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Siem Reap und der "Angkor What ?" - plus das Fazit zu Kambodscha

Veröffentlicht: 20.06.2019

Wenn Mann oder Frau nach Kambodscha reist, ist die Attraktion Nummer eins das Ankor Wat. Ganz logisch. Das darf man nicht verpasst haben. Auch wenn die Ticketpreise mittlerweile stolze 37 USD erreicht haben.
Die meisten Besucher übernachten in der nächst gelegenen Stadt Siem Reap. So auch wir. Die Stadt ist nicht so groß, weswegen man sie bequem innerhalb eines Tages anschauen kann. Wir hatten drei Nächte gebucht, so blieb genügend Zeit für die Besichtigung des Ankor Wats.
Am Anreisetag schlenderten wir abends ziellos durch die Staßen. Wir landeten bei der „Pub-Street“, wo wir bis zum Morgengrauen jeden Kambodschaner unter den Tisch tranken (Scherzle).
Die Pub-Street ist eine Straße, an welche sich „Westernfood“-Lokale/ Pubs (so wird das in Asien gerne bezeichnet) an Khmerfood-Lokale/ Pubs aneinanderreihen. Alles glitzert, funkelt und leuchtet farbig.



Um Siam Reap (folgend S. R.) auch bei Tag zu begutachten, machten wir uns ganz entspannt auf die Socken.
Der König der Khmer, Norodom Sihamoni, welcher seine stattliche Hütte bekanntlich in Phnom Phen hat, besitzt zudem auch eine Residenz in S. R. Da ging‘s als erstes hin. Unweit davon befand sich eine geschmückte Brücke, die weit mehr unsere Aufmerksamkeit erregte.

Das könnte auch einfach eine stink-normale Villa sein, oder?


Oft sind es nicht die typischen "Sehenswürdigkeiten", die einen beim Reisen erfreuen...


Da unsere Mägen allmählich um die Wette knurrten, beschlossen wir zur Pub-Street zu laufen. Auf dem Weg dorthin überkam Nadine jedoch Zahnschmerzen. Diese hatten sie in den letzten Tagen öfter heimgesucht. Jedoch stand immer folgende Frage im Raum: Gleich zum Zahnarzt oder erst alles andere ausprobieren? Nadine entschied sich zunächst für die zweite Option. Nach einem Mailaustausch mit ihrer Auslandsversicherung stellte sich nämlich heraus, dass nach der zahnärztlichen Untersuchung eine Eigenbeteiligung von 150€ anfallen würde - davon lässt eine Schwäbin erst einmal die Finger!
Nach ein paar Überlegungen, waren wir uns zu 50,01% sicher: es waren safe die Hotelzahnbürsten. Die müssen sofort ersetzt werden. Und vielleicht noch ne neue Zahncreme gegen angegriffene Zähne? Wird auch gekauft. So, mal abwarten.
Nachdem sich Nadine im Kampf gegen Zahnschmerzen bestens ausgerüstet weiß, legt sie weiterhin darauf wert, an diesem Tag „was Vertrautes“ zu essen: Spaghetti mit Tomatensoße. Denn davon haben ihre Zähne „sonst ja auch nie einen Schaden davon getragen“.
Und Tatsache: die Zahnschmerzen sollten sich nach diesem Tag immer seltener melden.

Wie sich nach einer Internetrecherche herausstellte, ist Siem Reap, neben dem Angkor Wat, auch für die „Artisans Angkor“ bekannt. Das ist ein Verbund von Handwerkern/ Künstlern, die sich aus dem Glauben heraus entwickelt haben, das alte kambodschanische Kunsthandwerk wiederzubeleben und gleichzeitig das Leben tausender, in armen ländlichen Verhältnissen lebender Menschen durch eine Handwerksausbildung zu verbessern.

Von großen Buddha-Statuen, zu kleinen vergoldeten Elefanten bis hin zu Schmuck fertigen sie wirklich schöne Deko- und Schmuckartikel. Die Artisans bilden einerseits aus, und nehmen andererseits Aufträge (bspw. Tempelrestaurierungen) entgegen. Sie haben bereits sowohl nationale als auch internationale Preise erhalten.
Es gibt um und in der Stadt insgesamt drei Werkstätten. Man kann diese kostenlos besichtigen und sich einen Einblick in die Arbeit verschaffen. Dieses Angebot nutzten wir natürlich - und waren schwer beeindruckt.

Kurz den Besucherpass abholen und die Besichtigung kann beginnen.







Rrr rrrr um 4:00 Uhr. Ein Weckergeräusch. Wir mussten aufstehen.
Tag drei stand an und somit die Besichtigung des größten Tempelkomplexes der Welt, dem „Angkor What?“ Genau, „what soll das ganze Aufhebens um Ruinen?“ - diese Frage wollten wir unter anderem an heutigen Tag beantwortet bekommen.
Viele - sehr viele- Touris entscheiden sich dafür, mit einem Tuktuk zur beliebtesten Sehenswürdigkeit Kambodschas gebracht zu werden. Das könnte eventuell die kostengünstigste Option sein. Doch, in Anbetracht der Tatsache, mehr über die Angkor-Tempel und die Geschichte dahinter herausfinden zu wollen, entschieden wir uns für eine geführte, englisch-sprachige Tour. Oder wollten wir einfach einen klimatisierten Bus wegen der kaum auszuhaltenden Hitze? - Ihr werdet es nie erfahren.
Beim Buchen erfuhren wir, dass es ja nicht nur Angkor Wat, sondern auch ein paar andere wichtige Tempelkomplexe in der Gegend gibt. Zudem kann man sich zwischen einer Halb- und einer Ganztages-Tour entscheiden, wobei bei letzterer den Sonnenauf- und Untergang sowie ein paar Tempel mehr begutachten werden können. Wir entschieden uns für die „der frühe Vogel fängt den Wurm - Alternative“. Ein schöner Sonnenaufgang und ein paar Tempel weniger hörte sich doch vielversprechend an.
Das dachten sich offensichtlich noch einige mehr: an der Kasse des Angkor Wats erlebten wir den größen Menschenansturm, den wir bisher um 5 Uhr morgens irgendwo auf der Welt erlebt hatten. Zum Glück war das Areal riesig und die Menschen verteilten sich.


Die Sonne geht neben dem Angkor Wat-Tempel auf

Am Eingang zum Tempel begleiteten uns lustige Äffchen, die uns (dezent) von den, mit Sicherheit sehr spannenden Worten unseres Tour-Guides ablenkten...


"Angkor What?" hatten wir uns ja zu Beginn unseres Tagesausflugs gefragt, und unser Guide hatte natürlich eine Antwort auf unsere Fragen: Das Angkor Wat ist der bekanntlich populärste Tempel im archäologischen Park Angkors. Er ist knapp 900 Jahre alt und umfasst eine Fläche von 820.000 Quadratmetern.

Ein paar geschichtliche Details: Die Tempelanlage ist zu einer Zeit entstanden, in der das Angkor-Reich auf dem Höhepunkt angelangt war und einen bedeutenden Machteinfluss über weite Teile von Südostasien ausübte. Den Grundstein dazu legten die Khmer im 10. Jahrhundert durch den erstmaligen Einsatz von künstlichen Bewässerungsverfahren über Kanäle in der Landwirtschaft. Die Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft verhalfen Angkor zu großem Reichtum. Das ermöglichte die Finanzierung und den Bau von prächtigen Tempelanlagen.

Im 12. Jahrhundert fand die Planung und der Bau von Angkor Wat statt. Zunächst als hinduistischer Tempel entstanden, entwickelte sich der Tempel im 13. Jahrhundert zu einer buddhistischen Stätte.

Die Treppen zu den Tempeln sind sehr steil. Einige dürfen deshalb nicht bestiegen werden.

Für den Zentraltempel gibt es eine Kleiderordnung. Wer zu luftig unterwegs ist, darf ihn nicht betreten.


Kleine Verschnaufpause im Tempelinnenhof




Die Bibliothek von Angkor Wat

Danach standen noch 3 weitere Stationen an, denn das ehemalige Angkor-Reich bietet noch weitere, sehenswerte Bauten/ Ruinen: Das "South Gate", den Bayon Tempel und den Taphrum Tempel. Letzterer ist vor allem durch den Film "Tomb Raider" und dessen Hauptdarstellerin Lara Croft bekannt. Doch auch nicht nur deshalb ist er einen Besuch wert.

Überall im "Lara Croft-Tempel" holt sich die Natur das zurück, was ihr einst genommen wurde - und es sieht beeindruckend aus! (wahre Worte des Maximilianus Amadeus Baranskus)

Im Laufe des Vormittags brachten wir in Erfahrung, dass es auch 3-Tages- und Wochentickets gab - für Tempel-Freaks und Gläubige. Moment einmal: Mit mind. 50 besuchten Tempeln dürften wir wohl auch schon zu dieser Minderheit gehören...

Um ca. 12 Uhr waren wir bereits wieder am Hotel.
Die verbleibende Zeit konnte prima für eine dringend benötigte Shoppingtour genutzt werden, denn Max brauchte T-Shirts - nachdem er endlich eingesehen hatte, dass seine dicken Polo-Shirts wohl doch nicht so brauchbar für das hiesige Klima waren. Das Einkaufen macht uns nicht nur im Supermarkt viel Spaß, sondern auch auf Märkten. Denn, wie überall in Südostasien, kann gehandelt werden was das Zeug hält. Uns ist es jedoch auch immer wichtig, dass am Ende nicht nur wir, sondern auch die VerkäuferInnen mit einem lächelnden Auge ein Geschäft abschließen. Nicht selten, darf Max dann all seinen Charm zum Einsatz bringen, um nach längeren Verhandlungen einer Verkäuferin doch noch eine Lachfalte abzuringen.

Am nächsten Tag stand die Busfahrt nach Pakse/Laos an. Alles was zu dieser Fahrt gesagt werden muss, haben wir euch im nächsten Blog ausführlich beschrieben. Nur so viel soll gesagt sein: Es war im Nachhinein ein Abenteuer, zum besagten Zeitpunkt jedoch ein heftiges Erlebnis.



Fazit Kambodscha

Gerade sitzen wir im Bus Richtung Laos. Und wir sind uns beide einig: In mancher Hinsicht fehlt uns die Zivilisation doch sehr. Selbstverständlich haben wir von Kambodscha nicht viel erwartet, jedoch freut man sich trotzdem immer wieder über geordnetere und zivilisiertere Zustände. Diesen sind wir in diesem Land jedoch nicht wirklich begegnet. Und das hat seine Gründe…

So herzlich und gastfreundlich wie es die Vietnamesen waren, so waren es die Khmer unserer Erfahrung nach nicht wirklich. Eher wird versucht ständig die Touristen abzuzocken.

Zur Infrastruktur des Landes brauchen wir wahrscheinlich nicht mehr viel zu sagen. Verkehrstechnisch kann man getrost von einer Katastrophe sprechen. 2016 ist erstmals wieder ein Zug gerollt. Bei dieser einen Strecke ist es unseres Wissens nach erst einmal geblieben.

An dieser Stelle fragt man sich, wohin die ganzen Gelder von den NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) gehen. Kambodscha ist diesbezüglich das am meisten unterstützte Land der Erde. Auf gerade einmal durchschnittlich 4600 Khmer kommt eine komplette NGO. Diese unglaubliche Zahl beweist, wie tiefgreifend korrupt dieses Land sein muss. Wenn ihr also vorhabt eine NGO zu unterstützen, so sucht euch bitte keine aus, die in Kambodscha tätig ist. Das Geld kommt offenbar nicht an. Und das nach 60-70 Jahren Unterstützung. Des Weiteren befindet sich dieses Land nahezu am Ende der Liste des HDI (Human Development Index, deutsch: Index der menschlichen Entwicklung) auf Platz 146.

Vorhin sind die Einheimischen zur Pinkelpause ausgestiegen. Mitten im Nirgendwo haben sie ihren Plastikabfall an den Straßenrand in die Natur geworfen. Man kann sagen: Die Khmer kaufen gerne westliche Produkte (wie beispielsweise Coca-Cola), die durch die Demokratie ins Land kamen, wissen aber nicht mit ihnen und ihren Folgen umzugehen. Und das größte Problem ist dabei eben der verursachte Plastikabfall. Wobei man natürlich auch die Unternehmen nicht aus der Pflicht nehmen darf.

Landschaftlich ist Kambodscha nicht gerade abwechslungsreich, wenn auch trotzdem schön anzusehen. Viel Flachland, viel gleiche Vegetation, viele Kokospalmen.

Ingesamt haben wir uns von Kambodscha mehr erwartet. Natürlich gibt es einiges Schönes zu sehen, aber das Gesamtbild lässt sich dadurch nicht so sehr aufhübschen. Man könnte sagen, dass in diesem Land noch einiges getan werden muss, aber auch aufgrund der korrupten Strukturen ist mit einer kurz- bis mittelfristigen Verbesserung nicht zu rechnen.

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