Zimmer (Mord) mit Aussicht
Tatsächlich hege ich Mordgedanken. Es stimmt zwar, dass die Aussicht aus dem Zimmer atemberaubend ist, ein Mord könnte aber dennoch in A


Veröffentlicht: 05.07.2026




















Heute starte ich zu meiner ersten Wanderung und die möchte ich alleine unternehmen.
Es geht von Wertach nach Schießbachtobel und schließlich nach Ellegghöhe.
Diese liegt ca. auf 1.100 m. Es müssen also 185 Höhenmeter überwunden werden. Hört sich erst einmal nicht viel an.
Bevor ich am Nachmittag starte, habe ich ein deftiges und zünftiges Mittag eingenommen. Spinat Knödel mit Pilzen. Ausgesprochen lecker.
Jana hat dann noch ein Schmankerl für mich beiseite geschafft und so gibt es zum Nachtisch noch einen Kuchen.
So gestärkt, dürfte der „Aufstieg“ locker zu schaffen sein. Es ist wieder warm aber nicht zu heiß. Trotzdem schleppe ich mich mit 2 Flaschen Wasser und einem Pullover ab. Vielleicht verlaufe ich mich ja und muss irgendwo übernachten.
Es dauert eine Stunde bis ich den Startpunkt Schießbachtobel gefunden habe. Mit Schildern haben sie es hier nicht so.
Ich bin froh, dass es in den tiefen dunklen Wald rein geht und ich im Schatten der Bäume kraxeln kann. Es geht hier nämlich schon bergauf.
Die Wurzeln erweisen sich als gut nutzbare Treppen , die einem den Aufstieg erleichtern. An einigen Stellen ist der Boden vom letzten Regen aber so aufgeweicht und matschig, dass man gut daran tut, aufzupassen, denn ein falscher Schritt und man landet tief. Unter mir fließt ein reißendes Bächlein.
Den Blick also fokussiert nach unten gerichtet und mit festem Schritt voran.
Ich genieße es ja sichtlich allein durch die Natur und in vermeintlich völliger Abgeschiedenheit zu wandern, um für mich zu sein. Ich fühle mich dann so glücklich und zufrieden, losgelöst von allen weltlichen Dingen, die manchmal schwer auf meinen Schultern liegen und sowieso nicht zu ändern sind. Und das tolle an diesen wunderbaren Erlebnissen ist, dass man sie sich einfach zurück ins Gedächtnis rufen kann, wenn es einem mal nicht so gut geht.
Genauso kann man es mit Kindheitserinnerungen machen, sofern man eine schöne Zeit in Kindheitstagen hatte.
Meine war schön, wild und vor allem sehr lebendig. Nachts schwimmen gehen, in der Heumiete toben, von der Disco nachts nach Hause laufen. Die Welt schien für mich grenzenlos …Hauptsache verboten. Das machte für mich den Reiz aus.
Mein autobiografisches Fundament auf dem ich meine Lebensgeschichte aufgebaut habe. Stabil, sicher, alles ist schließlich machbar.
Meinen Gedanken nachgehend, achte ich gar nicht mehr so recht, welchen Weg ich einschlage und plötzlich höre ich ein Gebimmel, dass mir vertraut vorkommt. Für mich steht fest, dass es das Geläut der Kuhschellen der Kühe ist. Sie kommen näher und so ganz kann ich nicht ausmachen, ob ich mich in ihrem Territorium befinde oder sie in meinem. Schon wate ich durch morastigen Boden, der von den Huftieren aufgewühlt worden zu sein scheint. Ein bisschen mulmig wird mir.
Aber am Ende wird ja bekanntlich alles gut und so kann ich auch in einiger Entfernung und trotz meiner schlechter Augen den Zaun ausmachen, der mich von den Kühen trennt.
Ich trete nun aus dem Wald raus und wandere die letzten Meter eine Wiese und ein Stück Straße empor zur Ellegghöhe, begleitet von Mäusebussarden über mir. Es müssen an die 6 Stück sein. Soviel habe ich noch nie auf einmal am Himmel gesehen.
Ich kehre in den Gasthof ein, der bereits in 4. Generation betrieben wird und sich wahrhaftig auch so präsentiert. Selbst die vielen Fliegen auf meinem Käsebrot tun ihr Übriges dazu.
Aber der Ausblick ist grandios. Da gibt es nix zu meckern.
Zufälligerweise treffe ich Margarita im Gasthof. Nein, damit ist nicht „das Getränk“ gemeint, sondern eine Frau aus Berlin, die genauso wie ich im Kurhotel abgestiegen ist. Aber der Name sollte hier wenigstens einmal erwähnt werden.
