Ab nach Denver!
20.05. / Freitag / Stuttgart-Frankfurt-Denver Der Flug ist pünktlich, aber die Mühle ist unfassbar eng bestuhlt. Die LH fliegt auf der Denver-Strecke mit Jumbos, die noch keine...


Veröffentlicht: 27.08.2019















21.05. / Samstag / Denver-Alamosa
Natürlich bin ich um 3.30h Ortszeit wach und denke, es müßte langsam Mittag sein. Ich höre mein Hörbuch und wir stehen um 5.30h auf und sind um 6.30h mit den ersten Gästen beim Frühstück.
Wir fahren zunächst mal die Route zu unserem Hotel, das wir in einer Woche hier gebucht haben und finden zudem einen gigantischen Outdoor-Laden, in dem wir schon mal die ersten „Wichtigkeiten“ einkaufen (Taschen, Schuhe, T-Shirt).
Weiter geht es dann aber Richtung Süden. Wir fahren aber kurz vor Colorado Springs ab und fahren noch in ein Outlet, sind dann aber rasch wieder unterwegs weiter in Richtung Canon City. Lt. Reiseführer ein nettes, historisches Städtchen. Wir erreichen Canon City, das trostlos aussieht und nach etwas Suche, finden wir sogar die Main Street, die Straße, die eben so besonders toll sein soll.
Canon City wohlwollend fotografiert
Es gibt hier überwiegend bankrotte, leerstehende Läden. Die Häuser sind – naja – ganz nett, aber es wirkt wie die Vorstufe zu einer Geisterstadt.
Also geht’s weiter zur Royal Gorge, einer über 320 m tiefen Schlucht. Eine Bahn soll hier langfahren und im Reiseführer steht, daß man hier auch über die Hängebrücke laufen und mit dem Auto fahren kann. Unsere Route führt genau dort hinüber, also passt das. Denken wir. Nach einigen Meilen in die Berge, erreichen wir dann ein Tor und sehen dahinter dann jede Menge Pflanzkübel, definitiv aber keine Straße. Der Eintritt von $25 pro Person, nur um die Brücke und die Schlucht zu sehen, ist der Hit in Tüten und eine Durchfahrt per Auto völlig undenkbar. Wann hat man das mal gekonnt? Blöder Reiseführer!
Wir machen also aus der Ferne ein paar Bilder – es bläst ein fieser Wind. Also wieder vier Meilen zurück zur Hauptstraße und einige Umwege, um schließlich nach Süden fahren zu können.
Wir erreichen die High Plains, das sog. San Luis Valley, eine Hochebene zwischen zwei Gebirgszügen. Das San Luis Valley ist ein breites Tal, das zu den Rocky Mountains gehört und ca. 180km lang ist.
Es verläuft von Nord nach Süd immer neben unserem Highway und tangiert zwei Bundesstaaten. Es reicht vom südlichen Colorado bis runter nach New Mexico und ist mit 21.000 qkm das größte alpine (!) Talbecken der Welt, Denn wir sind hier streckenweise auf einer Höhe von 2.300m ü.M. während die Berge sogar bis zu 4000m ü.M. hoch sind.
Eine unglaublich lange und gerade Straße ist es, die wir heute von Norden nach Süden entlang dieser Berge durch das San Luis Valley fahren. Sie ist rund 40 Meilen lang und hat tatsächlich keine Kurve.
Da sie derart wenig befahren ist, steigen wir bei einer steifen Brise aus dem Auto und legen die Kamera auf den Mittelstreifen, um die Straße und die schneebedeckten Gipfel in vermutlich 100 km Entfernung zu fotografieren:
Zwischendrin passieren wir eine (vermutlich private) Ufo-Suchstation, die leider schon zu hat. Wäre bestimmt lustig gewesen, hier mal zu gucken, was die hier schon alles entdeckt haben!
Im Osten dieses weiten Tals haben sich vor den Bergen der Sangre de Cristo Range durch konstante Verwehungen rieisige Dünen gebildet. Erst 2004 hat man dieses Gebiet zu einem Nationalpark bestimmt und der Great Sand Dunes NP gehört heute zu den größten Sehenswürdigkeiten Colorados. Das Gebiet des San Luis Valley war - wie fast überall in den USA - auch eine Region, in der Einwanderer (in diesem Fall Hispanics) und Indianer (der Ute-Stamm) Mitte des 19. Jahrhunderts aufeinander trafen. Der Name San Luis zeugt von dieser Geschichte. Der Ort San Luis ist die älteste Siedlung des heutigen Colorado.
Den Grand Sand Dunes National Park erreichen wir um 19.15h bei langsam untergehender Sonne. Die Dünen hier entstehen durch den angesammelten Sand, der über das Hochplateau hierher geweht wird. Also ein konstanter Prozess, der die Formationen dauernd verändert. An den dahinterliegenden Berghängen der Sangre de Cristo Mountains fängt sich hier der Sand und staut sich zu diesen bis zu 1000m hohen Dünen.
Wir laufen in der ebenen Fläche vor den Dünen wie am Strand, es weht ein heftiger Wind und man ist komplett eingesandet. Es ist, als laufe man in einem ausgetrockneten See. Von den Hängen der Dünen rutschen Touristen herunter, die die Dünen vorher erklommen haben (was hier erlaubt ist).
Die Sonne versinkt bald hinter der Kuppe der Dünen, so dass wir uns in der Dämmerung auf den Weg ins 30 Meilen entfernte Alamosa begeben.
Im Halbdunkel sehen wir die uns bekannten mule deer (Damwild mit großen esels-gleichen Ohren), die ein sehr helles Hinterteil haben, so dass man selbst im Dunkeln die Tiere gut sieht, nur deren Reaktionen nicht kennt. Also vorsichtiges Fahren ist angesagt.
Um kurz vor 21.00h finden wir Alamosa, den wohl gottverlassensten Ort den wir jemals angefahren haben. Das Days Inn ist OK, aber nicht doll. Das Steak-House, das 50 dunkle Meter weiter liegt, schliesst um 21.00h.
Das sei so üblich und ansonsten gäbe es nur Fast Food Läden, erzählt uns der freundliche Ceylonese von der Rezeption. Na bravo. Wir sind seit 12 Stunden unterwegs und haben Hunger. Wir fahren also nach dem Check-In nochmal los, auf der Suche nach irgendwas Essbarem, einem Supermarkt oder einem Bier. In der Main Street finden wir ein italienisches Restaurant, das geschlossen hat. Wir fragen jemanden, wo es noch etwas zu Essen gibt und müssen nochmals rund 3 Meilen weiter fahren, bis wir ein Restaurant mit Bar finden. Ob wir überhaupt noch in Alamosa sind, können wir nicht ausmachen, weil es stockfinster ist.
Dass wir das Hotel hinterher wiederfinden ist Glücksache. Um 22.30h sind wir im Bett.