schluchten, Flüsse, die sich ihren Weg durch die Felsen bahnen, und dazwischen immer wieder grüne Oasen – die Landschaft wechselt ständig ihr Gesicht.

Besonders beeindruckend ist die Fahrt durch das Ziz-Tal. Die endlosen Palmenhaine der Ziz-Oase bilden einen faszinierenden Kontrast zu den schroffen Felsformationen des Canyons. Manchmal fühlen wir uns eher wie irgendwo im Südwesten der USA als in Marokko. Die roten Felsen, die weiten Ebenen und die bizarren Schluchten erinnern uns tatsächlich erstaunlich stark an Arizona.

Doch während ich eigentlich die Landschaft genießen möchte, beschäftigt mich etwas ganz anderes. Von unserem gebuchten Wüstencamp habe ich seit der Reservierung nichts mehr gehört. Da man für den Kamelritt zum Camp die ungefähre Ankunftszeit durchgeben soll, versuche ich den Anbieter kurzerhand per WhatsApp zu erreichen. Die Antwort trifft mich völlig unvorbereitet.

Ein gewisser Mohammed schreibt zurück, dass das Camp gar nicht mehr existiert und unsere Buchung damit hinfällig ist.

Wie bitte?!

Vielen Dank auch an Booking.com, die es offenbar nicht für nötig halten, uns darüber zu informieren. Bezahlt haben wir zum Glück noch nichts, aber wir sind nur noch wenige Stunden von der Wüste entfernt und stehen plötzlich ohne Unterkunft da.

Während mein Gatte die Sache gewohnt gelassen sieht und einfach nach Merzouga fahren möchte, um dort spontan ein Camp zu suchen, halte ich davon überhaupt nichts. Gerade in der Hauptsaison möchte ich nicht auf gut Glück irgendwo landen.

Also frage ich Mohammed, ob er vielleicht ein vergleichbares Camp empfehlen kann – möglichst mit Halbpension, Kamelritt und einem ähnlichen Preis wie unsere ursprüngliche Buchung.

Zu unserer Erleichterung kümmert er sich sofort darum. Er kontaktiert einen befreundeten Veranstalter und kurze Zeit später haben wir bereits ein Angebot für das **White Camp** – gleiche Leistungen, gleicher Preis. Perfekt! Wir sagen zu und bekommen kurz darauf den Treffpunkt an der Shell-Tankstelle bei Hassilabied geschickt.

Jetzt kann ich endlich wieder entspannt aus dem Fenster schauen.

Am Aussichtspunkt über dem Ziz-Canyon legen wir natürlich noch einen Fotostopp ein. Von hier oben bietet sich ein fantastischer Blick über die gewaltige Schlucht und die endlosen Palmenoasen. Auffällig sind auch die unzähligen Wohnmobile und Camper auf dem Parkplatz – offenbar ein echtes Paradies für Wohnmobilreisende.

Unser nächster Halt ist Rissani. Dort besuchen wir den traditionellen Wochenmarkt der Berber und Nomaden. Hier geht es noch authentisch zu, weit entfernt von den auf Touristen zugeschnittenen Souks in den großen Städten und fernab von geschönten und aufgehübschten Tourismusmärkten. Man sieht hier zwischen Obst, Gemüse, Gewürzen, Stoffen und allerlei Alltagswaren fast ausschließlich Einheimische.

Besonders bekannt ist Rissani für seinen "Eselparkplatz". Doch so kurios das zunächst klingt, desto bedrückender ist der Anblick. Viele Esel und Pferde wirken erschreckend abgemagert und müssen schwere Wagen ziehen. Manche stehen regungslos im Staub und sind kaum mehr als Haut und Knochen. Uns macht dieser Anblick traurig und zeigt einmal mehr, dass das Leben vieler Menschen hier alles andere als leicht ist.

Je näher wir der Wüste kommen, desto größer wird die Vorfreude. Kurz hinter dem Ortsausgang entdecken wir die ersten Kamele am Straßenrand, und am Horizont tauchen schließlich die ersten Sanddünen auf. Die Sonne lässt die Dünen vor uns rot und orange leuchten. Sieht wahnsinnig toll aus.

An der Shell-Tankstelle bei Hassilabiad warten wir nur wenige Minuten, bis unser Fahrer eintrifft. Zusammen mit zwei weiteren Fahrzeugen – beide ganz normale Limousinen beziehungsweise Kleinwagen – sollen wir seinem Geländewagen folgen. Unser Dacia Duster fühlt sich auf der Schotterpiste sofort wohl, während ich mit den Fahrern der kleinen Autos ehrlich gesagt nicht tauschen möchte.

Über Schotter-, Sand- und Lehmpisten geht es einige Kilometer ins Nirgendwo, bis wir eine kleine Ansammlung von Häusern erreichen. Neben einer Kameltränke parken wir unsere Autos und laden das Gepäck um.

Kurz darauf treffen drei Jeeps ein: zwei vom White Camp und einer von einem anderen Camp für das Paar aus dem Kleinwagen.

Unsere Koffer verschwinden auf dem Dach des Jeeps und dann beginnt die eigentliche Fahrt Richtung Wüste. Mit ordentlich Tempo geht es über die Sandpisten.

Allerdings macht sich schon bald eine kleine Ernüchterung breit.

Eigentlich fahren wir nicht mitten durch die Dünen, sondern eher an ihnen vorbei. Unser Camp liegt doch ein gutes Stück von den großen Sandbergen entfernt. Links entdecken wir ein verlassenes Camp, rechts auf einer kleinen Anhöhe das Arabic Desert Camp – genau jenes Camp, das ich bei der Buchung ebenfalls in der engeren Auswahl hatte. Ausgerechnet dagegen habe ich mich entschieden. Ironischerweise, weil ich damals dachte, es läge zu weit von den Dünen entfernt. Tja… manchmal kommt eben alles anders.

Im White Camp angekommen, werden wir von einem sehr jungen Mitarbeiter empfangen, der kaum älter als 16 Jahre aussieht. Im großen Gemeinschaftszelt serviert er uns erst einmal traditionell Minztee und eine Schale Nüsse – eine sehr herzliche Begrüßung.

Anschließend zeigt er uns unser Zelt. Da wir das "letzte Zelt" gebucht haben, liegt unseres direkt neben dem Hauptzelt, während die Familie, die gemeinsam mit uns angekommen ist, das Nachbarzelt bezieht.

Und dann kommt die nächste Überraschung – diesmal eine sehr Positive.

Unser Zelt ist riesig. Ein großes bequemes Bett, eine kleine Sitzecke, ein Waschbecken und dahinter, jeweils hinter einem Vorhang versteckt, sogar eine richtige Dusche und eine normale Toilette. Von "Camping" kann hier wirklich keine Rede sein.

Unweigerlich müssen wir an unsere Wüstenübernachtung in Abu Dhabi denken. Dort bestand unsere Unterkunft aus einer ziemlich mitgenommenen Matratze auf dem Boden und einem Gemeinschafts-WC. Dafür sind wir damals allerdings auch die einzigen Gäste im gesamten Camp – ein Abenteuer, das wir bis heute nicht vergessen haben.

Jetzt sind wir gespannt, was uns dieser Abend mitten am Rand der Sahara noch alles bescheren wird.

Eigentlich sollte der Transfer zum Camp auf Kamelen stattfinden… Auch die anderen Touris im Camp, die mit uns ankamen, wissen nicht, ob und wann sie auf Kamelen reiten werden. Außer uns scheint das niemand „gebucht“ zu haben. Wir hatten ja bei der telefonischen Buchung explizit nachgefragt, ob der Kamelritt im Preis inklusive sei. Antwort: „YES!“

Wir fragen einen Mitarbeiter nach dem Kamelritt und erhalten ein harsches „not today“ zurück. Prima…

Da es heute scheinbar nicht mehr mit Kamelen zum Sunset in die Dünen geht, schnappen wir uns ein Sandboard und machen uns zu Fuß auf den Weg zu den Dünen.

Wir klettern auf die Höchste der „kleinen Dünen“, der Gatte versucht sich im Sandboarden (mehr der weniger erfolgreich 😅) und wir schauen den zahlreichen Tourigruppen um uns herum zu, wie sie per Kamel durch die Dünen ziehen.

Der Sunset ist toll.

Vor uns dreht ein Skarabäus Käfer seine Runden und flitzt regelrecht über den Sand.

Wir laufen zurück zum Camp, es gibt Abendessen im großen Hauptzelt. Alles ist schon eingedeckt. Es gibt Tajine (für mich vegetarisch), Suppe und Nachtisch.

Das Camp wird scheinbar von drei Brüdern geleitet, denn auch jetzt sehen wir niemanden außer den Dreien, die uns seit der Ankunft betreut haben. Der Jüngste bedient, die anderen Beiden sind in der „Camp-Küche“.

Nach dem Essen tobt im Camp nebenan der Bär. Es wird getrommelt, gesungen, getanzt… bei uns allerdings „tote Hose“.

Einer der Brüder zündet an der Feuerstelle das Feuer an, wir uns eine Handvoll anderer Touris sitzen außen rum. Gemütlich – aber keine „Party“ – die tobt nebenan.

Irgendwann sind alle drei Brüder am Feuer und trommeln Rhythmen auf diversen Instrumenten, verteilen Rasseln und lustige Kopfbedeckungen an uns, animieren zum Tanzen (die Spanier sind voll dabei), es ist kurzweilig lustig.

Unser Fahrer kommt zu uns und teilt dem Gatten mit, er müsse mitkommen und unser Auto „umparken“. Hä??? What???

Wir hatten unseren Wagen ja an einer Kameltrekkung Station geparkt – zusammen mit den beiden anderen Touriautos. Diese werden nun ebenfalls gebeten, mitzukommen und das Auto umzuparken.

Das kommt uns alles sehr strange vor. Der Gatte ist skeptisch, will eigentlich und ich möchte eigentlich nicht, dass er da alleine mitgeht (mein Kopf spielt gerade diverse Entführung-in-der-Wüste-Szenarien durch… ich schaue zu viele Krimiserien). Als die anderen Touris aber dann mit ihm zusammen gehen, fühle ich mich etwas besser – auch wenn ich nun alleine am Lagerfeuer mit den anderen Touris sitze.

Es dauert fast 1 Stunde, dann sind alle zurück. Angeblich durfte man die Autos da nicht parken, wo sie standen und mussten irgendwo anders abgestellt werden. Der Herr neben mir flucht, weil er ja im Gegensatz zu uns keinen SUV, geschweige denn einen 4WD oder Allradwagen hat und im Dunkeln die Sandpiste, Geröll und Steine noch weniger sehen konnte. Er sagt, er hätte sich mehrfach fast festgefahren, als es plötzlich durch tieferen Sand ging. Na super… ich bin gespannt, wo wir unseren Mietwagen morgen finden.

Wir sitzen danach noch eine Weile am Feuer und schauen in den Sternenhimmel, bevor wir dann ins Zelt gehen – mit dem Getrommel und Gesinge aus dem Nachbarcamp im Ohr.

Zumindest ist es bei uns im Camp ruhig und gemütlich – wer Partyleben bevorzugt, sollte das Nachbarcamp buchen.

Für die Statistik:

Gefahren: 283 km Gelaufen: 11.070 Schritte Wetter: 26 Grad, trocken & sonnig (nachts 13 Grad) Unterkunft: The White Camp (Deluxe-Zelt, Ü/Fr)

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Frühling · 13–26°C
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichAbseits der PfadeEntspannend
  • Fahrt über den Tizi n’Talghaumt Pass und durch das Ziz-Tal
  • Besuch des Wochenmarkts in Rissani
  • Sandboarden auf den Dünen bei Sonnenuntergang
  • Abend am Lagerfeuer im White Camp
Sandboard
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