Die Vermessung Europas - Der Norden
Der Start einer langen Reise, wie beginnt man einen Bericht? Hier könnte jetzt eine Packliste stehen oder ein Reiseplan erörtert werden. Letztlich standen am Anfang die Mühen...


Veröffentlicht: 23.08.2025





















Ein Setting, begrenzt und klar umrissen, wie gemacht für eine Geschichte oder für einen Film. Das Fährboot Norrøna sollte mich nach Island bringen, 48 Stunden über den Nordatlantik. Mit Aufregung und Respekt bestieg ich das Boot am Dienstagmorgen. Fasziniert verfolgte ich, wie das Schiff - 160 m lang, 30 m breit und 8 Decks "hoch" - den Hafen verließ. Im Anschluss bezog ich die Kajüte in meiner Sammelkabine. Das Boot bot 1.400 Passagieren Platz und fasste bis zu 800 PKWs.
Die Zeit an Bord verging seltsam asynchron. Noch bevor ich mich langweilte, legte ich eine Lesestunde ein, verbrachte etwas Zeit an Deck und checkte Googlemaps. Nachmittags war dann Zeit für einige Filmen auf dem Handy. Es mangelte nicht an Aufenthaltsräumen mit Lounge-Charakter, dazu Cafés, Restaurants, Kino, Fitnessbereich, ein Raum mit Spielautomaten sowie eine Skybar mit dem Namen Laterna Magica, direkt unter der Brücke - das alles galt es zu erkunden. Draußen verdunkelte es sich währenddessen zusehends und wir näherten uns wie angekündigt einem Unwettergebiet zwischen der norwegischen Küste und den Shetland Inseln mit Wellenhöhen von bis zu fünf Metern.
Die anfängliche Skepsis gegenüber meiner Seetauglichkeit blieb unbegründet und ich genoss das Wiegen im Wasser. Die Decks leerten sich zusehends, Menschen torkelten wie betrunken über die Gänge, was sehr lustig anzusehen war. Die letzte Stunde vor dem Schlafengehen verbrachte ich in der Bar. Eine Solokünstlerin spielte instrumentale Coverversionen (Dolly Parton, Oasis, Neil Young u.a.), im Publikum nicht mehr als 15 Gäste, draußen die rauschende See, hinter der Bar klirrten Gläser. Ich schaukelte ins Bettchen.
Meine Kabine lag auf Deck 2, direkt unter den Autostellplätze, im Unterbauch des Bootes. Um auf Oberdeck zu gelangen, musste ich hoch auf Deck 8. 7 Uhr morgens, wir passierten gerade die Shetlands, mein Telefon wählte sich ins englische Mobilnetz und ich konnte für einige Minuten daddeln. Dann folgte das Frühstück. An meinem Seetag hatte ich Frühstück- und Abendbuffet gebucht. Dazwischen wieder Lesen, Spaziergänge an Deck, Videoschauen, Infovorträge zu den Reiseziele Färöer und Island sorgten zusätzlich für Kurzweil.
Nachmittags erreichte das Boot die Färöer-Inseln und legte in der Hauptstadt Torshavn an. In einer Stunde verließen einige Passagiere den Dampfer, andere stiegen zu und wir legten wieder ab. Wiki weiß, dass auf den Färöer-Inseln etwa 55.000 Menschen leben, genauso viele wie auf Grönland.
Abends dann Dinner (Buffet mit Getränken für 42,-) und draußen die Inseln zwischen Wolkenspiel und Sonnenuntergang. Ich kam auf meine Kosten. Die Nacht verlief ruhig und ich freute mich auf die Ankunft in Island am nächsten Morgen!
