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Das Camperleben beginnt...

Veröffentlicht: 18.01.2018

Nachdem wir uns am 28.12. gegen Mittag von Emma verabschiedet hatten, fuhren wir in Richtung Westen, um einmal die andere Seite Neuseelands zu erkunden. Der Whatipu Campground sollte unser erster Campingplatz werden. Auf ungefähr gleicher Höhe wie Auckland, in einem Zipfel an der Westküste gelegen und keine 5 min zu Fuß vom Strand entfernt.

Nach einer ca. einstündigen Fahrt durch dichtes Buschland und auf teilweise abenteuerlichen Schotterstraßen, konnten wir auf dem weitläufigen Zeltplatz endlich zum ersten Mal unser brandneues Zelt aufbauen. Klappte super, nur das Aufpumpen unserer 2 x 1,50 m Luftmatratze war mit der Handluftpumpe etwas langwierig. Dafür hatten wir im fertigen Zustand ein richtiges Luxus-Nachtlager im Zelt!

Von riesigen bewaldeten Hügeln und Meeresrauschen umgeben, kochten wir zu späterer Stunde unser erstes Camping-Abendessen: Nudeln und Tomatensoße – der Backpacker-Klassiker! :-D

Am nächsten Tag erkundeten wir die nahe gelegenen Höhlen (die sich leider als wenig spektakuläre größere Löcher entpuppten) und den wunderschönen felsigen Strand mit schwarzem Vulkansand und wilder Brandung.

Nach der zweiten Nacht beschlossen wir, weiterzuziehen. Nicht ohne eine erste Lektion im Gepäck: Ohrenstöpsel sind des Campers beste Freunde. Ob schreiende Kinder oder enorm singfreudige Vögel, die mit Vorliebe direkt neben dem Zelt sitzen – denk an Ohrenstöpsel und die Nacht gehört dir.

Am folgenden Tag landeten wir in einer Airbnb-Unterkunft in Kaipara Flats. Bei Wladimir und seiner Frau verbrachten wir eine vor allem RUHIGE Nacht in ländlicher Abgeschiedenheit und konnten endlich duschen gehen. War das eine Hitze die letzten Tage!

Silvester verbrachten wir äußerst unspektakulär im Hinterhof eines Hostels in Waipu, der gerade groß genug war, um eine Hand voll Zelte zu beherbergen. Wir hatten auf nette Gesellschaft gehofft und fanden vorwiegend Achtzehnjährige mit vorwiegend großem Alkoholdurst. Also schlugen wir uns den Abend zu zweit um die Ohren und gönnten uns ein Essen beim Inder um die Ecke.

Der nächste Tag entschädigte uns für den Vorangegangenen mit den jährlich zum Jahresbeginn in Waipu stattfindenden Scottish Highland Games. Auf einer riesigen Wiese konnten wir allerlei sportliche Disziplinen bestaunen. Das bunte Treiben fand jedoch am Nachmittag ein jähes Ende, da ein außerordentlicher Platzregen einsetzte. Da wir noch eine längere Strecke zum nächsten Campingplatz vor uns hatten, stürzten wir uns mutig in die Fluten auf dem Rückweg zum Auto. Klitschnass dort angekommen, fragten wir uns, ob es eine gute Idee wäre, die heutige Nacht im Zelt auf einem Campingplatz zu verbringen.

Da es sich mittlerweile richtig eingeregnet hatte, beschlossen wir, für die kommende Nacht unser Auto als Schlafplatz auszuprobieren. Noch immer im Regen, steuerten wir einen der kostenlosen Parkplätze an, auf denen man dafür nur eine Nacht campen darf. Am Abend wurde das Wetter endlich besser und wir konnten noch etwas draußen sitzen. Bei schönster Sicht auf Meer und umliegende Hügel ließen wir den Tag ausklingen. Die Nacht im Auto war jedoch leider unbequemer als erhofft, da wir auf den flach nach hinten geklappten Vordersitzen zu schlafen versuchten. Für eine Nacht aber einigermaßen ok und vor allem trocken!

Tags darauf befanden wir uns dann wirklich auf dem Weg nach Whangarei, zum zuvor ausgewählten Campingplatz. Das Beste vor Ort: ein Gemeinschaftsraum mit Kühlschrank, Kochmöglichkeiten, Kickertisch, Dartscheibe, Klavier, Gitarre und Hifi-Anlage. Außerdem: Drei warme (!!!) Duschen, eine Waschmaschine und ein toller Ausblick vom Camping-Gelände auf Whangarei, viele grüne Hügel und das Meer. Das Zelt bauten wir unter einigen Bäumen und Büschen auf, da das Wetter wieder schlechter werden sollte. Am nächsten Tag unternahmen wir auf Empfehlung von Chris, dem Besitzer des Campingplatzes (übrigens ein Schweizer), eine unserer schönsten Wanderungen bisher. Der Busby Head Track führte ca. 3 km an der Küste entlang, teilweise durch dichten Urwald und vorbei an ehemaligen Geschützbauten (nur drei Testschüsse jemals abgefeuert) und Aussichtshäuschen aus dem 2. Weltkrieg. Dabei hatten wir immer einen super Ausblick auf das Meer und die Felsformationen der Küste. Das abschließende Highlight des Rundweges war der Stopp an der Smuggler`s Bay, einer fast menschenleeren Bucht mit weißem Sandstrand und glasklarem und dafür sehr kalten Wasser. Einmal schwimmen musste natürlich trotzdem sein!

Der folgende Tag hatte für uns vor allem eines parat: Regen. Der ursprüngliche Plan, weiter in Richtung Norden zu fahren, musste vertagt werden, da es wie aus Kübeln schüttete. Glücklicherweise mussten wir währenddessen nicht im Zelt verharren, sondern konnten auf den Gemeinschaftsraum zurückgreifen. Dort saßen wir also den gesamten Tag, da es durchgängig goss. Am Ende hatten wir jedoch trotzdem einen super Tag, da mit uns u.a. drei Dresdner Jungs im Gemeinschaftsraum festsaßen. Bei unzähligen Runden Skip-Bo und Rommé hatten wir viel Spaß. Überhaupt bestand der gesamte Gemeinschaftsraum fast ausschließlich aus Deutschen. Erst zum späten Nachmittag stießen noch einige Franzosen dazu.

In der Nacht setzte zu allem Überfluss auch noch ein massiver Sturm ein, der uns doch einige Sorgen bereitete, da unser Zelt wie schon erwähnt unter Bäumen und Büschen aufgestellt war. Wir kamen mit einer schlaflosen Nacht davon, die Franzosen hatten dagegen leider richtiges Pech: Ein umgestürtzter Baum riss ihnen den Außenspiegel vom Auto ab! Alle Zelte und sonstige Autos blieben aber zum Glück heil.

Für die nächsten zwei Nächte buchten wir jedoch trotzdem lieber eine feste Unterkunft. Ein niedlicher Caravan in Kohukohu kam uns da sehr gelegen. Nach dem Frühstück und dem Abschied von den Dresdnern, machten wir uns also auf, weiter in Richtung Norden. In Kohukohu angekommen, fanden wir ein sympathisches „Hippie-Paradies“ vor, mit netten Leuten und verschiedenen Häuschen mitten im Nirgendwo. Der Regen verfolgte uns leider hierher und wir waren froh, dass wir bei diesem Wetter nicht noch eine Nacht im Zelt verbringen mussten.

Tags darauf beschlossen wir, dem größten und ältesten Kauri-Baum der Welt – „Tane Mahuta“ (Hüter des Waldes) – einen Besuch abzustatten. Nach Ankunft im Regen (mal was Neues), waren wir doch sehr enttäuscht. Ein sehr kurzer Weg führte die Touristenmassen in ca. 50 Metern direkt zum Baum. Einbahnstraße. Kein Rundweg, nichts. Und mit uns, neben allerlei anderen Touristen zwei asiatische Reisegruppen, die ihrem Image alle Ehre machten. Ein wildes Fotogeknipse machte es schwer, auch einmal an die Reihe zu kommen. Fazit: Viel zu viele Menschen, um einen nicht so ganz spektakulären Baum. Trotzdem ärgerten wir uns nicht zu sehr. Wären wir nicht dort gewesen, hätten wir sicher geglaubt, etwas verpasst zu haben.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es ohne Regen über Kaitaia (zum Einkaufen und Wäsche waschen) noch weiter in Richtung Norden in die Nähe von Pukenui, zum Utea Campground. Das letzte Stück bis zum Ziel „zierte“ mal wieder eine Gravel Road – also Schotterpiste. Staub ohne Ende und unser Auto mutierte zur absoluten Dreckschleuder. Dafür sahen wir unterwegs eine Menge Wildpferde direkt an der Straße. Später erzählte man uns, dass es eine absolute Seltenheit wäre, diese überhaupt zu Gesicht zu bekommen! In den nächsten Tagen sahen wir sie trotzdem noch einige Male.

Endlich angekommen, fanden wir einen gemütlichen Campingplatz mit warmen Duschen und sehr netten Leuten direkt hinter den Dünen des Ninety Miles Beach. Der Platz, an dem wir unser Zelt aufbauten, war schön windgeschützt und gab uns sogar die Möglichkeit, von den Dachträgern unseres Autos zum nächsten Baum eine Wäscheleine zu spannen. Praktisch für nasse Badesachen und Handtücher!

Am nächsten Tag war es dann endlich soweit: Wir fuhren zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Für die Maori hat dieser Ort eine besondere Bedeutung, da nach ihrem Glauben die Seelen der Verstorbenen von dort aus auf die Reise ins Jenseits gehen.

Der Ausblick vom Cape war wirklich wunderbar. An dieser Stelle trifft übrigens die Tasmanische See auf den Südpazifik, was man an unterschiedlich hellen Strömungen erkennen kann. Neben der wirklich wunderschönen Sicht, war jedoch auch das Cape etwas touristenüberladen. Auf dem Rückweg besuchten wir die riesigen Sanddünen (Te Paki) am nördlichen Teil des Ninety Miles Beach. Wir fühlten uns wie in einer Wüste! Sand, soweit das Auge reichte und hinter jeder Düne noch mehr davon. Wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß, in diesem übergroßen Sandkasten herumzuspazieren. Wirklich sehr beeindruckend! Nächster Stopp auf dem Weg zurück zum Campingplatz: Die Spirits Bay. Das Besondere an diesem Strand ist (neben seiner generellen Schönheit und Abgeschiedenheit) der Sand. Beziehungsweise, dass der Strand eben nicht aus Sand, sondern aus Millionen kleinster Muschelteilchen besteht. Die gesamte Bucht ist davon bedeckt. Die Wellen waren hier unheimlich hoch und das Wasser kalt, aber eine Abkühlung musste sein. Langsam ins Wasser gehen? Keine Chance. Mit der ersten Welle waren wir komplett nass. 😊

Diesen tollen Tag ließen wir beim Sonnenuntergang in den Dünen des Ninety Miles Beach – quasi unserem Hausstrand direkt hinter dem Campingplatz – ausklingen.

Tag 2 verbrachten wir auf dem Campingplatz und unternahmen einen Abstecher zum Strand nebenan. Einmal baden am Ninety Miles Beach musste erledigt werden. Als wir zurückkamen, waren viele Neulinge auf dem Campingplatz eingetroffen. Unter anderem auch einige Wanderer, die auf dem Te Araroa unterwegs waren. Dieser Wanderweg führt von der Nord-bis zur Südinsel Neuseelands und misst insgesamt 3.000 km. Einige Wanderer wollten den gesamten Weg gehen, andere nur einen Teil. Wir waren jedenfalls sehr beeindruckt von diesen Vorhaben, aber gleichzeitig auch froh über unser Auto.

An Tag 3 verabschiedeten wir uns vom Utea Campground mit einer Autofahrt am Strand zurück in Richtung Süden. (Der Ninety Miles Beach ist dafür bekannt, als Straße genutzt zu werden.) Es ist schon etwas Besonderes, mit dem eigenen Auto direkt am Strand entlang zu fahren! Nach ca. zwanzigminütiger Tour bogen wir ab in Richtung Halbinsel Karikari. Dort besuchten wir die Maitai Bay, eine der schönsten Buchten, die wir bisher gesehen hatten. Im glasklaren Wasser, welches mit einigen Felsen dekoriert war, sahen wir viele Schnorchler. Nach einem (wieder sehr kalten) Badestopp machten wir uns auf den Weg nach Awanui, da wir durch die Campermate-App dort einen der begehrten kostenlosen Parkplätze gefunden hatten. Schlafen im Auto, Teil 2.

Wir erwarteten eine gewohnt kleine Stellfläche und hofften, überhaupt noch ein Plätzchen abzubekommen. Überraschenderweise fanden wir jedoch eine riesige Wiese, inkl. einiger schattenspendender Bäume und ringsum dichtem Urwald vor. Besonderes Highlight: Um zu den Toiletten zu gelangen, mussten wir knöcheltief durch einen Fluss waten. Blöd, als es dunkel wurde, schön, als wir am Morgen das eiskalte Wasser als Wachmacher nutzen konnten! Leider können wir das Schlafen im Auto nun aber auch nach der zweiten Nacht nicht empfehlen. Dafür spart es hin und wieder einige Dollar und lohnt sich wenigstens finanziell.

Mittlerweile schrieben wir nun schon den 11.01.2018 und wir hatten noch vier Tage bis zu unserem ersten Job. Vom 14.-23.01. wollten wir bei einer Familie auf einer Farm, nahe Whangarei wwoofen (dazu im nächsten Beitrag mehr).

Die übrigen drei Nächte bis zu unserem Arbeitsbeginn verbrachten wir auf einem Campingplatz namens „The Farm“. Der Name war Programm: Ein riesiges Grundstück mit Kühen, Pferden, Hunden, Katzen und drei zahmen kleinen Schweinchen erwartete uns. Wir hatten einen tollen und vor allem schattigen Zeltplatz und genossen den Komfort der Anlage. Eine riesige, urige Küche und eine lange gemütliche Veranda luden zum gemütlichen Zusammensitzen ein. Hier lernten wir neben Adrian (Franzose, der in Frankfurt/M. lebt und arbeitet), René und Anne aus der Nähe von Mannheim sowie Niko und Meike aus Göteborg kennen. Letztere konnten aber auch gut Deutsch, da Meike ursprünglich aus Köln kommt und Niko daher einiges beigebracht hatte. Nach lustigen und verquatschten Abenden, haben wir nun eine Einladung nach Schweden für 2019! 😊

Am nächsten Tag wurde Philipp, dank Adrian, das erste Mal zum Sportfotografen! In der Elliot`s Bay, nahe unseres Campingplatzes wollte er surfen gehen und bat Philipp, währenddessen einige Fotos von ihm zu schießen. Begeistert sagten wir zu. Einerseits konnten wir so einen erfahrenen Surfer beobachten, andererseits konnte Philipp seine Fotokünste weiter ausbauen. Mit vollem Erfolg! Adrian sprach noch den ganzen Abend von den super Bildern, die er jetzt endlich einmal von sich beim Surfen hätte! 😊

Weiteres Highlight unseres Aufenthaltes: Ich hatte die Möglichkeit, an einem abendlichen Ausritt teilzunehmen. Ausschließlich im Schritt und hintereinander ging es, begleitet von zwei erfahrenen Reiterinnen, quer durch das riesige Farmgelände. Vorbei an Kühen, durch einen Teil dichten Urwald und einen kleinen Fluss, bergauf und bergab. Im Licht des Sonnenunterganges war das ein tolles Erlebnis! (Außerdem hatte ich das schönste Pferd von allen! :-D)

Morgen ist nun unser erster Tag in Hukerenui bei Familie Williams. Wir sind gespannt, was unsere Wwoofing-Zeit in Hukerenui für uns bereithält.

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Antworten (4)

M.
Beautiful mugs! 😉

An
Yeees! The most beautful of all mugs! 💙

Karli
Ich bin so froh wieder von euch zu lesen. Ich bedaure das ich keine Karte von Neuseeland habe um mit der Beschreibung in euren Spuren zu wandern. Aber ich freu mich das es euch gut geht und das ihr gesund seid. Habt noch viel Freude auf eurer Reise. Ich freue mich bald wieder von euch zu lesen. Eure Kati

sophiedraws4u
oh wooow, der kauri-park ist ja ein traum! und die smuggler's cove schaut auch wahnsinnig schön aus :) ohhh annelie, du warst ja reiten und das auch noch auf einem sooo schönen pferd:D boooah wie gern hätt ich der skip-bo/rommé-runde beigewohnt, das wär sicher witzig gewesen mit den dresdnern :P