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Stadtführung mit kanadischem Humor

Veröffentlicht: 26.10.2017

Nachdem ich Vancouver eine Woche lang selbst erkundet hatte, war es Zeit für eine Stadtführung. Schon in Deutschland hatte ich den Tipp bekommen die "Tourguys"-Stadtführungen mitzumachen. Und ich muss sagen der Tipp ist Gold wert. Die Touren werden von jungen Kanadiern geführt und sind kostenlos. Am Ende der Tour kann (!) man ein Trinkgeld geben, in einer Höhe, die einem angemessen erscheint und man sich leisten kann. Am Montagmorgen startete unsere Tour durch Downtown Vancouver, geführt von einer Frau (deren Name mir gerade leider nicht einfällt). Ich habe noch nie eine so sympathische, energiegeladene und enthusiastische Stadtführerin erlebt. In jedem Satz konnte man spüren, wie sehr sie die Stadt liebt und stolz ist Kanadierin zu sein.

Ich muss sagen die oft gerühmte Freundlichkeit der Kanadier ist allgegenwärtig. Im Handyladen wurde ich über ne Stunde freundlich zu den Verträgen beraten, im Supermarkt musst du nur fragend gucken und schon kommt ein Mitarbeiter um zu fragen ob er dir helfen kann. Eigentlich fragt jeder Mitarbeiter an dem du vorbeikommst ob alles ok ist. Im Jeansladen wurde ich glaub ich acht Mal gefragt ob alles gut ist. Immer nett, immer freundlich, nie aufdringlich. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir manchmal doch etwas viel ist. Auch der Small Talk macht mir noch Schwierigkeiten, wenn ich auf meine Mitbewohner treffe und jedes Mal ein "How are you" folgt, komm ich mir irgendwann mit "fine" doch blöd vor :)

Aber zurück zur Stadtführung. Die Tourguys machen die Stadtführungen aus Spaß, aus Freude daran neue Leute kennenzulernen und einfach eine gute Zeit zu haben. Und das merkt man. Los ging es in Richtung Vancouver Art Gallery. Dort geht man auf die ganz eigene Art mit den verschiedenen kanadischen Kulturen um. Oben auf dem Dach sind verschiedene Schiffe angebracht. Ein weißes Segelschiff steht für die Weißen, ein gelbes Schiff für die Asiaten und ein rotes Kanu für die Ureinwohner.
Nach ein paar Stationen der Führung konnten wir uns eine alte Kirche angucken. Von außen total unscheinbar, von innen aber wunderschön restauriert. Neben der Kirche steht einer der vielen Skyscraper. Hier begegnete mit auf der Tour zum ersten Mal der kanadische Humor. Nun ist es so, dass es in Vancouver das Gesetz gibt, dass die Häuser höchstens 40 (könnten auch 42 sein) Stockwerke hoch sein dürfen. Einer der alten Bürgermeister wohnte mit vielen seiner Freunde an einem Ort in Vancouver, wo sie das Wasser sehen konnten und sie wollten nicht, dass ihnen die Sicht verbaut wurde, also beschlossen sie diese Höchstmaße, über die sie genau drüber gucken konnten. Nun ist Baugrund in Downtown aber sehr teuer und je höher sie bauen können, desto lukrativer ist es natürlich. Also suchten sich die Bauherren ein Schlupfloch und fanden es. Wenn in unmittelbarer Nachbarschaft ihres Skyscrapers ein öffentliches Gebäude gibt, das diese Höhe nicht ausnutzt, dann können sie diesem die Luftrechte abkaufen. Die Kirche ist natürlich nicht ansatzweise so hoch. Vor ein paar Jahren konnte die Kirche die hohen Grundstückskosten nicht mehr zahlen und stand kurz vor der Pleite. Also schlossen sie mit den Bauherren des Skyscrapers einen Vertrag. Die bekommen die Luftrechte und können höher bauen und dafür müssen sie sich solange das Hochhaus steht finanziell um die Kirche kümmern. Nun konnte die Stadt nichts gegen diesen Deal einwenden, aber die Kanadier bewahren ihren Humor und bei der Vergabe der Hausnummer des Hauses kam die folgende Zahl bei raus: 666. Sie hätten jede Zahl nehmen können, aber sie fanden diese am passendsten :D

Nach ein paar weiteren Stationen endete die Führung an der Waterfront. Mit Blick auf Nord-Vancouver und den Hafen der Wasserflugzeuge, ein wichtiges Transportmittel in dieser Gegend.

Hier gab es die zweite Begegnung mit dem kanadischen Humor, manche Dinge zu nehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen. Am Wasser gibt es Seevögel und die machen bekanntlich Dreck. Als die neue Promenade gebaut wurde, wollte man die Vögel von dort fern halten so gut es geht. Und dafür haben sie dann einfach mal ein Stück des alten Baus im Wasser stehen lassen, das die Vögel kennen, damit vertraut sind und wieder dahin zurückkehren anstatt auf die neue Promenade. Unansehnlich aber nützlich.

Am Wasser stellte ich dann auch fest, dass der Indian Summer doch noch mehr zu sehen ist, als ich es in der letzten Woche gemerkt habe. Die Farbenspiele an den Bäumen sind einfach wunderschön und mit der Kamera leider nicht richtig einfangbar.

Nach der Stadtführung bin ich dann noch alleine rumgelaufen, erst am Wasser entlang und dann weiter durch Downtown. Dabei bin ich auch am Landmark Tower vorbeigekommen. Ein Hotel von dem ich zufällig Tage vorher gelesen hatte, dass es abgerissen wird. Sie veranstalten einen Ausverkauf des kompletten Inventars, wenn also jemand ein paar hundert Minikühlschränke braucht, wisst ihr wo ihr hinmüsst ;) Das der Turm abgerissen wird ist wirklich schade, ganz oben im "Ufo" gab es ein Restaurant. Das drehte sich langsam um 360 Grad und man hatte einen unglaublichen Blick über die Stadt, wie ich in einem Video gesehen habe.

Am Dienstag hab ich einen Abstecher ins McArthurGlen Designer Outlet am Flughafen gemacht. Angeblich gebaut im europäischen Stil - naja, hat mich sehr an die Bauten im Europapark erinnert. Ich hab allerdings schnell festgestellt, dass die Outletpreise bei Armani, Ralph Lauren und Co. trotz Reduzierungen immer noch nicht ganz meine Preisklasse sind ;)


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