Bei den Hobbits im Auenland
Über das Internet hatte ich einen Job auf einer Zwiebel- und Kürbisfarm gefunden, der am Montag, den 13.01.2020, starten sollte. Davor musste aber noch das Wichtigste erledigt...


Veröffentlicht: 04.03.2020



















Wenn mir als Kind mal jemand gesagt hätte, dass ich irgendwann (freiwillig) auf einer Zwiebelfarm arbeiten würde, den hätte ich ausgelacht. Aber da ich nur noch $150 auf meinem Konto hatte, war ein Job dringend notwendig! Und so fuhr ich am 12.01.2020 nach Waiuku, etwa 55 km südlich von Auckland.
Neben mir haben auf der Farm noch fünf französische und drei deutsche Backpacker gearbeitet. Wir haben uns alle gut verstanden und saßen Abends nach der Arbeit meistens zusammen, um gemeinsam zu essen, Karten zu spielen oder das eine oder andere Glas Wein zu trinken.
Unsere beiden Chefs, zwei Brüder, und auch alle Kiwis (die Einheimischen), die dort gearbeitet haben, waren super nett. Einer der Chefs hatte drei kleine Hunde, die ihm auf Schritt und Tritt hinterher gerannt sind. Sie sind auf dem Gabelstapler mitgefahren, im Traktor und LKW, haben in der Pause immer versucht, alle auf seinem Schoß zu sitzen und sind ihm sogar bis aufs Klo gefolgt. 😅
Gearbeitet haben wir entweder auf dem Feld, d.h. wir haben Zwiebeln eingesammelt, die nach dem Ernten liegen geblieben sind, zu breite Reihen zusammengeharkt, Kürbisse abgeschnitten und geerntet, oder im Packhaus, wo wir die Zwiebeln und Kürbisse sortiert (in 1. Wahl, 2. Wahl und Abfall) und verpackt haben. Manchmal stand man tagelang nur am Fließband und hat die vorbeirollenden Zwiebeln auf Schäden kontrolliert, das hat echt generevt!
Ich weiß nicht, wer von euch schon einmal so richtig vergammelte Zwiebeln gerochen hat. Die ersten Tage musste ich mich wirklich konzentrieren, nicht aufs Fließband zu kotzen... Es war wiederlich! 🤢
In der ersten Woche haben wir fast 70 Stunden gearbeitet, immer von um acht Uhr morgens bis um sieben oder acht Uhr Abends. Im Laufe der Wochen hat es sich dann etwas entspannt. Nach der Arbeit sahen wir immer aus wie die 🐷🐷🐷.
Sonntag hatten wir unseren freien Tag. In der Gegend konnte man nicht viel unternehmen, aber da wir größtenteils mit einkaufen, Wäsche waschen und ausruhen beschäftigt waren, hat mir das nicht viel ausgemacht. Abends haben wir am Sonntag meistens gegrillt oder zusammen Pizza gemacht. 10 Minuten von der Farm entfernt befand sich ein schöner Strand mit dunklem Sand, wo wir ab und zu hingefahren sind.
Die Backpacker haben immer mal gewechselt. In den letzten Wochen war z. B. ein Pärchen aus Gera da. Bei Gesprächen haben wir herausgefunden, dass er in Australien auf der selben Farm wie ich gearbeitet hat, und sie Lina durch eine gemeinsame Freundin kennt. 😄
Teilweise war es aber echt schwierig, mit so vielen Leuten zusammen zu leben. Geschlafen haben wir alle in unseren Autos, aber es gab nur eine Dusche, und jeder wollte nach der Arbeit natürlich der Erste sein. Bei zeitweise 16 Leuten hat das oft recht lange gedauert. Es ist dann meistens ein regelrechtes Wettrennen ausgebrochen. Auch das Kochen hat mit so vielen Leuten, die durcheinander gewusselt sind, absolut keinen Spaß gemacht.
Eigentlich wollte ich nur vier Wochen bleiben, habe dann aber doch noch drei Wochen verlängert. Die Arbeit wird mir nicht fehlen, aber einige der Leute schon (auch wenn ich sagen muss, dass ich froh bin, jetzt erstmal keine Franzosen in meiner Nähe zu haben... 🙈). Der Abschied war schwer, aber einige der Leute werde ich vielleicht auf der Südinsel noch einmal sehen.
Ich habe mich dafür entschieden, mein Auto wieder zu verkaufen. Für mich alleine wird es einfach zu teuer. Ich bin deshalb jetzt wieder in Auckland und versuche, einen Käufer zu finden. Drückt mir die Daumen! 🍀
