Thomas in der Welt
Thomas in der Welt
vakantio.de/usurpator

Colca Canyon und Puno

Veröffentlicht: 28.03.2024

Der 19. Tag. Heute und morgen mache ich eine Tour in den Colca Canyon, wohl der zweittiefste Canyon der Welt. Die Fahrt ist lang, die Landschaft sehr schön, Hochgebirgssteppe. Beim ersten Stopp können wir Vikunjas beobachten und den Misti von der anderen Seite. Alpakas, Vikunjas und Lamas kann man gut unterscheiden an den Augen, dem Hals und dem Fell. Auf der Tour sind fast nur spanischsprachige Menschen. Ein älteres Paar aus den Niederlanden ist nett und mit denen kann man sich unterhalten. Und da ist Maria aus Chile, die seit der Pinochet Diktatur in Deutschland lebt. Sie ist frisch in Rente und sehr redselig. Ganz nett, mal Deutsch zu sprechen. Der nächste Halt ist der höchste Punkt, 4910 Meter; man kann theoretisch ein halbes Dutzend Vulkane sehen, wenn es nicht bewölkt wäre. Ich glaube, Koka hilft nicht wirklich. In der Höhe bewegt man sich wie leicht betrunken. Dann durften wir Lamas und Alpakas streichen, sehr kuschelige Tiere. Zum Mittag hatte ich mich von der Gruppe abgeseilt, das überteuerte Touri-Buffet brauche ich nicht, habe in einem lokalen Restaurant gegessen. Die Stadt Chivay, in der wir übernachten, ist winzig. Das Hotel ist gut, mache ich ja sonst nicht, nur ich war der einzige Gast, etwas gespenstisch. Am Nachmittag ging es zu den heißen Quellen, herrlich welch Entspannung. Nur die niederländische Frau ist zusammen geklappt. Abends stand auf dem Programm Folklore mit Essen. Ich hatte überlegt, ob ich da mitmache, ich mag ja Folklore gar nicht. Aber war dann doch ganz nett, gutes Essen, Trachten, Musik und Tänze. Und am Ende habe ich mit den anderen Macarena getanzt.

6 Uhr Frühstück, genau mein Ding. Bin wohl im Land der Frühaufsteher. Ganz alleine im kalten Speisesaal, es ist wirklich frisch im Gebirge. Habe immer noch leichte Kopfschmerzen. Die Tour führt von Mirador zu Mirador, bei einem hatten wir Glück und konnten Condore beobachten. Überall stehen die Andenfrauen und verkaufen Zeug; Maria kauft zu viel Plunder. Der Canyon ist beeindruckend tief, alles voll mit Inka-Terrassen. Nach einer kleinen Wanderung gab es ein Getränk aus Sancoya (Kaktus), super sauer und die machen hier einen Cocktail draus, den Colca Saur. Die Sonne ist erbarmungslos, der UV UV-Index ist zur Mittagszeit 17, ich bin gut vermummt. Heute hatte ich keine Wahl, als beim Buffet mitzuessen; das war auch besser und günstiger als gestern laut Maria. Durch Zufall war der junge Deutsche vom Flughafen auch dort. Alpaka ist sehr mager und schmeckt würziger als Schwein. Ich hatte nicht gewusst, dass man nach der Tour direkt nach Puno fahren kann. Also noch eine Nacht in Arequipa. Hostel ist am zentralen Platz und sehr gut für nur 25 Soles. Am Abend hatte ich kurz Alberto in seiner zweiten Bar besucht. Nebenbei hatte ich mein Ticket für Machu Picchu gebucht, was für eine Qual. Alles in Spanisch und sehr schlecht programmiert. Und das für die wichtigste Attraktion des Landes. Na ja, ich habe leider nur ein Ticket für den 6. April bekommen, um 6 Uhr morgens. Hätte ich früher dran gedacht, die Tour Büros kaufen wohl alle Karten auf.

Da ich das mit dem Bus vermasselt habe, geht es wieder zum Terminal Terrestre von Arequipa, 7 Stunden mit dem Bus nach Puno. Wie langweilig. Die Landschaft war im Canyon noch spannend, jetzt langweilt sie mich. Die Anden, Vikunjas, Steppe und Seen. Also habe ich ein Buch gelesen "Der kleine Gartenversager", sehr amüsant. Danke, Conny! Der Verkehr in den Städten so ineffizient und nervig. Alles schiebt sich irgendwie durch, aber keiner kommt richtig voran. Die meiste Zeit braucht man, um aus oder in die Städte zu kommen. Das Motorradtaxi quält sich in Puno den Berg hoch. Noch kälter hier, das Hostel ist super und hat sogar einen Heizlüfter. In Puno gibt es eine Haupstraße, in der die ganzen Touris und Menschen sind. Schnell noch Touren gebucht und dann per Couchsurfing mit Germais getroffen und was gegessen. Geschlafen wie ein Stein.

Die Höhe verursacht in leichter Schleier im Gehirn (Puno liegt auf 3800 Meter). Auf dem Programm steht eine Schifffahrt zu den Inseln. Der Titicacasee ist der Legende nach der Geburtsort der Inkas und der zweitgrößte See in Südamerika. Aufgeteilt zwischen Bolivien und Peru. Erste Station war eine Uros Insel, eine schwimmende Insel aus Schilf und Schilfwurzeln. Auf der Insel gibt es 5 Häuschen und 20 Menschen leben dort; immerhin gibt es Solarstrom. Ihr Leben ist eine Touristenattraktion, für ordentlich Soles kann man auch eine Nacht und einen Tag mit einer Familie verbringen. Auf der Insel zu laufen, fühlt sich merkwürdig an; man sinkt immer etwas ein. Wieder Gesang, dann durfte man sich eine Hütte anschauen. Ich war bei einem jungen Paar mit einem Baby und es wurden reichlich Handarbeiten dargeboten. Ewig wird es diese Gemeinschaften nicht mehr geben; viele Junge bevorzugen das Leben an Land. Kann ich verstehen. Man muss dafür sorgen, dass die Inseln nicht untergehen und für alles muss man mit dem Schiff fahren. Dann ging es 1,5 Stunden auf dem Schiff zur Insel Taquilo, sehr schöne Natur. Eine Stunde sind wir zum Mittag gewandert, in der größten Mittagssonne. Das Essen war sehr gut, dann wurden uns die verschiedenen Bedeutungen der Mützen der Menschen der Inseln erklärt. Und es wäre keine Tour ohne Volkstänze. Lasst mich in Ruhe mit dem Traditionszeug. Und zurück wieder ewig mit dem Boot. Am Abend sind wir Reisenden aus dem Hostel Sushi essen gegangen, nette Menschen und spannende Geschichten. Die meisten waren nur eine Nacht in Puno, da an dem Tag in Bolivien eine Volkszählung stattfand und man 24 Stunden das Haus nicht verlassen durfte, auch Touris.

Am nächsten Morgen (Tag 22) dachte ich, es wäre eine gute Idee, zum Mirador del Condor zu laufen. Laut Google nur 15 Minuten vom Hostel. Ich fühle mich wie 70 bei der dünnen Luft. Jede Stufe ist anstrengend, nach 5 Minuten bin ich außer Atem und das Herz rast. Hätte ich nicht gedacht. 40 Minuten hat es gedauert aber hat sich gelohnt, herrliche Aussicht auf den Titicacasee. Die Siesta habe ich mir wirklich verdient. Ich liebe die einheimischen Restaurants (abseits der Touri Straßen). Es gibt das menu del dia bestehend aus einem Getränk, häufig Chicha, einer Sopa de Casa und einem Hauptgericht. Meist nehme ich Pollo oder Pescada Frita. Kostet zwischen Cinco und Quince Soles, je nach Lage und Qualität. Am Nachmittag habe ich einen Ausflug nach Silustani gebucht, einer Präinka und Inka Grabstätte. Start war ein Mirador in Puno, hätte ich mir den am Vormittag sparen können. Wie immer hält die Tour auch an einer Stelle, an der man Llamas und Alpacas streicheln kann. War ganz nett, der Guide hat viel erklärt. Manche der Gräber sehen aus wie Penisse. Am Abend bin ich zum Nachtbus nach Cusco. Am Terminal Terrestre waren viel zu viele Menschen.

Antworten

#puno#colca