Tag 18 – Torghatten
Früh geht es heute los, wir haben ein volles Programm. Der erste Punkt in diesem ist selbstverständlich der Torghatten. Dieser Berg ist berühmt für seine charakteristische, an...

Veröffentlicht: 17.08.2018















































Früh geht es wieder los, wir haben viel vor für den heutigen Tag. Eine Höhlenbegehung und ein Aufstieg zum Svartisen-Gletscher. Das Praktische ist, dass beide Naturwunder auf einer Route liegen und somit schön kombinierbar sind.
Die Grønligrotta ist eine bekannte und leicht begehbare Kalksteinhöhle, deren Existenz und Gestalt man wie so viele landschaftliche Wunder Skandinaviens den Gletschern der letzten Kaltzeit zu verdanken hat. Es gibt gleich in der Nähe eine weitere Grotte zu besichtigen, deren geführte Besichtigung allerdings etwas mehr sportliche Ambitionen voraussetzt, da Klettereinlagen und Engpässe zu bewältigen sind. Im Rahmen einer Führung geht es in die Höhle, deren begehbare Abschnitte künstlich ausgeleuchtet werden. Der erste Abschnitt führt an einem unterirdischen Bach entlang, der später über einen schön ausgeleuchteten Wasserfall plätschert. Des Weiteren gibt es eine sogenannte Gletschermühle zu sehen, eine Art Trichter im Gestein, der von Steinen, die durch die Kraft des Gletscherschmelzwassers bewegt wurden, ausgeschliffen wurde. Die Höhle ist sehr verwinkelt, immer wieder zweigen dunkle Gänge links und rechts ab, einige davon sehr schmal und eng. Weiter unten kommen wir zur „Kathedrale“, eine niedrige Halle im Fels mit einer ins Auge stechenden Felssäule. Diese existiert, weil eine Ader härteren Gesteins als das umliegende durch das Bergmassiv führt und das Wasser über die Jahrtausende hinweg nur das umliegende, weichere Kalkgestein abtragen konnte. Am Ende der „Kathedrale“ liegt ein dunkler Gang, der nur in liegender Haltung zu begehen wäre. Unser Guide erzählt, dass man am Ende dieses Gangsystems auf einen sehr tiefen Abgrund stoßen würde. Scary!
In einem weiteren Abzweig in den Tiefen der Höhle glitzert es an den Decken der Gänge, als wären diese mit aberhunderten von Kristallen bedeckt. Bei näherer Betrachtung stellen sich die Edelsteine als Wassertropfen heraus. Dennoch ein faszinierender Anblick.
Am Ende bin ich dann doch erleichtert, wieder am Tageslicht zu sein. Höhlen sind absolut faszinierende Orte, allein die Stille, die nur durch die Geräusche von Wassertropfen gestört wird. Gleichzeitig aber vermitteln sie ein bedrückendes, fast schon bedrohliches Gefühl, fast so, als sollte man als Mensch dort nicht sein.
Weiter geht es zum Svartisen über eine vor Schlaglöchern und fiesen Bodenwellen strotzenden, schmalen Straße. Sie endet am Svartisvatnet, einem See, der vom Wasser des Gletschers gespeist wird und daher eine trübe, milchige Färbung besitzt. Am anderen Ende des Sees sieht man schon den mächtigen Schmelzwasserstrom, der vom höhergelegenen Gletscher herabstürzt.
Ein kleines Boot, das stündlich ablegt, bringt uns zum anderen Ende. Es ist 13 Uhr und das letzte Boot fährt um 17 Uhr zurück. Mit einem Aufstieg von ca. eineinviertel Stunden bleibt uns also leider kein sehr großes Zeitfenster zum Bewundern des Gletschers.
Während des nicht sehr schwierigen Aufstiegs riecht es immer mal wieder sehr intensiv nach Raubtier. Wir tippen auf Vielfraße. Es könnten natürlich auch Bären sein, wir wissen es nicht. Es macht die Wanderung auf jeden Fall spannender. Links rauscht das Schmelzwasser herunter. Nach einer halben Stunde Aufstieg stehen wir vor einem schwarzen Loch in der Felswand, aus dem das Gletscherwasser herausschießt. Unerwartet – ich dachte, es würde direkt aus dem See am Fuße des Svartisen kommen. Etwas beängstigend dazu, aber eindrucksvoll.
Danach wird das Gelände schwieriger, da steiler uns felsiger. Am Gletschersee angelangt, sieht man schon den oberen Teil der Gletscherzunge. Es sieht so aus, als wäre der Weg nicht mehr weit. Doch das täuscht, es sind noch gute 1,5 Kilometer über schwieriges Terrain. Der gesamte Weg bis zur Zunge besteht aus kaskadenartigen Felsplatten, deren Abbruchkanten teilweise bis zu fünf Meter hoch sind. Wir können also nicht direkten Weges zum Gletscher gelangen, sondern müssen uns im Zick-Zack hochbewegen, immer auf der Suche nach den am leichtesten erklimmbaren Stellen.
Endlich am Fuße der Gletscherzunge angelangt, hat sich die Mühe gelohnt. Meterhoch türmt sich das Eis vor uns auf, das in der dahinter liegenden Sonne in einem wunderschönen blauen Farbton leuchtet. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass immer wieder mal größere Stücke abbrechen, halte ich mich nicht allzu lange in direkter Nähe auf. Sehr schade, dass die Zeit drängt. Ich hätte gerne mehr Zeit an diesem wahnsinnig faszinierenden Ort verbracht, der uns dank des Klimawandels vermutlich nicht mehr lange erhalten bleibt. Ein großer Teil des beschwerlichen Hinwegs war vor gar nicht so vielen Jahrzehnten noch mit Eis bedeckt...
Der Abstieg gestaltet sich zum Glück nicht so schwierig wie befürchtet, ich habe gelernt, mit meinem Handicap umzugehen. Mehr als rechtzeitig sind wir wieder am Bootsanlegeplatz.
Der heutige Tag stellt für mich eindeutig das bisherige Highlight unserer Reise dar. Alleine die Erfahrung, den immer noch mächtigen Svartisen gesehen zu haben, ist unbezahlbar und unvergesslich.