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#45 Bärenstarke Überraschung

Veröffentlicht: 22.06.2023

Huhu,

da ich doch nun wirklich sehr viel erlebe (kann man evtl. an den über 100 Bildern erahnen😅), habe ich auch echt viel zu schreiben. Daher hier ein kleiner Überblick vorab, damit du weißt, wo du dann Pause machen kannst:

· Lillooet

o Abschied

· Pemberton

o Nairn Wasserfälle

o Joffre Lakes Provincial Park

o Pemberton

· Whistler

o Brandywine Falls Provincial Park

o Train Wreck

o Garibaldi Provincial Park – Cheakasmus Lake

o Montag

o Garibaldi Provincial Park – Garibaldi Lake

o Joffre Lakes Provincial Park – Gletscher

o Kultur

Lillooet

Abschied

Sonntag haben wir zu dritt unseren letzten gemeinsamen Tag mit einem Frühstück begonnen. Anschließend sind wir zum Selton Lake gefahren, der direkt auf der anderen Seite liegt und somit auch für deutsche Verhältnisse ein Katzensprung ist. Das Wasser war wieder unfassbar klar und das indische Pärchen hat sich sogar in das Wasser getraut. Sonst ging es am Nachmittag für mich noch einmal eine Runde spazieren. Dabei habe ich in ganz weiter Entfernung meine ersten Bergziegen erblicken können. Am Abend wurde ein letztes Mal gemeinsam gegessen und dieses Mal hatten wir auch die Ordnerin eingeladen. (Sie lebt und arbeitet 4 Tage auf dem Campingplatz und hat dann vier Tage frei.) Sie hat sogar frisches Brot gebacken und ich konnte endlich auch etwas beisteuern und zwar meinen Gaskocher, da dieser größer ist als der des indischen Pärchens. 😅 Die Ordnerin hat uns dann auch noch Videos und Fotos von dem Bären gezeigt, der in der vorherigen Woche erschossen werden musste. Auf den Aufnahmen hat er noch gelebt und das ist einfach so traurig zu wissen, dass dieses Tier aufgrund menschlicher Fehler erschossen werden musste. In Lillooet gibt es einen Puma, der ab und an durch die Straßen streift, das fand ich auch echt krass. 

Montag hieß es dann Abschied nehmen. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Zaubertrick, der sich perfekt für Paare eignet (unterschreiben jeweils separat eine Karte und am Ende verschmelzen beide zu einer und die können sie behalten) und dann hieß es Tschüss und auf Wiedersehen, ehe wir uns drei Minuten später noch mal bei dem WLAN getroffen hatten 😂 Auf ging es Richtung Pemberton. An diesem Tag war es unfassbar heiß und da hier in den Bergen nicht so schnell gefahren werden darf, konnte ich auch entspannt das Fenster unten lassen.

Pemberton

Nairn Wasserfälle

Nach 1 ½ hatte ich meinen neuen „Campingplatz“ erreicht. Es ist kein offizieller Platz und ich denke, dass es eine ziemliche Grauzone ist, aber es war nie jemand hier, um mich zu verwarnen. 😅 Alle sieben möglichen Plätze waren noch frei und so entschied ich mich erst mal zurück Richtung Pemberton zu fahren, denn dort waren die Nairn Wasserfälle, die mir das indische Pärchen empfohlen hatte. Dort angekommen, war ich überwältigt von der Kraft des Wassers. Vielleicht hast du ja schon ein Mal solch einen Wasserfall gesehen, für mich war es das erste Mal und diese Lautstärke. Sagenhaft, welche Energie in diesem Element steckt. Nachdem ich mir diese kleine Wanderung vorgenommen hatte, ging es weiter zum One Mile Lake, dort ging es jedoch nur ein wenig spazieren, da der See recht klein und „normal“ war. Anschließend in Pemberton freies WLAN gefunden, nächsten Tag geplant und zurück zum Platz gefahren. Dort musste ich leider feststellen, dass der wohl beliebteste Platz unten am Fluss nun belegt war. Ich muss jedoch sagen, dass ich meinen Platz mittlerweile richtig lieben gelernt habe, von daher alles gut. 😁 Ich habe jedoch festgestellt, dass ich einen üüüübelsten Sonnenbrand auf meinem Oberarm bekommen hatte und das allein auf der 1 ½ h Fahrt von Lillooet hierher. Ich muss mich unbedingt auch vor den Autofahrten eincremen. 😂

Joffre Lakes Provincial Park – Joffre Lakes

Am Dienstag ging es auf zum ersten Ziel. Den 1988 eröffneten Joffre Lakes Nationalpark. Dieser Touristen Hotspot besteht aus drei Bergseen. Dem Lower Lake, dem Middle Lake und dem Upper Lake (1564 m). Das Besondere an diesen Seen ist die türkis-blaue Farbe. Diese entsteht aufgrund des Schlicks, der sich im Gletscher befindet. Nach und nach wird dieser aus der Eiszeit stammende Schlick durch fließendes Schmelzwasser extrem fein abgeschliffen. Die Reflexion der Sonne zaubert dann am Ende diese Farbe hervor. Trauriger Fakt: Noch vor 100 Jahren war der Upper Lake vom Mairs Gletscher bedeckt. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist der Gletscher massiv zurückgegangen. Dies verdeutlich die beschleunigte Erderwärmung noch mal richtig gut.

Mit Sack und Pack ging es also den Berg hoch. Ich versuche mich kurz (😅) zufassen. Die Farbe ist atemberaubend. Also wie Wasser solch eine wunderschöne Farbe haben kann. Das Problem war leider (bzw. ist immer noch) das Wetter. Es ist eigentlich die ganze Woche bewölkt, gelegentlich kommt hier und da mal für 20 Minuten die Sonne raus, aber das ist es dann auch. Durch die fehlende Sonne kommt die Farbe des Wassers nicht wirklich zum Ausdruck, aber es war wirklich echt schön. Genauso schön war der Moment, als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Gletscher gesehen habe.⛰️ Ich habe mich mal wieder kaum über den Nationalpark informiert (wusste halt: sehr beliebt, schönes Wasser) und war daher sehr überrascht. 😁 Zum ersten Mal erblickte ich ihn, als ich beim wandern nach oben geblickt habe und er dort perfekt zwischen zwei Bäume gepasst hat. Da stand ich nun, ziemlich beeindruckt und dann rede ich manchmal laut mit mir selbst und sage, wie schön es doch ist. In Tatla Lake war ich in solchen Momenten immer alleine, hier sind halt doch sehr viele Menschen. 😂 Es war halt echt sehr schön und warum auch immer ist mir sofort der Soundtrack von den weißen Wanderern aus Game of Thrones eingefallen und mit dieser Musik im Hintergrund ging es munter weiter. Leider hat der Regen dann immer mehr und mehr zugenommen, sodass ich trotz Regenschirm sehr sehr nass war. Witzig dabei war eine Situation mit einem jungen Mann. Er kam auf mich zu und sagte zu mir in Englisch „Zwanzig Minuten später und ein komplett anderes Wetter.“ Wir sind halt die meiste Zeit mit Abstand zusammen gelaufen, da wir auch gleichzeitig frühs auf dem Parkplatz angekommen sind und daher wusste ich, dass es ein deutsches Pärchen ist, ich aber keine Lust hatte, mit denen zu reden. 😁 Der Mann kam also auf mich zu und sagte den Satz und ich dachte mir nur so: Ach du kacke, wie krass hört man bitte den deutschen Akzent heraus. Ich frage mich immer, wie mein Englisch klingt (außer das es immer noch sehr fehlerhaft ist 😅) und bei meiner nachfolgenden Wanderung wusste ich, dass ich auf jeden Fall auch einen deutlichen Akzent haben muss. Ich habe eine indische Familie gefragt, ob ich ein Foto von ihnen machen soll, damit sie kein Selfie machen müssen und anschließend fragte mich der Mann, ob ich aus den Niederlanden komme, da mein Akzent so klingt. Knapp daneben, aber trotzdem krass, wie deutlich man das dann doch hört.

Aber zurück zu diesem Nationalpark und meinen nassen Klamotten. Diese sind ein kleines Problem, denn ich habe hier nirgends Platz, um meine Sachen zum Trocknen aufzuhängen und wenn ich meine Sachen im Auto ausbreite, wird es eine nass-kalt-muffige Luft hier drinnen und das würde ich gerne vermeiden. Das ist ein kleiner Nachteil, wenn man komplett in einem kleinen Auto lebt, daher habe ich einfach gehofft, dass es nachts nicht so viel regnet und meine Klamotten draußen trocknen können.

Pemberton

Am Mittwoch ging es dann zum Abschluss direkt nach Pemberton, um mir die Kleinstadt/das Dorf etwas genauer anzugucken. 2010 gab es um Pemberton den längsten Erdrutsch in der Geschichte Kanadas und einer der längsten weltweit, seit dem II. Weltkrieg. Dabei sind ca. 48.500.000 m³ Schutt mit einer Geschwindigkeit von 230 km/h etwa 13 Kilometer den Abhang heruntergerast. Dabei wurden zwei Brücken und rund sechs Kilometer Straße zerstört und natürlich wurde auch das Farmland in Mitleidenschaft gezogen. Ein nie endender Spaziergang schickte mich gefühlt einmal um Pemberton drumherum und ich war echt überrascht, wie viel Bärenkot überall herumlag. Auf diesem Spaziergang, der glücklicherweise fast überwiegend in der Sonne stattfand, habe ich auch glaube auch einen Goldwaldsänger gesehen. Dieser Vogel steht auf meiner „Ich möchte dich sehen – Liste“, da es ein komplett gelber Vogel ist. Leider habe ich kein gutes Fotos. 😅 In Pemberton habe ich eine „Gib und Nimm – Bibliothek“ entdeck, das war ein kleines Schaufenster, wo man Bücher reinstellen oder mitnehmen kann. Ein englisches und ein deutsches Buch haben es in mein Auto geschafft. Ich habe zwar die National Geographic Magazine, aber die sind für mich echt anstrengend zu lesen und so habe ich jetzt mit dem englischen & dem deutschen Roman eine kleine Abwechslung. Es gab dort auf jeden Fall noch einen kleinen richtig schönen Laden, wo ich auch noch meine Zeit abgebummelt habe, ehe es in eine Art Supermarkt ging, wo ich es endlich gefunden habe: Ein Fliegennetz! 🙌😁 Mit ein paar Kleinigkeiten habe ich dann Pemberton verlassen.

Whistler

Donnerstag hieß es frühs nichts rechts, sondern links abbiegen, da es dort das erste Mal nach Whistler ging. Die noch recht junge Stadt Whistler war ein Austragungsort der olympischen & paralympischen Winterspiele 2010. Hier gibt es das weltweit größte Skigebiet Nordamerikas und schnellste Bobbahn, aber auch mit 4,4 Kilometer die längste Seilbahn Nordamerikas. Weiterhin habe ich festgestellt, dass der Ort im Sommer eine absolute Anlaufstelle für Mountainbike-Fahrer*innen ist. Durch die hier nur erwähnten Attraktionen ist Whistler eine absolute Touristen-Attraktion und das merkt man von Sekunde eins. Am Donnerstag wollte ich mir die Stadt ein wenig angucken und öffentliche WLAN-Stellen finden und noch einen See angucken. Ich frage mich bis heute, wo die Menschen, die dort arbeiten, leben. Denn Whistler besteht gefühlt nur aus Hotels und Geschäften und ist dabei auf sehr wohlhabende Menschen ausgerichtet, Selbst die entdeckten Wohnhäuser sehen abnormal teuer aus und ich frage mich, wo die Menschen leben, die finanziell keinen so hohen Standart haben (z.B. Reinigungskräfte oder Busfahrer*innen). Das ist echt etwas, was mir hier negativ aufgefallen ist, dieses absolut offensichtliche Präsentieren seines Reichtums. Dennoch ist die Stadt, auch wenn ich den Aufbau glaube immer noch nicht 100% verstanden habe, sehr schön. Also was Kanada kann, ist Häuser bauen. Die sehen wirklich fast überwiegend sehr beeindruckend aus. Ich habe mich dann noch zu den einem See aufgemacht, wobei ich vergessen hatte, meine Schuhe zu wechseln und ich nach dem ersten See dann doch mit meinen Flip Flops umdrehen musste, da es etwas anstrengend wurde. 😁 Ich habe dann noch eine Kunstgalerie besucht, die regionale Künstler*innen ausstellt und glücklicherweise kostenlos war. 😅Aber einige Kunstsachen verstehe ich echt nicht. Also nichts gegen die Leute, die solche einfarbigen Sachen mega feiern oder dort etwas interpretieren können, aber für mich ist das nichts. Dann lieber dort sehr einfach zu interpretierende Bilder. 😅

Brandywine Falls Provincial Park

Freitag hieß es auf in den nächsten Nationalpark. Dieser ist durch den beeindruckenden Brandywine Wasserfall, der 70 Meter in die Tiefe fällt, ebenfalls eine sehr beliebte Anlaufstelle für Touristen*innen. Ich habe mich zu Beginn aber zuerst für eine andere Wanderung entschieden, wobei ich den Wanderweg nicht wirklich verstanden habe. Irgendwann war einfach Schluss und es fehlte jegliche Informationstafel, sodass es einfach stumpf wieder zurückging. Dabei habe ich einen sehr großen und prächtigen Helmspecht beobachten können. Anschließend ging es zum Wasserfall. Es ist beeindruckend, wie sich das Wasser über die Millionen von Jahren solch einen Weg gebahnt hat. Diese Gegend entstand durch einen früheren Vulkan und durch die unterschiedlichen harten und weichen Segmentschichten wächst das „Tal“ immer weiter und weiter. Hinter dem Wasserfall ging die Wanderung weiter. Zwei Brücken konnten noch besichtig werden, allerdings war auch hier aufgrund mangelnder Informationstafeln irgendwann Schluss. Bei der Bungee-Jumping Brücke war nicht zu erahnen, wo es angeblich weiter gehen sollte. Das war aber auch kein Problem, denn ich war aus verschiedenen Gründen echt geschafft und so ging es wieder zurück.

Train Wreck

Samstag hieß es, zwei Sehenswürdigkeiten auf einmal abzuarbeiten. Zuerst sollte es zum Train Wreck gehen. Diese Touristenattraktion entstand 1956 durch einen teilweisen entgleisten Zug, da dieser zu schnell unterwegs und zu schwer beladen war. Damals war es die einfachste Lösung, die demolierten Waggons mithilfe eines Krans den Abhang hinunterzutragen. Anschließend sollte es zu einer Brücke gehen, die ebenfalls sehr beliebt sein soll.

Die verschiedenen Waggons, die über die Jahre dort von verschiedenen Menschen besprüht wurden, waren schon kurzzeitig nett anzusehen, haben mir jetzt aber nicht sooo gefallen. Interessant ist nur, dass auch hier deutsche Sticker zu finden sind. 😅 Nach der Besichtigung der verschiedenen Waggons, ging es nun auf zu der Brücke. Ich habe mir irgendwann gedacht, dass das ein echt langer langer Weg ist und irgendwann habe ich endlich die Brücke erreicht, von der ich maßlos enttäuscht war. Lag vielleicht auch daran, dass ich bei Google Maps am Vormittag die falsche Brücke gegoogelt hatte. 😂 So ging es also wieder die Kilometer zurück. Irgendwann hat man auch alle Nachrichten beantwortet und man läuft gedankenverloren durch den Wald. Am Anfang habe ich schon gedacht, was ich wohl mache, wenn ich einen Bären begegne, da ich mein Bärenspray vergessen hatte. Um solch eine Begegnung zu vermeiden, wurde die Bärenklingel durchgehend geklingelt, es wurde gesungen und Rockmusik gehört. Laut der Kilometeranzeige waren es nur noch zwei Kilometer bis zum Train Wreck und ich war echt erleichtert, da ich mal wieder sehr erschöpft und müde war. Meine Müdigkeit war schlagartig weg, als ich an einem Busch entlang gelaufen bin und dort plötzlich ein Schwarzbär auftauchte. 🐻Oh man! Ich muss sagen, ich habe dort einfach mal wieder echt gut funktioniert. Zuerst hieß es Ruhe bewahren. Meine Bärenklingel habe ich direkt weggepackt, da nun plötzliche Geräusche den Bären erschrecken könnten und es waren maximal fünf Meter zwischen uns. Ich habe dann zuerst ein wenig Abstand gewonnen (eigentlich 100 Meter, aber ich wollte erst mal noch Fotos machen 😁) und dann hieß es Krach machen. Meine größte Angst war, dass der Bär nicht alleine ist. Er wirkte noch recht klein und so hatte ich Sorge, dass die Bärenmutter gleich herauskommt. Sonst war eigentlich alles recht entspannt (so entspannt wie es eben sein kann), da der Bär wirklich so gar keine Kenntnis von mir genommen hatte und einfach nur in Ruhe fressen wollte. Er war schon etwas genervt, sodass er auch weggehen wollte. Das Problem war nur, dass er am Wegesrand entlang lief und als ich dachte, dass er weg wäre, tauchte er plötzlich wieder aus dem Gebüsch auf. Es war faszinierend, wie entspannt dieser Bär war (dafür war ich sehr dankbar 🐻😁🙌). Irgendwann ist er dann doch tiefer in den Wald gegangen und ich bin noch einige Hundert Meter laut singend und sprechend den Weg weiter entlang gelaufen. Ich sag mal so: Ich habe echt sehr gut funktioniert, hätte ich so nicht erwartet 😅 Allerdings hatte ich auch das Glück eines sehr entspannten Bärs. Nach diesem Erlebnis ging es wieder zurück zum Campingplatz und irgendwie habe ich so im Auto darüber nachgedacht, wie komisch es doch ist, dass vor einigen Minuten ein Bär direkt neben mir war? Irgendwie komisch, atemberaubend, witzig, beeindruckend .... zugleich. 😅

Garibaldi Provincial Park – Cheakasmus Lake

Am Sonntag sollte es zum Garibaldi Nationalpark gehen. Dieser wurde mir von zwei Reisenden und auch von Google empfohlen. Ärgerlicherweise ist dieser Nationalpark so groß, dass er drei Zugänge hat. In den drei großen Nationalparks hier in B.C. muss man sich einen Tagespass buchen (kostenfrei). Dies ist ein Pilotprojekt, damit nicht zu viele Menschen in den Nationalparks unterwegs sind. Im Joffre Lakes Nationalpark betrug die maximale Besucheranzahl 1000 Leute. Ich habe dann eine Abfahrt verpasst und in Kanada dauert das ja ärgerlicherweise ziemlich lange, bis man eine Wendemöglichkeit findet. Auf diesem speziellen Highway hier (dazu iiiiirgendwann mehr. 😂) gibt es leider extrem wenig. Irgendwann habe ich dann aber eine Möglichkeit gefunden, gewendet und zack zum Eingang gefahren. Dort wurde mir leider mitgeteilt, dass dies der falsche Tagespass ist und ich zu einem anderen Eingang fahren müsse. Ich also wieder gewendet und dann den richtigen Eingang gesucht. Dieser war wieder ärgerlicherweise fast direkt hinter Whistler, sodass ich sehr viel Benzin umsonst verfahren habe. Der absolute Kracher war aber der Weg zum Parkplatz. Dieser war sieben Kilometer lang und wurde damals als Logging-Straße genutzt. Dort fuhren also die riesigen Trucks mit den Baumstämmen entlang. Über die Anzahl, die Tiefe und der Häufigkeit von den Schlaglöchern muss ich, glaube ich, nichts erzählen. Das finde ich schon ziemlich frech, dass sie es nicht schaffen, diesen Weg zu graden. Dies ist mit einer einfachen Maschine möglich, da dies auch in Tatla oder Anahaim Lake angewendet wird. Es war der Horror! Egal, irgendwann bin ich dann oben angekommen und dann ging es los. Es war leider diesmal wirklich sehr verregnet beziehungsweise verschneit! Ja, es schneit hier ca. 200 – 300 Höhenmeter über mir. Das ist verrückt, als ich das zum ersten Mal gesehen habe. Ich bekam auf meiner Höhe den Regen ab. Der Nationalpark war auch wieder von einem türkisblau gefärbten Fluss und See geprägt. Ich habe dort zum ersten Mal auch eine Art „Essenshaken“ gesehen. Dort können Leute, die an dem See eine Nacht gebucht haben, ihr Essen befestigten und ca. fünf Meter in die Höhe ziehen, damit es nicht im Zelt liegen muss und hoch genug ist, damit der Bär nicht daran kommt. Leider war das Wetter echt überwiegend bescheiden und so entschied ich mich auch nach diesem Ausflug zurück zufahren. Abends, gerade als ich mal wieder den mühevollen Prozess des Umziehens im Auto hinter mir hatte (draußen ging es aufgrund des Regens nicht), drehte ich mich um und was sehe ich in letzter Sekunde? Eine Kojote direkt an meinem Auto entlang laufen. Wie cool ist das denn bitte gewesen?!

Montag

Am Montag habe ich mal etwas auf meinen Körper gehört. Ich laufe/wandere hier täglich bis zu 14 Kilometer. Ich weiß nicht, ob das viel ist. Für mich war dies nach sieben Tagen echt viel und ich habe meinen unteren Rücken, Hüfte und Knie gemerkt – Es hört sich an, als würde ich schon sehr alt sein 😂 – So hatte ich frühs die Entscheidung, ob ich in das Museum fahre oder einfach mal nichts mache. Da es geregnet hatte und ich mein „Bett“ nicht verlassen wollte, habe ich mich dazu entschlossen, nicht nach Whistler zu fahren und was soll ich sagen. Zum Glück, denn es hat wirklich den gesamten Tag geregnet! Ich wollte mir immer solch einen freien Tag bewusst nehmen, allerdings mit Sonnenschein, damit ich draußen entspannt ein Buch lesen und meine Wäsche in der Sonne trocknen lassen kann. So war ich leider mal wieder in meinem Auto gefangen und bummelte so meine Stunden ab. Dies war allerdings auch wieder gut, mein Körper musste ausgeruht sein, denn...

Garibaldi Provincial Park – Garibaldi Lake

... dort hieß es: Gletscher-Versuch 1.0. Ich war mir relativ sicher, dass ich diesen Gletscher nicht schaffen werde, aber ich wollte mal schauen, wie weit ich es schaffen würde. Ich wurde zweimal nett informiert, dass die Wanderung zum See schon eine schwere Wanderung sei. Der Garibaldi Lake lag zehn Kilometer Fußmarsch und 1000 Höhenmeter höher. Der eine Ordner hat mir dann noch etwas mitgeteilt, was ich sogar noch selbst aus meiner Segelfliegerzeit wusste. Faustregel: 100 Höhenmeter Differenz = 1 °C Differenz. Da ich 1000 Höhenmeter machen musste und wir mit entspannten zehn Grad Celsius in den Tag gestartet sind, wusste ich ja, was mich oben am See erwartet. Was soll ich sagen, diese Wanderung war so anstrengend. Es ging nur also wirklich nur steil im zick zack den Berg hoch. Nicht eine Möglichkeit der Pause. Es war die Qual. Weiterhin war der Berg umhüllt von einer Wolke und ich konnte manchmal nur 20 Meter weit sehen. Ich liebe das ja, wenn der Nebel durch die Bäume zieht. Das hat immer so etwas Mystisches, finde ich richtig cool. 😁 Auf jeden Fall schnaufte ich so meinen Weg hoch, um mich dann an einer Weggabelung zu entscheiden, ob ich zum See oder zum Gletscher möchte. Man konnte sich auch noch am See entscheiden weiterzugehen, dies wäre jedoch eine schwerere Route. Ich entschied mich zuerst für den See, denn der Gletscher ist ja ebenfalls in den Wolken und da sehe ich ja mal gar nichts. Der Garibaldi Lake ist ebenfalls ein türkisfarbener Bergsee. Ich liebe es einfach! Obwohl ich diese Seen noch nie mit direktem Sonnenlicht gesehen habe, finde ich die Farbe jetzt schon beeindruckend. Nach einer kurzen Pause ging es wieder zurück mit der Entscheidung, nicht mehr zum Gletscher zu gehen, da die Zeit auch etwas fortgeschritten war und ich noch 10 Kilometer zurück musste. Ab dem See wären es noch einmal 5,5 Kilometer gewesen und ganz ehrlich: Der Berg, der See, der Gletscher,.. diese Sachen sind niemals das Ziel. Diese Punkte stellen gerade mal 50 % der Etappe dar. Das Ziel sollte es sein, abends behutsam im Bett zu liegen. Ich war nach dieser See-Route gut geschafft und habe mir daher keine elf Kilometer zusätzlich zugemutet. Ich war geschafft und mit 20 Kilometern war dies meine bisher schwerste Etappe. Dennoch nicht mit erreichter Zielsetzung, so musste Plan B her.

Joffre Lakes Provincial Park - Gletscher

Mir hat eine Reisende, die ich hier getroffen habe, gesagt, dass in beiden Nationalparks die Gletscher bestiegen werden können. Das hat mich so geärgert, da ich im Joffre Lakes Nationalpark noch genug Energie hatte, aber nicht wusste, dass es dort weiterging. Also stand am Mittwoch der Gletscher im Joffre Lakes Park an. Der Tag starte jedoch nicht so gut, da ich die Wanderung vom Vortag eeetwas spürte. 😅 Noch dazu hat es bereits vor meinem ersten Kaffee angefangen zu regnen und es waren nur 12 °C. Der Regen hörte leider auch nicht auf und da der Nationalpark etwas höher liegt, ging es auch wieder in die Wolken. Ich kannte die Seen bereits und bin daher mit einem vielleicht etwas übereilt Tempo die Seen hoch. (Nach einer Stunde war ich oben. 🧗😅) Mal wieder war die Beschilderung in meinen Augen nicht gut genug 😁 Ich habe den Campingplatz und somit auch den Weg zum Gletscher nicht gefunden. Ich bin daher über Stock und Felsbrocken gewandert, um mir die ganze Zeit laut zu sagen, dass das die dümmste Aktion seit einer sehr langen Zeit ist. 😅 Irgendwann habe ich dann den offiziellen Weg gefunden, der minimal besser war. Durch den ganzen Regen, der sich dankenswerterweise später noch in Schnee gewandelt hat, haben sich auch immer mehr Wasserfälle und -bäche gebildet. So rutschte ich den Weg hoch, um am Ende des Weges entscheiden zu müssen, umzudrehen, denn am Ende des Weges musste man über Schnee gehen. Das Problem war, dass von rechts das Wasser kam und unter dem Schnee entlangfloss und ich nicht wusste, wie stabil es ist. Dies war so der ausschlaggebende Punkt. Die Aktion war evtl. in einigen Punkten eher unüberlegt.😂

- ich habe null Erfahrung,

- meine Ausrüstung ist eher nicht dafür geeignet,

- ich war komplett nass und mir stand das Wasser in den Schuhen,

- es war viel zu kalt und windig,

- es könnte sich jederzeit etwas lösen (Steine, Felsen, Schnee,..),

- ich könnte abrutschen/mich einklemmen,

- ....

So ging es also wieder abwärts. Ich war sowohl stolz auf mich, dass ich als „Schönwetter Mensch“ 😁 bei diesem Wetter überhaupt losgegangen bin, allerdings war ich auch so enttäuscht, dass ich es doch nicht geschafft habe. Aber ich denke, ich habe noch die Chance, einige Gletscher zu besteigen.

Nach 4 ½ h war ich wieder unten und da sagte mir die Ordnerin, dass ihr gestern ein Video gezeigt wurde, von Leuten, die oben gezeltet haben. Auf diesem Video sah man einen großen Felsen den Abhang herunterkommen. Zum Glück war ich nicht gestern da. 😅 Ich hatte bei meinen Steinen, die ich ins Rollen gebracht hatte, immer schon Sorge.

So ging es aber komplett durchnässt (ich drückte bereits bei jedem Schritt das Wasser aus meinen Schuhen) wieder zurück zum Schlafplatz, um mich irgendwie warm und trocken zu bekommen.

Kultur

An meinem letzten Tag hat sich Whistler gedacht, warum nicht mal etwas Sonne. Mit angenehmen 18 °C ging es in den fast wolkenfreien Tag. Es wurde echt angenehm warm und die schneebedeckten Berge sahen mega aus. In Whistler ging es zu erst in das Kunstmuseum. Es ist faszinierend, welche Skulpturen die indigenen Menschen anfertigen können. Genauso faszinierend ist die künstlerische Fähigkeit von einigen Menschen. Der eine Künstler hat sein neustes Werk im Kunstmuseum angefangen. Seit 2019 arbeitet er an diesem Gemälde und er schätzt, dass es zwischen fünf und sechs Jahre dauern wird, bis es vollendet ist (3 x 6 m). Leider war ein sehr großer Komplex, der leider auch die aktuell neuste Ausstellung darstellt, geschlossen. Dies war sehr ärgerlich, da ich so nach nicht mal einer Stunde wieder draußen war.

Weiter ging es in das Whistler Museum. Dies war deutlich kleiner und günstiger, aber dennoch sehr informativ. Es wurde über die biologische Vielfalt von Whistler, der Ortsentstehung bis hin zum langen Weg der olympischen & paralympischen Winterspiele informiert. Nach diesen doch überraschenden kurzen Kulturausflug schreibe ich nun diese letzten Zeilen.

Jetzt geht es wieder zurück. Ich muss unbedingt diese Sonne und diese Temperaturen ausnutzen und meine Klamotten zu waschen & zu trocknen.

Ey, es tut mir wirklich leid, dass der Beitrag so lang wurde, aber ich erlebe einfach so unfassbar viel, dass ich noch deutlich mehr schreiben könnte. 😅 Solltest du aber bis jetzt alle Beiträge gelesen haben, dann Glückwunsch, du hast die Länge meiner Masterarbeit erreicht. Denn sowohl diese Arbeit als auch das Word-Dokument zu diesem Beitrag haben nun 182 Seiten. Wow!

Und ja, dass mit den weißen Rahmen um den Bildern ist neu. Ich dachte mir, dass man so auf jeden Fall immer die gewollte Bildunterschrift sieht.

Also bis irgendwann wieder...

Samuel🙌

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