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Die erste Ausfahrt

Veröffentlicht: 05.01.2025

Der erste Test sollte nicht all zu lange dauern, nur ein paar Tage, zum Kennenlernen, noch dieses Jahr, unbedingt! Aber nicht zu weit weg. Wer weiß! Wann wäre denn noch Zeit? Es war ja schon Oktober.

Vielleicht über den Reformationstag, einen Dienstag? Mit Brückentag am Montag könnte man drei bis vier Tage Test-campen.

Wohin? Nach Pouch?

Das alte Poucher RZ 85 Faltboot sollte doch sowieso zur Reparatur in die Werft. Das war vor ein paar Jahren bei einer Paddeltour auf der Saale bei Niedrigwasser etwas zu heftig auf Grund gelaufen und war Leck geschlagen. Seit dem fuhr das Paddelboot mit einem hellblauen Reparaturflicken auf der sonst grauen Bootshaut herum, dessen Kleber langsam spröde wurde und früher oder später zu brechen drohte.

Gesagt, getan. Sebb suchte einen Campingplatz in der Nähe heraus, nicht so einen riesigen Nobel-Campingplatz mit allem möglichen Zauber, sondern lieber etwas Kleineres. Die Preise sprachen dann auch für sich und so wurde gebucht: 2 Nächte auf dem Campingplatz in Löbnitz an der Mulde.

Gary wurde beladen, zuerst zuhause mit Campingzubehör, Trinkwasser, Essen, Klamotten Schlafsäcken, diversem Werkzeug und allem was man so brauchte und dann beim kurzen Halt im Garten mit Boot, Gießkanne, Kabeltrommel, Staubsauger und dem ganzen Zubehör eben.

Zum Start der Fahrt war alles an Bord, was wir zu brauchen gedachten und noch jede Menge Platz im Kofferraum. Hatten wir etwas Wichtiges vergessen? Trotz längerem Nachdenken wollte uns einfach nicht einfallen was wir eventuell vergessen haben könnten, also ging die Reise los.
Natürlich hätte man einfach über die Autobahn fahren können, aber der Sinn der Unternehmung war ja Gary etwas besser kennen zu lernen und für Sebb insbesondere die Maße des Busses einschätzen zu lernen. Folglich fuhren wir einmal quer durch die Stadt und stellten uns prompt am Haus Auensee in einen 1,5 stündigen Stau, weil wir kurz vor Konzertbeginn die Zufahrtsstraße zum Parkplatz befuhren. Aber was sollten wir uns aufregen, wir hatten ja Zeit. Dann gab es ein bisschen Landstraße und nach etwa 50 Kilometern hatten wir unser Ziel erreicht.

Zu unserer Überraschung lag der Campingplatz hinter dem Mulde-Deich und war von der Straße aus nicht zu sehen, sodass wir trotz Beschilderung einmal eine große Runde um den Platz herum drehten. Beim zweiten Anfahrtsversuch setzte sich Ines mit den Worten durch: „Nun fahr doch einfach da hoch!“ und Sebb fuhr den Asphaltweg auf den Deich mit den Worten „Dahinter ist nur noch die Mulde, da kommt nichts mehr, da ist der Fluss.“ Und wie er es sprach schlich sich ein siegesgewisses Grinsen auf Ines´ Gesicht, denn anscheinend hatte man bei der Gemeindeverwaltung den Beschluss gefasst, dass beim nächsten Hochwasser der Campingplatz nicht schützenswert sei, einfach geflutet werden könne und den Platz mit eingedeicht.

Es war abends 18 Uhr und es war kein Platzwart mehr da, Anrufe bei der an der Infotafel angeschlagenen Telefonnummer brachten nichts und der Platz war auch sonst leer. Ein weiteres Wohnmobil stand bereits auf dem Platz vor der Schranke und der Fahrer meinte, dass hier seit zwei Tagen keiner gekommen sei. Uns war es egal, wir waren ja voll ausgestattet, nur Wasser war notwendig weil wir natürlich „trocken“ los gefahren waren. Am Außenhahn des abgeschlossenen Sanitärcontainers nahmen wir uns also einfach drei Gießkannen voll Wasser für das Brauchwasser und eine halbe für die Toilettenspülung, damit waren wir ausgestattet und suchten uns ein schönes Fleckchen auf dem Parkplatz vor dem Campingplatz.

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