sechs-gothies-und-ein-koenigreich
sechs-gothies-und-ein-koenigreich
vakantio.de/sechs-gothies-und-ein-koenigreich
Zuletzt in Frankreich

Tag 15 - London -> Dover

Veröffentlicht: 16.08.2025

Zug
London → Dover
United Kingdom
Spaziergang
Dover → … → South Foreland Lighthouse
6.0 km
Attraktion
White Cliffs of Dover
Dover, United Kingdom
Attraktion
South Foreland Lighthouse
Dover, United Kingdom
Essen
South Foreland Lighthouse kiosk
$ · Snack
Essen
Hotel in Dover
$ · Abendessen

8:00

Es regnet in London, perfektes Abschiedswetter. Ich leere die kleine Tasse, in der das Hotel Zucker, Teebeutel und Instant-Kaffee-Tütchen Tee Verfügung stellt und fülle sie mit meinem Frühstücks-Joghurt. 

12:00

Der Zug nach Dover ist pünktlich und leer, die Fahrt angenehm. 

In Dover angekommen folgt der eingespielte Ablauf - Hotel suchen, Hotel finden, Zimmer suchen, Zimmer finden, Zimmer beziehen, frisch machen, ausschwärmen. Die restliche Gruppe steuert die auf den Klippen thronende Burg an, ich will mich den weißen Klippen von Dover widmen. 

Dover hat nach Oxford eine undankbare Position in unserer Reiseabfolge und wirkt auf mich erstmal klein, heruntergekommen und unspannend. Nur wenige Häuser stechen aus dem in die Jahre gekommenen und bestimmt ein dutzend mal überstrichenen Häusern hervor. 

Doch langsam kommt das Meer in Sicht, blau und strahlend, und kurz darauf... die Klippen. Eine Wucht, diese weißen Felsen plötzlich über sich aufragen zu sehen, den man kann sie erst so richtig erkennen, wenn man zwischen den Häusern auf die Strandpromenade hinaus tritt. Fast senkrecht ragen die kreidefarbenen Klippen aus dem türkisen Meer hervor und enden in sanften, grünen Hügeln. Mein Wandernerv juckt, meine Schritte beschleunigen sich. 

Ein stückweit muss ich noch an der Straße entlang laufen, bis der Weg zwischen den Häusern verschwindet und anfängt, anzusteigen. Eine. schlichte Treppe führt aufwärts, Büsche verschlucken meine Sicht auf die Stadt und geben mir kurz darauf einen Blick auf unser morgiges Ziel, denn Fährhafen, frei. 

Auch dieser sinkt immer weiter hinter mir ab, die Geräusche von Autos verstummen, das metallene Geräusch von Stahl, wenn die Fähren an- und ablegen und ihre Tore sich öffnen und schließen hallt noch einige Zeit in der Luft. Die Büsche, die den Weg säumen, werden immer höher und kriechen näher an den Weg, bis sie sich immer öfter über einem schliessen und kleine Tore, Tunnel und ganze Passagen unter niedrigen Blätterdächern ergeben, getragen von hörllzernen, verflochtenen Säulen. 

Dann löst ein festgestampfter Kiesweg die Treppen ab, der in einem Trampelpfad übergeht und dann... breitet sich nur noch grüne Fläche vor mir aus. 

So habe ich mir immer das Wandern in Irland vorgestellt. Weiter Blick, grüne, kurz gefressen Wiesen, die sich auf und ab auf den Berg gelegt haben, überall gewundene kleine Wege, von Mensch und Tier geschaffen, zur Seite hin hört diese Welt plötzlich auf und das weite Meer beginnt. Und in jeder Biegung sieht man die Klippen in Dover. Die Sonne scheint, Krähen und Möven liegen in den Aufwinden und kreisen herab, wenn sie den höchsten Punkt erreicht haben. Nur wenige Touristen sind hier unterwegs. 

Ich laufe und laufe. Manchmal biege ich vom Hauptweg ab, weil ein kleiner Pfad mich an einem besonders schönen Ort oder nah an die Klippe bringt. Ich lasse mich treiben wie ein Fisch in einem Wasserstrom, immer im Wissen, wo es weiter  gehen wird - die Klippen rechts von mir vorwärts. 

Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, es wird kühl, windig und fängt an zu donnern. Nirgends ein Ort zum Unterstellen, nicht einmal ein Windschutz oder Baum, nur freie Fläche. Ich schaue auf die Karte und entdecke eine potentielle Rettung - im Zickzack führt ein Pfad, mit dem Jahren bis zu einem halben Meter tief in den Fels getreten, runter rum Wasser. 

Auf ca 20m Höhe treffe ich auf ein niedriges, rechteckiges Loch im Felsen und einen kerzengeraden schwarzen Tunnel dahinter, der leicht abschüssig in den Fels hinein geht.

Ich betrete einen alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Das Geräusch des Meeres ist hier noch intensiver zu hören als draußen, es hallt von den Wänden wieder und scheint mit jedem Wellenschlag durch den Gang zum Ausgang gedrückt zu werden. 

Der Tunnel macht eine leichte Linkskurve, wird eben und gabelt sich - die rechte Seite führt geradeaus in ein Gitter, hinter dem ein alter Aussicgtsposten liegt. 

Der linke führt nach draußen und zu einer Metallleiter, die senkrecht ins wallende Meer ragt. In der Gabel steht eine Bank, es ist windgeschützt und hell. Hier setze ich mich, warte den Regen ab und lausche dem Echo der Brandung. Jedes Mal, wenn das Wasser gegen den Felsen donnert, meine ich, den Berg unter meinen Füßen zittern zu spüren. 

Der Regen hält glücklicherweise nicht lange an, und etwas 20 Minuten später mache ich mich wieder an den Aufstieg. 

Ich habe keine Ausrüstung außer einer Regenjacke dabei, kein Wasser oder Proviant... Und doch kann ich einfach nicht umdrehen. Der Weg ist einfach, das Wetter angenehm, die Aussicht herrlich, immer wenn ich einen Zielpunkt meiner Wanderung erreicht habe, will ich auch noch den nächsten erkunden... Bis ich mich 6 km vom Hotel entfernt am South Foreland Leuchtturm wieder finde. Ich habe Hunger und Durst. Glücklicherweise hat der Leuchtturm ein kleines Kiosk, ich kaufe ein Sandwich und eine Cola, die ich verschlinge noch während ich den Rückweg beginne - durch mein Trödeln auf dem Hinweg ist es bereits 18 Uhr, der Rückweg dauert nochmal mindestens zwei Stunden. 

Doch den Heimweg schaffe ich fast ohne Ablenkungen und im Stechschritt. Ein kurzes Abendessen beendet unseren Tag, wir sind alle ausgelaugt und müssen morgen so früh wie schon lange nicht mehr aus dem Bett - um 6 Uhr klingeln die Wecker, für 7 Uhr ist das Taxi bestellt, welches uns zum Fährhafen fahren wird. 


Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Wetter
Frühling
Begleitung
In der Gruppe
AbenteuerlichKulturell
  • Zugfahrt von London nach Dover
  • Wanderung an den White Cliffs of Dover
  • Schutz im alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg
  • South Foreland Leuchtturm
  • Vorbereitung auf die frühe Taxifahrt zum Fährhafen
Regenjacke
StadtTransitNaturGeschichte
  • Sandwich und Cola am South Foreland Leuchtturm0 £
sechs-gothies-und-ein-koenigreichWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten (3)

Mama vor 12 Monaten
Gute Heimreise!

Mama vor 12 Monaten
Ein Wahnsinnsausflug zu den Klippen. Gut, dass ich das nicht vorher wusste ;-) Nun weiß ich, dass du gut zurückgekommen bist - jetzt kann ich die Bilder bestaunen! Gute Heimreise!

Annikavon sechs-gothies-und-ein-koenigreichvor 12 Monaten
War gar nicht so schlimm, hab nur das Handy drüber gehalten ^^`

Vereinigtes Königreich
Reiseberichte Vereinigtes Königreich