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Grizzly, Big Horn Sheep & Co. - wir sind im Yellowstone National Park

Veröffentlicht: 02.09.2019

06.06. / Montag / Cody - Gardiner (Yellowstone)

Wir fahren um kurz nach 9.00h ab und sind damit etwas zu spät dran, um den direkten Weg in den Yellowstone National Park zu nehmen. Der Ost-Eingang ist aufgrund von Lawinen und Schnee-Mengen nur von abends 20.00h bis morgens 10.00h befahrbar, wenn aufgrund kälterer Temperaturen, der Schnee eine größere Festigkeit hat und die Gefahr, dass er die Autos der Touristen unter sich begräbt, verringert ist.

So bewegen wir uns zunächst auf dem Chief Joseph Scenic Byway in einem nördlichen Bogen von Cody in die Absaroka Mountains, auf den Pfaden der Nez Percé-Indianer, die hier durch die Berge geflüchtet waren. 


Auch hier ist die Geschichte der native Americans eine Geschichte von Verfolgung der Urbevölkerung. Die Nez Percé haben sich eine ganze Weile dem Heer der Vereinigten Staaten zur Wehr gesetzt und sind ihrem Häuptling Chief Joseph Richtung Montana und Kanada gefolgt, als man ihnen ein Reservat zuwies, das sie nicht bewohnen wollten. Ihr Ursprungsgebiet ist so ungefähr im Grenzdreieck von Washington State/Oregon und Idaho. Hier haben sie von Pelzhandel, Jagd etc. gelebt, was aber irgendwann dem weißen Mann auch lukrativ erschien. Dazu gab es Goldfunde in der Region und auch der Stamm selbst spaltete sich, da ein Teil christianisiert war. Fast 2.500km ist der Stamm bis hier in den hohen Norden der USA gezogen, hat tw. sogar den Amerikanischen Soldaten Verluste beifügen können, wurde dann aber auf den letzten Kilometern doch noch gestoppt und zur Aufgabe gezwungen.


So erscheint unser Aussichts-Stopp am „Dead Indian Summit“ auf knapp 2.700 Metern ü.M. auch ein Aussichtspunkt auf eine traurige Geschichte, wie sie in den USA so häufig zu finden ist und die Benennung lässt keinen Raum für Interpretationen zu, warum der Berg und dessen Gipfel so heißen.




Wir fahren weiter und zwar in vielen Kurven immer bergab. Wunderschöne Bergwiesen breiten sich im Tal aus und kurz darauf geht es schon wieder in ähnlichen Kurven hinauf in die nächsten Berge. Wir erreichen Cooke City in Montana, mit 80 Einwohnern auch nicht unbedingt als „City“ zu bezeichnen. Hier liegt überall noch reichlich Schnee rum und wir hören, daß hier vor 3 Wochen ein Grizzly mitten auf der Main Street einen Elch erlegt hat. Hauptstraßen-Massaker!!!

Cooke City

Jedenfalls ist klar, dass das Frühjahr hier noch nicht angekommen ist, wenngleich wir wunderbaren Sonnenschein haben und uns vor dem kleinen Visitor Center mit unserer Eigenverpflegung von Yoghurt, Obst, Wasser und Sandwiches eine warme Pause gönnen. Wir hören immer wieder, dass in Cooke City viele Elche leben, aber uns zeigt sich keiner. Cooke City ist aber auch „das Ende der Welt“, wie uns später Leute im Yellowstone berichten, die hier jedes Jahr 2 Monate wohnen, um in der Zeit täglich auf Foto-Safari zu gehen. Es gibt kein Handy-Netz und ist im Winter oft nur sehr problematisch erreichbar. Wir haben etwa 20 Häuser gezählt.

Wir fahren auf der freigeschippten Straße weiter Richtung Yellowstone und sind gegen 13.00h am Nord-Ost-Eingang. 


Etwa 20 Minuten später sehen wir die ersten Tiere im Lamar Valley. Dieses Gebiet ist bekannt für seinen Tierreichtum, man nennt es „Die Serengeti des Yellowstone“. Naja…Es gibt viele Bisons, die uns nun erstmal nicht so sehr aus dem Autositz reißen, da wir ja wirklich zig im Custer State Park gesehen haben. Pronghorns springen hier auch rum und es gibt die üblichen Auto-Staus dort, wo irgendwelche Tiere zum Fotografieren sind.




Wir sind platt über die gigantischen Objektive die viele Leute hier haben. Schön ist, dass hier alle eint, die Tiere einfach zu sehen oder zu fotografieren. Besonders nett ist, dass hier jeder mit einem großen Fernglas oder Objektiv bereitwillig alle anderen an seinen Entdeckungen teilhaben lässt. 


Wir schauen durch Dutzende Ferngläser und Objektive anderer Leute und kriegen tolle Blicke auf etliche Tiere. Witzigerweise hatte die Frau in Cooke City im Visitor Center uns schon gesagt, dass sie sich seit sie hier lebt (was schon 30 Jahre waren) nie mehr ein Fernglas gekauft hat, weil man dauernd die der anderen nutzen kann. Ist wirklich so.

So sehen wir einen Grizzly! Den ersten! Er steht weit entfernt auf einer Lichtung hinter einigen Tannen und als er sich langsam trollt, taucht direkt dahinter ein Koyote auf. 

Koyote


Grizzly

Kurz darauf sehen wir den nächsten Grizzly, der faul auf einem Felsen liegt und uns aus einiger Entfernung genauso mustert, wie wir ihn.



Mule Deer und Raubvögel sehen wir auch noch jede Menge und dann fahren wir von Tower Junction, einer Kreuzung im Park noch nach Tower Fall an die Wasserfälle. Direkt dahinter ist die Straße nach Norden immer noch wg. Schnee und eines Erdrutsches gesperrt. Eigentlich sollte sie seit letztem Wochenende wieder auf sein, aber am 28.5. ist die Straße verschüttet worden. So stehen wir an den kleinen Wasserfällen des Yellowstone River und fahren nach ein paar Bildern weiter.


Bisons sehen wir immer mal wieder, teilweise auch direkt auf der Straße. Die Sonne hat es gut gemeint mit uns und erreicht unfassbare 89°F (knapp 32°C). 

Gegen 16.00h zieht es sich aber zu als wir an einem kleinen See stehen und einen Koyoten beobachten, der immer wieder um ein paar Enten und einen sandhill crane (Kanadakranich), einen fast straußengroßen flugfähigen Vogel herumschleicht. Wir kommen mit einem Paar aus Florida ins Gespräch, die mit einem Pick-Up und riesigen Objektiven unterwegs ist. Sie sind es, die in Cooke City logieren. Sie kommen zweimal jährlich für mehrere Wochen in verschiedenen Jahreszeiten hier her und haben tolle Tierfotos dabei.

Kurz danach sehen wir einen jungen Hirschbullen, der friedlich vor sich hin grast. Er läßt sich von unserem Fotografieren gar nicht beirren und wir nutzen das weidlich aus. 



Sehr nett sind dann kurz vor Mammoth Springs noch einige Big Horn Sheep. Davon haben wir zwar in Kanada schon hunderte gesehen, aber diese hier haben eine Schar Junge dabei, die weiter oben am Hang oberhalb der Straße rumspringen. 

Das Auto-Chaos unterhalb des Hangs ist perfekt und so fällt es nicht weiter auf, dass wir auch noch anhalten und aussteigen. Die älteren Tiere stehen neben den Autos, den Fußgängern, auf der Straße, am Hang, am gegenüberliegenden Straßenrand und eigentlich überall.






Nach einigen Bildern fahren wir weiter nach Mammoth Hot Springs, dem letzten Ort im Norden des Yellowstone National Parks, bevor die Grenze nach Montana kommt. Wir sind jetzt wieder knapp 2.000 Meter hoch und so fühlen sich hier auch wieder Hirsche sehr wohl und einige Hirschkühe liegen mitten auf einer Verkehrsinsel im Gras. 

Mammoth Hot Springs

Ein Ranger wacht streng, dass denen keiner zu nahe kommt. Mammoth Hot Springs wollen wir morgen nochmals anfahren, heute wollen wir erstmal nur in unser Hotel.

Nur fünf Meilen weiter sind wir in Montana und erreichen durch den Roosevelt-Torbogen den Ort Gardiner, der in guten Zeiten 800 Einwohner hat. Eine Kassiererin im Supermarkt erzählt, dass im Winter eher 300 Leute hier leben. Na das ist für unsere Verhältnisse ja mittlerweile schon eine echte Stadt.

Durch unsere Verschiebung im Reiseplan (die Einsparung der Nacht zwischen Denver und Mount Rushmore, die wir uns geschenkt haben, weil Nebraska so öde war), haben wir hier nun zwei Nächte gebucht. Das Hotel, dass wir schon von Zuhause gebucht haben, war ausgebucht, so dass wir heute Nacht ein anderes haben und im Super 8 Motel (also Frühstück und Fön J) für 100 $ inkl. Steuern wohnen.

Gegenüber vom Hotel ist der Supermarkt, in dem wir uns mit ein paar Dingen eindecken. Dort kommen wir eben mit der Kassiererin ins Gespräch, die uns dann auch zu Montana noch ein bißchen was erzählt.  Und ich hab noch ein bißchen recherchiert. Montana ist der viertgrößte Bundesstaat der USA und somit etwas größer als Deutschland! Die Einwohnerzahl von knapp 1 Mio Menschen ist dazu im Vergleich natürlich fast eine unbewohnte Fläche. Allerdings sind Alaska und Wyoming noch weniger besiedelt. Die Rocky Mountains durchziehen Montana und auch unter der Erde hat Montana einiges zu bieten. Erdöl, Kohle, Kupfer, Silber, Gold - und schon erklärt sich der Beiname "Treasure State". Aufgrund der dünnen Besiedelung sind hier auch die Distanzen zwischen den Orten riesig. Hinter Gardiner kommt erstmal lange gar nichts. Der nächste Ort ist 50 Meilen entfernt. Also wer in Gardiner gelangweilt ist, muß erstmal eine Stunde Auto fahren.

Wir finden ein rustikales Restaurant an der Brücke über den Yellowstone River und genießen ein ruhiges Essen und ein zünftiges Bier. Das Wetter zieht sich weiter zu und es wird sehr stürmisch. Von unserem Zimmer blicken wir auf die Berge des Gallatin National Forest, der hier direkt an den Yellowstone National Park grenzt. Irgendwo da oben sollen Bergziegen sein hat uns die Frau im Visitor Center gesagt. So gerne würden wir nochmals eine sehen, wie vor zwei Jahren in Kanada!

Kirche in Gardiner

Wir wollen morgen um 5.00h aufstehen, um auf Tier-Pirsch zu gehen. Vorausgesetzt das Wetter ist entsprechend. Derzeit sieht es überhaupt nicht danach aus, aber vielleicht vertreibt der Sturm die Wolken?

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