Ein ereignisreicher Tag!
Wir fahren auf dschungelartigen Straßen, besteigen gigantische Sanddünen, bestaunen den Sonnenuntergang am fast nördlichsten Ort Neuseelands und treffen einen super netten...


Veröffentlicht: 14.10.2016
Wir wachen auf auf diesem abgelegenen Campingplatz, öffnen die Augen und erkennen sofort, wie Recht Marcelo doch hatte. Was für ein Ort! Nicht nur wegen des schönen Wetters...
Kaum Menschen, umgeben von Bergen und begrüßt von einem blauen Himmel starten wir in den Tag. Marcelo ist schon weg. Wahrscheinlich ist er schon früher los, um zu fischen...Nachdem wir gefrühstückt haben, gehen wir Richtung Strand und sind wieder einmal beeindruckt. Ein wundervoller Strand, kilometerlang und menschenleer! Von sowas kann Mallorca nur träumen...An diesen Strand grenzt eine kleine Insel an, die man bei Ebbe über einen kleinen Pfad aus Felsen trocken erreichen kann. Wir vermuten, dass Marcelo auf dieser Insel sein wird, da wir ihn sonst nirgendwo sehen und man ansonsten wirklich den gesamten Strand einsehen kann...Tatsächlich!
Auf der Rückseite der Insel treffen wir Marcelo und werden lachend mit einem "Good morning bro. Didn't wanna wake you guys up, yo know?!" begrüßt. Super Typ! Neben ihm liegt schon ein Fisch, ein betrachliches Exemplar, vielleicht 40 Zentimeter lang..
Wir schauen Marcelo beim Angeln zu und genießen die Aussicht, die Brandung der Wellen, die hier relativ stark ist, und das super Wetter. Dann darf ich auch mal ran. Angeleitet von Marcelo darf ich auch mal angeln.. Wichtig ist, dass die Schnur immer auf Spannung ist, damit ich spüre, wann sich ein Fisch über den Köder her macht. Da! Ein Zucken! Ich reiße reflexartig die Angel hoch, um den Fisch einzuhaken, doch der Fisch war schneller. Als ich die Leine einhole, ist kein Fisch am Haken, aber der Köder weg...ein neuer Versuch. Wieder und wieder spüre ich ein Zappeln an der Schnur, doch es gelingt mir nicht, einen Fisch an Land zu ziehen. Mittlerweile werden jedoch die Wellen höher und schlagen die Felsen hoch. Wenig später sind unsere Schuhe klitschnass, wir haben die sich anbahnende Flut unterschätzt! Ich übergebe die Angel ohne Erfolg beim Fischen wieder an Marcelo mit den Worten, dass wir uns wieder auf den Weg zurück machen werden, da die Flut kommt und wir anders als er keine Gummistiefel anhaben, aber dennoch trocken am Ufer ankommen wollen, zurück..."Yeah I think I will come soon, too" kriegen wir als Antwort.
Wir machen uns auf den Weg und...scheiße, ist das Wasser schon hoch! Von dem Felsweg, den wir eine Stunde zuvor noch trocken begehen konnten, ragen nur noch vereinzelt Felsspitzen aus der Brandung. Wir haben die Wahl: Hier bleiben und auf die nächte Ebbe warten oder ab durchs Wasser. Wir verstauen unsere Handys möglichst weit oben am Körper und springen in die Fluten. Wir würden gern die Schuhe trocken halten uns ausziehen aber dafür ist es zu felsig. Also, ab ins kühle Nass, mit Schuhen und langer Hose! Die Wellen sind wirklich hoch und so müssen wir von Sprung zu Sprung schauen, wann wir die nächsten Meter machen können, ohne weggespült zu werden. Irgendwann sind wir bis zur Hüfte nass und dann ist es auch egal...wir waten durchs Wasser (gar nicht so kalt wie gedachte) und kommen nach 30 Metern am Ufer an. Wir hatten Glück! Viel später wären wir wohl gar nicht mehr rübergekommen...
Nass, aber lebendig am Strand angekommen begeben wir uns tropfend auf den Weg zurück zum Campingplatz. Immer zurückblickend, ob Marcelo auch schon zurückkommt...Doch er kommt und kommt nicht! Wir überlegen, ob wir uns ans Ufer stellen und ihn per Winken warnen sollen oder ob er schon wissen wird, was er tut...wir zögern zu lange. Als wir nach 5 Minuten beschließen, dass wir ein schlechtes Gewissen haben würden, wenn wir ihn nicht warnen und uns auf den Weg zurück zur Insel machen, sehen wir Marcelo schon von weitem auf der Insel rumlaufen...Es sieht nicht gut aus mit der Flut. Wir beobachten wie Marcelo am Ufer der Insel steht und versucht, einen möglichst trockenen Weg über die Felsen auszumachen. Nach wenigen Sekungen allerdings winkt er schon ab, keine Chance. Die Fluten sind zu hoch geworden. Jetzt noch den Übergang zu wagen, könnte gefährlich werden...Marcelo winkt ab und kehrt uns den Rücken er geht zurück die Insel. Mist! Jetzt muss er tatsächlich auf die nächste Ebbe warten und sitzt bis dahin auf dieser 15x40m großen Insel fest, die bei zunehmender Flut auch noch weiter schrumpfen wird...
Uns plagt ein schlechtes Gewissen. Hätte es Marcelo noch rüber geschafft, wenn wir ihn sofort gewarnt hätten?? Machtlos und mit dem Gefühl, wie einen Kumpel im Krieg zurückgelassen zu haben (etwas überspitzt, aber das trifft unsere Gefühlslage in etwa :D) kehren wir widerwillig zum Campingplatz zurück. Wir können jetzt nichts für Marcelo tun. Es ist jetzt ca. 11.30 Uhr...
Das schlechte Gewissen wird bei der anschließenden Dusche (zwar kalt, aber trotzdem...) und dem Mittagessen noch viel viel schlechter...Marcelo hätte bestimmt auch Lust auf eine Dusche und Hunger. Wobei, Fisch hat er ja dabei!
Das Wetter ist weitestgehend gut und so genießen wir, abgesehen von unserem schlechten Gewissen, den Tag. Wir essen, kicken ein bisschen, schießen Fotos von der wunderschönen Umgebung und so weiter..
Auch Marcelos Alcatraz, sein Gefängnis, wird fotografiert. Dass dabei unser Gewissen nochmal schlechter wird, ist klar...aber Marcelo hätte halt auch nichts davon, wenn wir keine Fotos von dieser tollen Natur machen würde, sage ich mir. Hier ein Foto der Insel auf der Marcelo gefangen ist, während er sich irgendwo auf der Rückseite befindet und auf die nächste Ebbe wartet...
Irgendwann nach dem Sonnenuntergang (das Wetter hatte sich zum Glück für Marcelo im Laufe des Tages einigermaßen gehalten), beschließen wir, mal nach Marcelo zu sehen...Um 19:45 kommen wir am Strand vor der Insel an. Der Weg auf die Insel ist nun wieder begehbar, doch von Marcelo keine Spur! Wir gehen auf die Insel und machen uns auf die Suche. Nach nichtmal 2 Minuten kommt uns Marcelo entgegen, eingepackt in Regenjacke, Regenhose und Gummistiefeln. Und mit einer Tüte Fisch in der Fisch in der Hand. Wird er wohl sauer sein, dass wir ihn nicht sofort gewarnt haben? Ist er ausgehungert oder durstig? Ganz sicher würde er nach ca. 11 Stunden auf dieser kleinen Insel nicht gut gelaunt sein...
Denkste! Über die Mentalität der Brasilianer kann man nur staunen. Lächelnd begrüßt uns Marcelo mit einem enthusiastischen "Heeeyy bro" und kann gar nicht verstehen, warum wir uns Sorgen gemacht haben. Er habe doch den ganzen Tag fischen können und hey, das Wetter hat doch auch super gepasst! Nur, dass er nichts zu trinken bei sich hatte, hat ihn von seinem vollkommenen Glück getrennt...
Beruhigt, dass Marcelo den Tag gut überstanden hat, gehen wir gemeinsam zum Campingplatz zurück und quatschen noch ein bisschen. Von Marcelos Fröhlichkeit und Unbekümmertheit können wir uns mal eine Scheibe abschneiden! Ein super Typ! Wir tauschen unsere Facebook Kontakte aus und lassen uns noch einige Tipps für die nächsten Tage geben. Der Bay of Islands, eine große Bucht mit rund 150 kleinen Inseln soll super schön sein, sagt Marcelo. Dann wird es wieder sehr kalt und windig und wir verabschieden uns. Marcelo macht sich zurück auf den Weg in die Zivilisation, weil er noch irgendwelche Leute kontaktieren muss und wir gehen ab ins Bett. Mit mittlerweile wieder gutem Gewissen können wir auch heute wieder gut schlafen...