Neuseeland/Südinsel & Australien/Victoria

Solo drei Wochen mit dem Camper über die Südinsel Neuseelands - und dann 8 Tage mit dem Mietwagen über die Great Ocean Road zu den Grampians und nach Healesville.

4.1.19 Die Great Ocean Road

4.1.19

Ich bin kurz vor 6h wach und froh, als ich um 7h dort abreise. Es ist total feucht, es sind schon 23°C um diese frühe Uhrzeit. Meine Autoscheiben sind komplett belaufen und ich sehe auf den ersten km nicht allzuviel, weil der Beschlag immer wieder zurück kommt. Es gibt in Victoria jetzt einen „total fire ban“, weil eigentlich alles total trocken ist. Grillen ist verboten und alles andere an offenem Feuer auch. Die Leute haben riesen Angst vor diesen mega-Buschbränden, die es ja jeden Sommer hier gibt. Ich bin fast alleine unterwegs und fahre in Richtung der Great Ocean Road, die sich von Torquay bis Allensford rund 240km entlang des Südpazifiks erstreckt. Sie gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt und ist der Grund, warum ich bei dieser Reise diese 8 Tage Australien noch angefügt habe. Nachdem ich im Herbst in Nova Scotia auf Cape Breton den Cabot Trail gefahren bin, ist dies in kürzester Folgezeit die nächste weltbekannte Küstenstraße. Ich bin gespannt.

Dankbar bin ich sehr schnell für die Klimaanlage im Auto. Oh Gott, wie wäre das heute mit dem neuseeländischen Camper ohne Klimaanlage gewesen. Die Temperatur ist um 10h schon bei 30°C. Zwischendrin mache ich ein paar Fotostopps, sehe ein paar Surfer und langsam beginnt auch der Verkehr dichter zu werden – klar, es sind einerseits immer noch Ferien in Australien andererseits ist auch Freitag und die Wochenendausflügler werden bald ihre Badesachen packen.

Um 11 Uhr zeigt das Thermometer 40°C an. Draußen sticht die Sonne wie mit Nadeln in die Haut. Um diese Zeit herum komme ich im Beach Comber Motel & Apartments in Apollo Bay an. Das Zimmer ist herrlich kühl und richtig schön mit Kühlschrank und gut funktionierendem WiFi. Ich lade erstmal alle meine Getränke in den Kühlschrank, denn im Auto kocht es langsam alles. Ein breites Bett – oh, ich muss schon sagen, nach 3 Wochen Camper und dem gestrigen B&B freue ich mich sehr heute auf dieses Bett und ein kleines, eigenes Bad direkt daneben. Ich gehe in Apollo Bay an der Collingwood Street bei einem Bäcker frühstücken. Spezialität hier: Pies! Ok, ich hebe mir das mal für ein anderes Mal auf und genieße ein gut belegtes Sandwich und einen riesen Kaffee. Gegenüber ist ein Parkplatz und dahinter rauscht das Meer. Und direkt neben dem Parkplatz sitzen doch tatsächlich Koalas im Baum! Ich bin begeistert! Noch keine 5 Stunden mit Bewußtsein in Australien unterwegs und schon die ersten Koalas in freier Wildbahn – und das noch mitten im Ort!

Nachdem es mittags über 40°C ist, gibt es ein für mein Verständnis meteorologisches Wunder: Eine Schlechtwetterfront nähert sich der Küste, die Sonne wird von Wolken verdeckt und innerhalb von 10min fallen die Temperaturen auf 17°C. Ich habe glücklicherweise noch eine Jacke im Auto, als ich nun die GOR weiter nach Süd-Westen fahre.

Ich stoppe bei Maits Rest, einem Regenwald-Wanderpfad und laufe dort gute eine Stunde den Rundweg und erfreue mich an viel Grün und riesigen Farnen und Bäumen. Weiter geht es Richtung Otway Peninsula, einem Zipfel, der im Süden Australiens hier an der Tasman Sea liegt – wenn es nicht doch der Indische Ozean ist? Immerhin bin ich – so weit weg, wie dies auch scheint – mittlerweile 2.000km dichter an Berlin, als noch vor 2 Wochen an der Südküste der neuseeländischen Südinsel. Nun trennen mich immerhin noch gut 16.000km von Zuhause.

Aber erstmal genieße ich die Natur des Otway National Parks. Riesige Eukalyptus-Wälder säumen die Straße zum Südzipfel der Halbinsel, auf der ein alter Leuchtturm steht. Unterwegs auf der Lighthouse Road nach Süden kann man oft gut Koalas sehen und auch ich habe Glück. Die Tiere sitzen oft in schwindelerregender Höhe etwa 30, 40m in den Baumwipfeln der Eukalypten und man fragt sich, wie die da ohne runterzufallen wieder in normale Höhen finden. Entdecken kann man die als Autofahrer praktisch gar nicht, sondern man muß sich an geparkten Autos orientieren, die sich immer dort sammeln, wo Leute Koalas im Baum entdeckt haben. Die Koalas – so goldig, die uns vorkommen – sind hier aufgrund des Schutzes im Nationalpark jedoch zu einer echten Plage geworden. Ich passiere Abschnitte völlig kahlgefressener, toter Baumgerippe. Es sieht aus, als ob hier irgendwelches Ungeziefer die Bäume getötet hat, aber es sind tatsächlich die Massen der Koalas, die dies zu verantworten haben.

Am Ende der Straße ist dann der Parkplatz beim Lighthouse. Ich spare mir den Eintritt von $19.50 und laufe einen kleinen Wanderweg durch die Natur. Aber es ist weiterhin ziemlich frisch, trotz Jacke und ich bin froh, als ich wieder im Auto sitze. Unglaublich, was an Temperatur-Wechsel seit heute morgen stattgefunden hat

In Apollo Bay sitze ich abends im Chopstick House. Einem Asia-Restaurant, mit sehr legere Atmosphäre, man sitzt halb im Freien und das Essen ist total lecker und bezahlbar. Um 20h bin ich in meinem schönen Zimmer, lade die vielen Koala-Bilder auf mein Tablet und bin letztlich nach Tagebuchschreiben erst um 23h in der Waagerechten. Nach neuseeländischer Zeit ist es 1h morgens. Ich bin nach diesem langen Tag ziemlich geschafft.

#otway#great#ocean#road#apollobay#koala

Kommentare

Dinge, die du vor Ort erleben kannst: