Rundweg Koh Tao
Mit Komoot hatte Simon eine rund sieben Kilometer lange Wanderung durch den südlichen Teil der Insel geplant. Einige Abschnitte und Wegpunkte waren bereits von anderen Nu


Veröffentlicht: 11.06.2026








Am 7. Juni machten wir uns früh am Morgen auf den Weg zu einem kleinen Strandabschnitt nahe des Piers. Dort liegt mit dem Mae Haad Shipwreck ein Schiffswrack nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche, das als beliebter Schnorchelspot gilt. Bereits in Badekleidung, aber mit festem Schuhwerk ausgestattet, wanderten wir die rund 2,5 Kilometer über Stock und Stein und einigen kleineren Anhöhen dorthin. Der Weg durch den Wald, vorbei an dem verlassenen Resort, das wir bereits erkundet hatten, war wunderschön.
Schon in Ufernähe konnten wir einige junge Riffhaie beobachten, später kreuzte sogar ein deutlich größeres Exemplar unseren Weg. Das Wrack selbst überraschte uns mit seiner Größe. Rund um die Überreste des Schiffes tummelten sich unzählige Fische verschiedenster Arten.
Anschließend schwammen wir zu einem Strand, der näher an unserer Unterkunft lag und an dem wir wieder an Land gehen wollten. Unterwegs begegneten uns große Schwärme von Wimpelfischen sowie mehrere beeindruckend große Drückerfische. Besonders der Titan-Drückerfisch kann mit bis zu 75 Zentimetern Körperlänge stattliche Ausmaße erreichen. Anders als die eher scheuen Haie verteidigen Drückerfische ihr Revier, besonders während der Brutzeit, äußerst aggressiv. Deshalb hielten wir lieber etwas Abstand. Trotzdem konnten wir beobachten, wie einige Tiere andere Fische verfolgten und sogar bissen.
Beim Umrunden eines Felsens kam es dann aber doch unvermittelt zu einer Begegnung auf kurze Distanz mit mir und einem Drückerfisch, was uns wohl beide kurz erschreckte, denn der Fisch wusste auch nicht so recht was er jetzt unternehmen sollte und so haben wir uns eine ganze Weile angestarrt.
Von der Jansom Bay aus bot sich vom Wasser aus ein herrlicher Blick auf die verfallenen Bungalows des Lost Places an den Hängen oberhalb der Bucht. Einige Teile der Dachkonstruktion waren bereits ins Meer gestürzt. Zwar verfügten die Bungalows theoretisch über einen direkten Zugang zum Wasser, doch die starke Brandung hätte dort wohl jeden Badegast unweigerlich gegen die Felsen gedrückt. Vielleicht war das auch einer der Gründe, weshalb das Resort zu wenig Umsatz erwirtschaftet hatte. Zudem liegt es ausgesprochen abgelegen: Man erreicht es ausschließlich zu Fuß, und Einkaufsmöglichkeiten gibt es in der näheren Umgebung ebenfalls keine.
Genau diese Abgeschiedenheit war für uns ein Grund, die Tao Thong Villa 2 auszuwählen. Ob dies allerdings für die breite Masse gilt, ist fraglich. Die Übernachtungspreise waren damals in den Bamboo Huts zudem recht hoch angesetzt und richteten sich eher an zahlungskräftige Urlauber als an flexible Backpacker. Gleichzeitig ist Koh Tao alles andere als barrierefrei. Bei unserer Unterkunft führen beispielsweise steile Treppen über mindestens zwanzig Höhenmeter hinunter zum Restaurant und Strand. Ein französischer Gast, der mit Krücken unterwegs war, verbrachte deshalb seine Tage komplett im Restaurantbereich, um den beschwerlichen Auf- und Abstieg nur einmal täglich bewältigen zu müssen.
Nachdem das Meer an unserem Strand in den vergangenen Tagen zu rau zum Baden gewesen war, konnten wir an unserem letzten Nachmittag noch eine kleine Abschiedsschnorchelrunde unternehmen. Wir wurden auch prompt belohnt, als wir gleich zwei Meeresschildkröten beobachten konnten. Als sie aufeinandertrafen, betrachteten sie sich zunächst neugierig, bevor sie mit ihren Schnäbeln kurz die Vorderflosse der jeweils anderen berührten – fast so, als würden sie sich begrüßen – um anschließend wieder ihrer Wege zu ziehen.
Am Tag der Abreise verabschiedeten wir uns von der ausgesprochen herzlichen und humorvollen Mitarbeiterin der Unterkunft sowie dem alten Kater Pancake, der einige Male bei uns im Schoß gedöst hat. Er hat uns dann mit einer kleinen Jagdtrophäe begrüßt: einem toten Eichhörnchen. Ich dachte zuerst es wäre ein Fellspielzeug mit Puschelschwanz wie ich es damals auch für meine Katze gekauft habe, aber Pancake gibt sich mit so schnöden Dingen nicht zufrieden.
Anscheinend jagt dieser ansonsten so langsame und gebrechliche Kater sehr erfolgreich diverses Getier rund um das Resort und hatte an diesem Tag bereits das zweite Eichhörnchen mitgebracht.
Später kamen wir noch mit einer Nachbarin des Resorts ins Gespräch. Das Paar plante 2021 aus Kalifornien auszuwandern, ein paar Jahre zu reisen und dann irgendwo sesshaft zu werden wo es ihnen gefällt. Aufgrund des Covid Ausbruchs sind sie aber bereits nach einem Monat Reise auf Koh Tao hängen geblieben und betreiben jetzt diverse Social Media Kanäle für umliegende Tauchschulen, Restaurants und Cafés mit professionellen Fotos. Es ist immer wieder spannend und inspirierend, andere Auswanderer kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören.
Nach einer rasanten Taxifahrt über steile und kurvige Straßen (auf der Ladefläche hinten ist man mittendrin statt nur dabei), sind wir am Pier angekommen.
Für die Überfahrt nach Koh Phangan hatten wir Tickets für ein Speedboot gebucht – ein Erlebnis für sich.
Es dröhnte lautstark Popmusik aus dem Lautsprecher und einige junge Frauen sangen begeistert mit. Ein Koreaner neben uns hat versucht am Laptop zu arbeiten mit Handy in der Hand obwohl das Boot andauernd mit Wellen kollidiert ist und man sich festhalten musste um nicht herumgeschleudert zu werden. Ein anderer Passagier ließ sich davon überhaupt nicht beeindrucken und hielt seelenruhig ein Nickerchen, während sein Kopf im Takt der Wellenbewegungen von links nach rechts wippte.
Nur eine Stunde später erreichten wir Koh Phangan und sind die zwei Kilometer zu Fuß mit unserem Gepäck zur Unterkunft gelaufen, da die Taxis Wucherpreise verlangten. Mit Rucksäcken ist man auch relativ mobil, trotzdem freue ich mich darauf wenn wir zukünftig nur mit Handgepäck reisen und nicht wie jetzt für drei Monate ausgerüstet und vollbepackt noch von Kleidung die wir mit auf die Philippinen nehmen wollen.
In unserer neuen Unterkunft, dem V-View Beach, beziehen wir erneut einen kleinen Bungalow. Die Anlage bietet zahlreiche Sitzgelegenheiten, Hängematten und einen direkten Zugang zum Strand. Das Wasser ist leider zu flach zum Schnorcheln, aber wir wollen die Insel sowieso noch etwas erkunden und finden sicher noch Möglichkeiten.
Zur Abkühlung sprangen wir erst einmal in den Pool und fröstelten dabei tatsächlich ein wenig – ein ungewohntes Gefühl nach den vergangenen Wochen. Währenddessen beobachteten wir ein Eichhörnchen, das eine Kokosnuss auf einer Palme geknackt hat.
Abends sind die Geckos durchs Zimmer gewuselt und haben sich über die Wände gejagt. Ich hoffe sie fangen auch ein paar Mücken denn meine Beine sind zur Zeit wieder sehr zerstochen und da kann ich keine weiteren gebrauchen.
Zum Glück wirkt die Betaderm-Creme aus Sri Lanka ausgesprochen gut. Sie beschleunigt die Heilung und verhindert, dass sich die Stiche entzünden. Die erste Tube ist inzwischen fast leer. Immerhin bleibt Simon von den Plagegeistern größtenteils verschont.
