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Schlipfkrapfen zwischen den Speichen

Veröffentlicht: 08.08.2021

Mit dem Sommer kommt die Arbeit und wenn es gerade nicht regnet, lebt es sich unter den Sternen am besten. Vor dem Regen flüchtend sind wir mit der grossen Blechmasse gegen Süden gezogen. Frühzeitig gegen Westen in ein abgelegenes Tal abgezweigt, während die Herde weiter in Richtung Mittelmeer geblökt ist. Wir hingegen haben uns mit dem Bike auf verlassenen Wegen gequält und mit Essen am Abend verwöhnt. Wandernde Rotsocken kennen die Eingeborenen schon lange, während beim Anblick von Bikern die Hand des Bauern an der Mistgabel zuckt.

Mit oder ohne Verständnis des Fussvolkes, gelangten wir in eine Gegend, wo es von Wohnmobilzigeunern nur so wimmelte. Ein anderes Tal machte uns die Aufwartung, wo niemand mehr mit der Mistgabel abgestochen wird. Wozu sollte man die Sau schlachten, wenn man sie noch melken kann?

Belästigt wird man hier nur von bärtigen Mannen, die Parkplatzgebüren eintreiben, Verbotstafeln, die dich am Biken hindern sollen und natürlich jede Menge von Deutschen, die sich deutsch verhalten. Solch eine Germanin ist mit ihrem Kind auf dem Buckel vor uns hergerannt. Früher hiess dass Berglauf, heute heisst das Trailrunning. Nicht dass wir dieses Wesen auf unseren Bikes wie eine Hirschkuh vor uns hergejagt hätten, wäre sowieso verboten gewesen, die Frau trainierte. Von weitem trällerte sie uns wie eine Sunnto Uhr ihre aktuellen Puls-, Kalorien-, und Kilometerwerte zu. Und als hätte das noch nicht gereicht, erzählte sie uns noch ihre krasse Transalpmarathongeschichte von letzter Woche. Jetzt begann meine Hand am Velolenker zu zucken. Ziemlich sicher war die Zeugung ihres Balges auch eine sportliche Höchstleistung mit deutschem Rekord gewesen. Leider konnten wir ihr keine Auskunft über unsere erklommenen Höhenmeter, die erreichten Kilometer und die gefahrene Höchstgeschwindigkeit geben. Wenn unsere Geduld gereicht hätte, hätte wir gerne von der grünen Spinne auf der Fichte, wie wir plötzlich am Fluss eingeschlafen sind und den Tag verschlafen haben oder von den köstlichen Schlipfkrapfen erzählt. Doch bevor ich sie mit einem Veloschlauch erdrosseln konnte, hat Annina das drohende Unglück erkannt, das Tempo angezogen und in Bestzeit haben wir den letzten Streckenabschnitt gemeistert.

Zurück im Tal, wo der Reinhold Messner schon in die Windeln geschiessen hat, erinnerten wir uns an seine Worte: Es kommt nicht darauf an, ob du mit Hightech Material Rekorde brichst, wichtig ist die Auseinandersetzung mit der Natur und dir selbst. So romantisch verklärt hat der Reinhold das Bergsteigen in seiner Jugend wohl auch nicht gesehen, sonst wäre er wohl kaum zur Legende geworden. Mit dem Alter kommt die Weisheit und hoffentlich auch die Toleranz. 

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