Kōbe und Nara, 1. April 2026
Mit Kōbe hat unsere zweite Japanumrundung begonnen. In Kōbe waren wir schon, damals hatten wir die alte Kaiserstadt Kyōto besucht. Jetzt sind wir, trotz des regnerischen...


Veröffentlicht: 02.04.2026





































Heute war das Wetter wieder angenehm, Am Vormittag war es noch etwas kühl, aber als die Sonne zu scheinen begonnen hat, wurde es angenehm warm. Nachdem wir uns die nahen Städte Kyōto und Nara angesehen haben, haben wir uns heute vorgenommen Kōbe selbst etwas genauer anzusehen.
Wir haben alles zu Fuss gemacht, das heisst, um die drei Stunden reine Wanderzeit. Unterbrochen durch ein paar Fotostopps, Laden-, Museums- und Tempelbesuche sowie durch das Mittagessen.
Unterwegs sind wir zwei Mal durch China Town. Einmal am früheren Vormittag, als es noch keine Besucher hatte und einmal am Nachmittag, als man sich schon durchschlängeln musste. Die China Town in Kōbe ist auch sehr hübsch, es hat aber fast nur Restaurants, Imbisse und Lebensmittelläden, die vor allem Fertiggerichte anbieten. Ausserdem haben wir an den verschiedensten Orten die blühenden Kirschbäume gesehen.
Als erstes haben wir uns den Ikuta-Schrein angesehen. Er wurde zu Beginn des 3. Jh. gebaut und gehört somit zu den ältesten Tempeln Japans. Die Hauptgottheit des Schreins ist Wakahirume-no-Mikoto, die friedvolle Wesenheit der Sonnengöttin Amaterasu Omikami. Sie ist als Göttin der Ehe bekannt und der Ikuta-Schrein ist Kobes berühmtester Kraftort. Deshalb pilgern unzählige Menschen zum Schrein, vor allem um in der Liebe Erfüllung zu finden. Gleichzeitig ist er kein touristischer Hotspot. Zum Schrein gehört auch ein hübsches Wäldchen mit sehr grossen, alten Bäumen und einem Bambushain. Es ist einfach ein besseres Erlebnis, wenn ein Ort nicht überlaufen ist und dem Zweck dient, für den er geschaffen wurde.
Danach gingen wir zum Yokoo Tadanori Museum of Contemporary Art. Einem Museum das dem renommierten, japanischen Künstler Yokoo Tadanori gewidmet ist. Er wurde 1936 geboren, lebt noch und hat seine Karriere in Tokio als Grafiker begonnen. Yokoo Tadanori hat sich von allem und jedem inspirieren lassen. Zum Beispiel hat ihn eine Retrospektive über Picasso stark beeinflusst. Aber auch Weltanschauungen wie die Theosophie und Anthroposophie und auch den Dadaismus hat er aufgenommen, indische Musik hat ihn inspiriert und er hat wiederum bekannte Musiker in Japan erfolgreich inspiriert. Eng verbunden war er auch mit westlichen Musikgruppen, so hat er beispielsweise für Earth Wind and Fire, The Beatles, Carlos Santana, Emerson Lake & Palmer, Cat Stevens u.a. Plattenhüllen, Konzert- und Werbeposter gemacht.
Aufgrund von Theatererlebnissen hat er selbst ein erfolgreiches, experimentelles Theater gegründet. Seine Katze hat ihn zu unzähligen Bildern und Schriften inspiriert usw. Am ehesten kann man ihm der Pop Art zuordnen.
Den internationalen Durchbruch hatte er 1968, als er Teil der Ausstellung "Word & Image" im Museum of Modern Art in New York war, und wo ihm vier Jahre später eine Einzelausstellung gewidmet wurde. In Japan ist er eine Ikone für die Moderne und hat unzählige Preise gewonnen. Eindrücklich ist sein Beziehungsnetz, ob es andere Maler, Musiker oder Schriftsteller wie Henry Miller waren, sie schätzten Yokoo Tadanori und er sie. Für uns ist er eher schwer zu fassen, gewisse Sachen erscheinen banal, anderes abwegig und einiges ist wirklich inspirierend. Für Japaner, die aus einer ganz anderen Tradition herauskommen, müssen deren Eindrücke ganz anders sein. Daher insgesamt wirklich spannend.
Im obersten Stock des Museums hatte es noch zwei Rauminstallationen. Die eine war ein Gang mit Augen und die andere verschiedenartig verspiegelter Raum mit Aussicht, der völlig irritierende Bilder ergab, die aber unverzerrt waren.
Schliesslich sind wir zum Schiff zurückgelaufen. Unterwegs haben wir in einem kleinen Quartierrestaurant zu Mittag gegessen. Das war wie immer gut. Wie schon an anderen Orten muss man dort an einem Apparat das Essen auswählen und bezahlen. Dann bekommt man im Nu das Essen an den Tisch gebracht.
Auf dem letzten Teil haben wir ein mexikanisches Ehepaar vom Schiff getroffen, das sich uns angeschlossen hat und mit uns zurückgelaufen ist. Sie haben berichtet, dass sie Kobe-Beef gegessen hatten. Sie war begeistert, er hat die erste Portion zurückgehen lassen, die zweite fand er besser, aber nur so lala. Wir haben bewusst auf Kobe-Beef verzichtet, weil wir so gehypte Sachen nicht mögen. Um den Macha-Trend sind wir aber nicht herumgekommen, weil mittlerweile überall auch noch Macha eingearbeitet wird.
