Reisefischer Kanada
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#50 Keine (klare) Sicht

Veröffentlicht: 09.08.2023

Am Dienstag ging es dann also final los Richtung Waldbrand. Ich finde das ja immer echt spannend, wie die Helikopter in einer super Geschwindigkeit über die Stadt zum See fliegen und dann schnell wieder zurück zum Feuer. Bisher sind 7.000 Hektar (Stand 08.08.2023) verbrannt, allerdings war es bereits deutlich kleiner, als ich vorbei gefahren bin. Nun hatte ich auch wieder durchgehend blauen Himmel. Warum auch immer, war ich supermüde, sodass ich einen kleinen Mittagschlaf und eine weitere Pause einlegen musste. Wahrscheinlich hat sich das nun fast durchgehende Arbeiten bemerkbar gemacht. Irgendwann kam ich dann an meinem nächsten Ziel an:

Castlegar

Die Suche nach einem Stellplatz war mal wieder etwas aufwendiger, da der gefundene Campingplatz 33 $/Nacht gekostet hätte und ich dies nicht einsah. Nach kurzer Suche fand ich einen Platz, bei welchem ich mich hinter Büschen und Geäst versteckt hatte, damit ich im besten Fall nicht von der Straße und den gegenüberliegenden Wohnhäusern gesehen werden konnte. An sonsten ist zu Castlegar nicht viel zu sagen, denn diese Stadt ist einfach nur langweilig. Ich dachte, dass sie sich mit der Nachbarstadt Nelson ähnelt, aber weit gefehlt. Der Park war langweilig und auch die Wanderung war jetzt nicht von den besten Aussichten geprägt, wobei der Wasserfall schon nett war. Leider wurde mein quietschen am Reifen immer lauter, sodass ich in der Stadt eine Werkstatt aufsuchen musste. Der Mechaniker sagte mir dann, dass meine Reifen noch in Ordnung sind, allerdings irgendwas am linken Vorderreifen zeitnah repariert werden muss. Ich hoffe, es hält noch mindestens drei Wochen 😅 Da ich weder die Stadt noch meinen Stellplatz mochte, dachte ich mir, dass ich auch nach Nelson fahren kann, da ich diese Stadt schon etwas kannte. Mit der App hatte ich einen Campingplatz gefunden, der „Secret Spot“ hieß und genauso geheim war er auch, denn dieser Platz existierte nicht, sodass ich leider wieder nach Castlegar zu meinem alten Platz gefahren bin.

Nelson

Am nächsten Tag ging es dann aber direkt nach Nelson. Dort in der Stadt bin ich die meiste Zeit eigentlich nur die Straßen entlang gebummelt und mal hier und dort in einen Laden abgezweigt. Ein besonders (in meinen Augen) witziger Laden, war ein komplett überfüllter Buchladen, der gleichzeitig ein Friseursalon mit genau einem Sitz war. Solch eine Kombi habe ich so auch noch nicht gesehen. Ach und dann habe ich noch einen richtig urigen Trödelladen gefunden.

In Nelson gibt es auch einen kleinen Stadtpark der nach dem japanischen Style aufgebaut ist, da er symbolisch für die Partnerschaft von Nelson mit einer japanischen Stadt steht. In diesem sehr kleinen Park gibt es mitten in Nelson einen Wasserfall. Leider wurde er gerade von Personen besucht, die sehr lautstarke Musik hörten, sodass es wieder zurück zum Auto ging. Meine Abfahrt sollte nicht später als 15 Uhr stattfinden, da ich nicht wusste, ob mein nächster spontaner Plan funktionieren würde. Denn anstatt zur nächsten Stadt zur fahren, ging es zuerst auf gut Glück zur

Little Piece of Paradies Farm

Zum Glück hatten meine zweiten Farmer vom letzten Jahr Zeit und so konnte ich bei ihnen den Abend und sogar die Nacht verbringen. Es war echt schön, sie nach einem Jahr wieder zu sehen. Noch schöner war dann natürlich das Feedback zu mir, da beide jetzt meine fast einjährige Veränderung mitbekommen haben.

Eigentlich wollte ich nur auf einen Kaffee vorbeifahren, allerdings wurde mir direkt ein Bier angeboten und da es recht heiß war, dachte ich mir da schon, dass ich vlt. doch nicht weiter fahren oder zumindest etwas länger dort verweilen sollte. 😂 Nach dem ersten Bier ging es runter zu den Schafen, Ziegen und Schweinen und dann ab in den Fluss zur kurzen Abkühlung. Anschließend kamen die Eltern des Mädchens, welches mit den Kindern gespielt hatte und wie es so ist, verquatschte man sich dann bei ein paar Bier und ich wusste, dass ich heute nur noch in mein Bett krabble und das Auto nicht mehr bewegen werde. 😅

Mit dem Kurzbesuch bei meiner zweiten Farm habe ich somit ein kleines Ziel erreicht, da ich sowohl meine erste als auch meine zweite Farm besuchen und mich nochmal für das letzte Jahr bedanken wollte. Ich habe die dritte Farm ausgelassen. Aus zwei Gründen:

1. Es war eine sehr interessante Erfahrung, einen Monat mit einem absoluten Minimum an Ressourcen zu leben. Diese einmalige Erfahrung reicht aber auch. 😅

2. Hätte dies einen Umweg und höhere Kosten für die Fähre bedeutet, sodass ich mich dagegen entschieden hatte.

Am nächsten Morgen ging es nach einem stärkendem Frühstück weiter. Einen kurzen Zwischenstopp habe ich an dem 40 Kilometer (!) langen Slocan Lake gemacht. Isabell und Robert hatten mir erzählt, dass es dort einen Ort gibt, wo man von „Klippen“ herunterspringen kann. Nachdem ich den Parkplatz gefunden hatte, bin ich einen Wanderweg entlang gelaufen, der sich kurz nach Beginn in zwei Richtungen aufteilte. Ich entschied mich natürlich für die Falsche, da dieser Weg im Nirgendwo an einer Klippe endete. Es ging somit wieder zurück und ab auf den anderen Wanderweg. Ich habe mich schon während der ganzen Zeit gefragt, weshalb es nur bergauf ging, bis ich dann nach ca. zwei Kilometer die Antwort wusste. Auch dieser Wanderweg war der falsche und endete an einer verdammt hohen Klippe, bei der ich lieber wieder einen Schritt zurückging. Am Parkplatz angekommen entdeckte ich einen weiteren Wanderweg und da dieser nur nach unten führte, entschied ich mich, diesem Wanderweg eine letzte Chance zu bieten und tatsächlich, ich war endlich am See angekommen. 😌 Die höchste Klippe, die ich gesehen hatte, würde ich mit einen ca. drei Meter Turm vergleichen. Das ungewohnte an der Sache war allerdings, dass es dort ein kleines „Becken“ gab, wo man bis zum Knie stehen konnte und dann ging man im Wasser zum „Abgrund“, bei dem es einfach Hunderte Meter tief bergab geht (der See ist ca. 300 Meter tief), denn dieser See ist einer der tiefsten in Kanada. (Habe ich damals bestimmt schon einmal geschrieben.) Deswegen mochte ich es gar nicht, dort „hinab“ zu springen. 😁 Die kurze Erfrischung tat trotzdem gut und nun ging es weiter. Auf meiner Fahrt zum nächsten Ort musste ich eine Fähre nutzen und als ich so auf die Fähre wartete, habe ich schon gemerkt, dass die Sicht alles andere als klar war. Da sie sich auch nicht verbesserte, war mir klar, dass an meinem nächsten Ort der nächste Waldbrand auf mich warten würde.

Revelstok

Diese kleine Touristenstadt, die das letzte Mal im Jahre 1958 vom englischen Königshaus und zwar von Queen Elizabeth II besucht wurde, ist wunderschön! Sie hat so einen richtig alten nordamerikanischen Style und den finde ich einfach schön. Ich bin nur leider etwas zu lange durch die Stadt gelaufen, da bereits alle Museen 17 Uhr geschlossen haben und ich eher auf 19 oder 20 Uhr eingestellt war. 😅 Der in der Stadt liegende Park war nicht zu bewältigen, da er ersten nicht spannend und zweitens einfach übersät von Mücken war, sodass ich relativ schnell den Rücktritt antreten musste. Allerdings konnte man von dem Parkplatz gut den Waldbrand sehen, der recht klein wirkte. Am nächsten Tag ging es in den „Mount Revelstoke Nationale Park“. Bei der Ankunft wurde mir mitgeteilt, dass ich oben eventuell eine bis eineinhalb Stunden warten müsste, um auf den obersten Parkplatz anzukommen. Nebenbei habe ich mir noch einen Jahrespass für ca. 73$ gekauft, da er sich bereits nach wenigen Besuchen (mind. 10$/Park) in den Nationalparks lohnt. Oben angekommen hieß es tatsächlich warten, denn erst wenn ein Auto von oben herabgefahren kam, durfte ein anderes Auto hochfahren. Aufgrund der Trockenheit durfte nicht am Straßenrand geparkt werden und oben waren nur 50 Plätze verfügbar. Glücklicherweise hatten einige Reisende keine Lust und so traten fünf Autos vor mir in der Schlange den Rücktritt an. Zehn weitere Autos hieß es nun abzuwarten und dann nach 1:40 h war es soweit: Ich durfte hochfahren. Die mögliche zusätzliche Wanderung, hätte ich mein Auto unten abgestellt, hätte ich niemals in 1:40 h bewältigen können, da es doch noch ein gutes Stück zu fahren war. Meinen vollsten Respekt hat ein älterer Parkangestellter, der den ganzen Berg mit dem Rad hochgefahren ist, um dort dann zu arbeiten.

Oben angekommen hieß es nun loswandern. Mein Ziel waren zwei Seen: Der Miller Lake und Eva Lake. Nach ca. 1:45 h war ich am Miller Lake angekommen. Obwohl es sehr verraucht war, war es ein atemberaubender Anblick. Diese Berge. Es ist beeindruckend, was die Natur für Schönheiten bereit hält. Am See angekommen hieß es erst mal den See „verseuchen“. Ich habe meine Füße abgekühlt und da es über 30 °C heiß war, war ich auch gut durchgeschwitzt. 🥵 Ich habe dort auch das erste Mal seit Tatla Lake wieder die guten alten Nutcracker und Grey Jays gesehen. Nachdem ich eine kurze Pause am See gemacht habe, ging es weiter zum nächsten See. Der Eva Lake ist nach einer Lehrerin benannt, die damals zusammen mit ihrer Schwester für drei (!) Wochen (Ich habe kein Plan, wie die gereist sind, mit all den Reiseutensilien 😅) in den Bergen gewandert sind und sie hat dabei den See entdeckt, der daraufhin nach ihr benannt wurde.

Anschließend ging es wieder zurück. Dabei habe ich vier Murmeltiere beim Sonnen und Spielen beobachten können, das war schon putzig. Noch dazu, da es sonst kaum Wildtiere gab, außer ein paar Vögeln. Ich dachte echt, dass ich mehr sehen würde.

Am Sonntag hieß es dann weiterfahren. Mein nächstes Ziel sollte mich weiter Richtung Osten führen.

Golden

Funfact: Obwohl diese Stadt noch in British Columbia liegt, habe ich bereits eine der sechs (!) Zeitzonen Kanadas überquert. Somit beträgt die Zeitverschiebung nur noch acht Stunden. 😎

Hier habe ich einen Campingplatz gefunden, der voll mit Wochenendcampern*innen war, sodass ich mal wieder Glück hatte, noch einen Platz zu ergattern. Die Anfahrt war jedoch geprägt von Schlaglöchern, sodass ich für die letzten zwei Kilometer ca. zehn Minuten gebraucht habe. Diese Fahrt wollte ich meinem Auto nicht noch mal an diesem Tag antun und daher blieb ich erst mal dort. Da hier ein perfekt klarer Fluss entlangläuft, schnappte ich mir das englische Herr der Ringe Buch und setzte mich an das Wasser. Es war einfach so geil. Direkt vor mir der Wald, der durch den Fluss begrenzt wird. Der Sonnenuntergang hinter den Bäumen und das alles in einem roten Licht. Dieser Punkt hat so einen riesigen faden Beigeschmack. Durch den Rauch hat man den ganzen Tag über ein rötliches Tageslicht, was fast vergleichbar mit Sonnenauf- oder untergang wäre. Daher sieht alles so wunderschön aus, es ist halt einfach nur unfassbar traurig, da man weiß, dass die ganzen Wälder lichterloh brennen.

Am Montag ging es dann zu einem Wasserfall. Die Wanderung war jetzt keine überwiegend schwere Wanderung und von daher war ich schneller oben als gedacht. Ich liebe ja Wasserfälle, die zeigen einfach diese Naturgewalt des Wassers so unfassbar beindruckend. Diese Lautstärke noch dazu. Da kann man auf keinen Fall ein Powernap machen. 😂 Nachdem ich dort wieder unten war, ohne einer Bärensichtung, wollte ich eigentlich noch zu einer Hängebrücke fahren, aber das hätte einfach 33$ gekostet. Da ich diesen Preis für eine Brücke nicht eingesehen habe, ging es wieder zurück. Am Abend zog in weiter Entfernung ein Gewitter vorbei und es kamen ein paar wenige Tropfen herunter. Dienstag und somit mein letzter Tag in dieser Gegend, war vom Regen geprägt. Es hat sich auch wahnsinnig abgekühlt, von abends 30 °C auf frühs 13 °C. 🥶 In Kombination mit dem Regen ergab dies eine schöne nasskalte Mischung. In Golden habe ich noch eine Brücke angeguckt, die irgendwie besonders sein soll, aber durch das ekelhafte Wetter bin ich nur einmal schnell darüber gelaufen. Anschließend ging es in den sehr langweiligen Stadtpark, wo das einzige „Highlight“ die Helikopterlandung auf dem gegenüberliegenden Flugplatz war.

In dem etwa 45 Minuten entfernten Glacier Nationalpark gab es eine kurze Wanderung zu einem Wasserfall und danach wollte ich noch eine weitere etwas längere Wanderung machen. Die „Wanderung“ zum Wasserfall war ein etwa 15 minütiger Spaziergang, wobei der Wasserfall natürlich trotzdem beeindruckend war. Allerdings wurde man dort noch nasser, sodass ich nur kurz Fotos gemacht habe. Es hat sich dann auf ganze 20 °C erwärmt und es fing an schwül zu werden, sodass ich auf dem Rückweg schon leicht verschwitzt war. Aufgrund des Wetters weiß ich, wie langsam die Kleidung trocknet und daher habe ich mich dann gegen die andere Wanderung entschieden. Dahingehend war die Autofahrt etwas „umsonst“, da es ja eher nur für einen Spaziergang war. Eigentlich habe ich mit solchen Autofahrten kein Problem, da die Landschaft unfassbar schön ist. Nun ist es so, dass ich seit Tagen die Berge nur schemenhaft erkenn kann, da sie entweder hinter Rauch oder den Regenwolken verdeckt sind. Das ist etwas nervig. Ich hoffe einfach, dass mein nächster Ort etwas rauchfreier wird, damit ich die dortige Landschaft mehr genießen kann.

Verrauchte Grüße

Samuel 🤟


P.S. Keine Ahnung wieso, aber mein letzter Beitrag wurde bisher 450x angeklicht?! Hä? Ich kenne noch nicht mal so viele Menschen :D

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