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Salento - Verträumt zwischen Kaffee und Palmen

Wir quälen uns nach einer kurzen Nacht frühmorgens aus dem Bett und hetzen zum Busbahnhof. Aber der Bus nach Salento ist schon voll… Mist. 2 Stunden bis zum nächsten totschlagen und dann werden wir nach ca 8 Stunden Busfahrt im Dunkeln mit zwei anderen an der Kreuzung nach Salento rausgeschmissen. Nach kurzer Zeit zeigt sich zum Glück das vom Hotel geschickte Taxi und bringt uns unter fleißigem Geplapper der netten Taxifahrerin Elisa an unser Ziel: Glamping in den Bergen von Salento!

Glamping

Salento liegt in der Zona Cafetera, wo auf vielen der umliegenden Hügel Kaffee angebaut wird. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Zelt mit gemütlichem Bett herausklettern, erwartet uns eine wunderschöne Aussicht über Kaffeeplantagen, Palmen und grüne Berge. Nach dem Frühstück spazieren wir zu Fuß zu einer Kaffeefarm und bekommen dort eine Führung. Wer die alten Beiträge des Blogs verfolgt hat erinnert sich vielleicht, dass wir vor 4,5 Jahren in Laos bereits auf einer Kaffeeplantage waren, doch hier im Kaffeeland Kolumbien ist alles etwas größer. Hier wird hauptsächlich Arabica angebaut und zur Haupterntezeit sammelt ein Kaffeepflücker ca. 150 Kilo Kaffeebeeren am Tag. Ein Kaffeebaum kann 2x im Jahr abgeerntet werden. Nach einigen Infos dürfen wir dann selber ran und ein paar rote oder gelbe “Coffeecherries” suchen und pflücken. Dafür bekommen wir kleine Holzkörbchen umgeschnallt, wie sie früher auch genutzt wurden und sollen uns tief in die Büsche schlagen, um keine Beeren zu übersehen. Das büßt die übereifrige Tina mit 25 Mückenstichen innerhalb von ein paar Minuten… Die roten Beeren kommen in die Presse eines deutschen Erfinders und darin wird die Frucht, die in der Regel aus zwei Bohnen besteht, von der Hülle getrennt. Danach werden die Bohnen entweder im Ofen oder in der Sonne getrocknet und anschließend geröstet. 

Erste selbstgeerntete Kaffeebeere

Nach all den vielen Worten schreiten wir jetzt aber zur Tat und probieren den Kaffee auch. Für alle Kaffee-Liebhaber da draußen folgende Regeln:

  1. Wasser bis auf 90 Grad erhitzen (oder kochendes Wasser 3-4 Minuten stehen lassen)
  2. Je nach Zubereitungsart langsam in kreisförmigen Bewegungen das Wasser auf den Kaffee und durch den Filter gießen, dabei immer wieder warten bis die Blasen nach oben kommen (das sorgt für mehr Sauerstoff)
  3. Den gefilterten Kaffee nochmal kurz schwenken und in die Tasse gießen
  4. Den Kaffee wie einen guten Rotwein schlürfen, da auch hier durch den Sauerstoff mehr Aromen entfaltet werden können.

Erstaunlicher Weise haben die Kolumbianer zwar viel Kaffee, aber keine Kaffeekultur. Sie mögen den leicht bitteren Geschmack einfach nicht. Das hat zur Folge, dass man hier entweder sehr dünnen oder stark gezuckerten Kaffee bekommt…

Naja, auf der Kaffeefarm wissen sie wenigstens wie man Kaffee macht und so lassen wir uns auf der Terrasse noch ein Tässchen schmecken, während wir die buntesten Vögel beobachten können.

Bunte Vögel vor der Terrasse

Den Nachmittag verbringen wir in Salento, doch an einem Sonntag sind wir natürlich nicht die einzigen, die durch die bunten Straßen flanieren… Wir machen einen kurzen Ausflug auf einen Aussichtspunkt (Mirador), während wir immer wieder von Fremden fotografiert werden (blonde Menschen sind hier halt doch nicht so oft vertreten…). Wir treffen uns am Marktplatz mit dem Guide Guillermo, der uns von der Taxifahrerin empfohlen wurde, und sprechen über eine potentielle 3-tägige Wanderung auf einen der höchsten Berge in der Region. Wir überlegen hin und her, ob unser Spanisch dafür reicht und entscheiden uns schließlich den Trek mit Guillermo übermorgen zu starten. Nach einem üppigen Abendessen geht es dann zurück in unser Zelt, um die weiteren Tage zu planen.

Belebte Straßen von Salento

Der zweite Tag in Salento bricht an und wir wollen ins berühmte Valle de Cocora. Ca. 30 min Fahrt in einem alten Willys-Jeep der US-Soldaten, der ein gewisses Markenzeichen der Region geworden ist, trennen uns vom Tal der Palmen. Der Jeep wird mit 13 Leuten, die teilweise stehend hinten auf dem Trittbrett mitfahren müssen, vollgestopft - eine unbequeme, aber auch irgendwie lustige Fahrt. 

Willys

Und dann ragen sie plötzlich vor uns auf: die höchsten Palmen der Welt! Die Quindio-Wachspalme ist der Nationalbaum Kolumbiens. Sie kann bis zu 60 Meter hoch werden.

Palmen im Valle de Cocora

Wir begeben uns auf die lange Wanderroute von ca. 13 km. Sie startet bei einem Fotopark, wo die Kolumbianer es lieben kitschige Fotos vor dem Hintergrund der Wachspalmen zu machen. Auch wir knipsen ein bisschen durch die Gegend bevor es einigermaßen steil den Berg hoch geht, immer mit Aussicht auf die alles überragenden Palmen. 

Auf unserem Weg treffen wir immer wieder zwei Deutsche aus Hannover und helfen uns gegenseitig beim Fotos machen aus und so beschließen wir schließlich einfach den ganzen Weg gemeinsam zu laufen. Auch die beiden, Geli und Merlin, sind „Langzeitreisende“ und reisen für 6 Monate durch Lateinamerika. Bei nettem Geplauder vergeht die Zeit bzw. der Weg wie im Flug und wir stehen schließlich bei der Finca de la Montaña auf ca. 2820m am höchsten Punkt der heutigen Tour. In den vielen Blumen rund um die Finca entdecken wir mehrere Kolibris und sogar ein Kolibri-Nest! 

Kolibri 1

Diesen kleinen Vögeln könnten wir noch ewig zusehen, doch es beginnt zu regnen und wir machen uns an den Abstieg. Hier und da wird es recht schlammig und der Regenwald tut sein übriges. Wir laufen durch Bäche, vorbei an kleinen Wasserfällen und über einige sehr wacklige Holzbrücken über rauschende Flüsse. Alles hier wirkt wie eine Mischung aus Tropenhaus im Zoo und Indiana Jones… 

Als wir wieder Weideland erreichen schüttet es wie aus Kübeln und wir stellen uns noch schnell bei einem kleinen Kaffeestand unter. Der Regen wird allerdings nicht weniger und so laufen wir weiter bis wir wieder am Willy-Parkplatz ankommen. Und wen treffen wir da? Die Gruppe Belgier von unserer Guatapé-Tour. Während wir uns morgen auf in die Berge machen, reisen die 4 weiter an die Küste.


Kolumbien

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