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#44 (K)ein guter Start

Veröffentlicht: 11.06.2023

Ha! Hast wohl gedacht, dass ich dich lange warten lasse! 😋 Ne, Spaß, dass ich hier WLAN habe, ist wohl eine absolute Ausnahme.

Aber wie immer der Reihe nach:

Am Dienstag hieß es Abschied nehmen und durch das wiederholte Verschwinden von Trooper und Daisy hat sich meine Abfahrt etwas verschoben. Ich bin mit Jenny raus aus dem See gefahren, um das Ufer abzusuchen. So hatte ich noch schnell einen Crash-Kurs damit ich eventuell im Spätsommer dort Bootstouren anbieten oder als Bootsführer bei dem Grizzlybären-Workshop mithelfen könnte. Das ich dazu eine Lizenz benötige, hat Jenny in ihrer „Ideen-Euphorie“ ganz vergessen. 😅

Nachdem die beiden Ausreißer wieder zurück waren und noch einmal ein kostenloses Mittagsessen abgegriffen wurde, ging es los. Der erste Punkt war Williams Lake. Ich wollte sicherheitshalber einen Ölwechsel machen und musste noch Lebensmittel einkaufen. Nach diesen kurzen Aufenthalt hat mein Portemonnaie schon das erste Mal geweint. 😁 Nach dem ich alle Erledigungen getätigt hatte, ging es weiter zum Ersten Halt: Green Lake. Da ich nun spritsparend fahre, benötige ich dementsprechend auch deutlich mehr Zeit und so kam ich zum Sonnenuntergang an. Ich habe schon während der Fahrt gemerkt, dass ich massive Kopfschmerzen bekomme. Diese sind immer schlimmer und schlimmer geworden. Das lag daran, dass ich deutlich zu wenig Wasser getrunken habe. Meine Laune wurde nicht besser als ich aus dem Auto ausstieg. Mücken! MÜCKEN! Das kannst du dir nicht vorstellen. Mein Plan war, dass ich mir an diesem Abend richtig schön was kochen möchte, da ich eigentlich einen richtig schönen Start in mein Abenteuer haben wollte. Diese Idee habe ich sofort über Bord geworfen. Noch dazu, da mich die Kopfschmerzen eigentlich sofort ins Bett befördern wollten. Ich habe mich dann noch für einen kurzen Gang am See entschieden und bin dann ins Bett gegangen. Schlafen konnte ich dennoch nicht, denn plötzlich klopfte eine Frau ans Fenster und mir war klar: Für diesen Campingplatz muss ich zahlen. Eigentlich dachte ich er wäre kostenlos, aber falsch gedacht. Das Unverschämte war einfach der Preis: 18 $ für nichts. Für einen Parkplatz, ein übelst riechendes Plumpsklo und eine Wasserstelle. Das Problem ist noch, dass 18 $ mit am günstigen ist. Vielleicht findet man noch einen für 15 $, aber das ist so das Minimum. Ich schaue halt immer nach kostenlosen, die natürlich sehr rar und überfüllt sind. So zahlte ich meine 18 $ und wollte wieder ins Bett, was nicht möglich war, denn durch das Öffnen der Türen hatte ich nun eine ganze Horde Mücken in meinem Auto. Ich habe, so viele wie möglich ins Tier-Paradies geschickt, um dann mit nur noch zwei summenden Mücken schlafen zu gehen. Die Nacht war leider so kalt, dass ich echt schlecht geschlafen habe. Somit habe ich direkt früh am Morgen meine Sachen gepackt und wollte eigentlich noch einen Park aufsuchen, den ich jedoch nicht gefunden habe. Auf dem Weg dahin, habe ich hier etwas zum aller ersten Mal lebend und nicht tot am Straßenrand gesehen: einen Fuchs. Nach dem gescheiterten Versuch mit dem Park ging es zum zweiten Punkt. Ein Campingplatz bei Lillooet. Nach zwei Stunden oder so kam ich hier an und ich bin vier Mal im Kreis gefahren.

1. Runde: Ich habe mir den Campingplatz angeguckt und war sehr verwundert.

2. Runde: Ich habe jemanden gesucht, um ihn zu fragen, ob dieser Platz wirklich kostenlos ist.

3. Runde: Ich habe nach den besten freien Plätzen gesucht.

4. Runde: Ich habe ihn gefunden.

Und was soll ich dir sagen. Dieser Campingplatz ist der Wahnsinn!😍Er ist kostenlos(!), er hat ein recht neutral riechendes Plumpsklo, einen glasklaren Fluss und daher kaum Mücken, eine separate Wasserquelle, kostenfreies WLAN und eine wunderschöne Landschaft. Einziger Nachteil: Pumas und Bären sind hier unterwegs.🐻Ich habe nach meiner Ankunft erst mal den Fluss ein wenig erkundschaftet und er ist echt schön. Ich wollte gar nicht so weit gehen, da ich nur Flip Flops anhatte, aber es war dann doch ein gutes Stück. Das Schlimme ist, dass man die ganze Zeit denkt, dass überall ein Wildtier sein könnte. Als ich den Weg entlanggelaufen bin, sah ich rechts auch plötzlich etwas kleines schwarzes entlangrennen und ich dachte mir nur so: Scheiße, ein Schwarzbär-Baby, aber es war ein Hund und den Mann habe ich erst später gesehen. 😅 Nach dem ich zurückkam, hat mich mein „Nachbar“ angesprochen. Er und seine Freundin, sind gleichzeitig mit mir hier angekommen. (Ich würde die Namen falsch schreiben deshalb nenne ich sie einfach „indisches Pärchen“ ) Er lebt seit einigen Jahren hier und seine Partnerin ist zu Besuch. Auf jeden Fall hat er mich direkt zum Abendbrot eingeladen und es gab richtig schönes scharfes indisches Chicken. Boah, das war lecker! Wir haben dann noch ein paar Stunden gequatscht und dann ging es ins Bett. Die Nacht war schon fast zu warm, aber deutlich besser als die Nacht zuvor.

Am nächsten Tag machte ich meinen Kofferraum auf und was erwartete mich? Frühstück. Da hat das indische Pärchen einfach für mich Frühstück mit gemacht. Wie nett sind diese Menschen bitte?! Ich war so dankbar. Nach dem Frühstück bin ich eine kleine „Wanderung“ von ausgeschilderten 30 Minuten gelaufen. Das einzige was daran wandern war waren die ersten 200 Meter. Die waren so steil, dass ich nach 50 Metern schon gedacht habe, ich brauch einen Baum zum Abstützen. Meine Waden haben gebrannt und ich war tot als ich oben ankam. 😂 Sonst war der Platz eben und ich konnte den Campingplatz von oben begutachten. Eigentlich wollte ich mit dem indischen Pärchen am Nachmittag noch mal zum Wasserfall wandern, da beide dann jedoch unterwegs waren, bin ich diesen Weg alleine gegangen. Ist manchmal etwas komisch, wenn man ganz alleine durch ein Puma und Bären Gebiet entlangläuft, aber ich habe meine nervige Bärenklingel (lieber genervt anstatt tot, sag ich immer) und ich rede sehr laut, da ich jetzt immer Sprachnachrichten aufnehme. 😅 Am Ende war es definitiv kein Wasserfall, aber dennoch eine sehr schöne Gegend, die die Kraft des Wassers noch mal gezeigt hat. Zurück angekommen, habe ich Abendbrot gegessen - dachte ich – denn nach meinem Abendessen, hat mich das indische Pärchen schon wieder zum Abendbrot eingeladen. Ich habe mich so schlecht gefühlt und habe ihnen das auch gesagt, dass ich nicht deren ganzes Essen wegessen möchte. 😂 Aber er hat immer gesagt: Passt schon! Mach dir keine Sorgen. Ach es war wieder ein echt netter Abend und ich musste das dem Pärchen auch einfach sagen, dass ich so dankbar für ihr Essen und die Unterhaltungen bin und dass ich auch etwas stolz auf mich bin, dass das Reden so gut klappt. 😁 Sie haben auch so ein paar Tigergeschichten erzählt, da kann man auch nur dankbar sein, dass die zwei noch leben. 😅

Am heutigen Freitag habe ich das Frühstück dankend abgelehnt, da das wirklich zu viel des Guten wäre. 😂 Aber sie haben mich gefragt, ob wir heute uns hier etwas die Gegend angucken wollen und da habe ich zugestimmt. Zu erst ging es zum Selton Lake, dort haben wir aber keine Wanderwege gefunden und so entschlossen wir uns in die Stadt Lillooet zu fahren. Ich war dort gestern schon zum tanken und diese Stadt ist so schön urig. So teilweise richtig im alt nordamerikanischen Style. Wir waren auf einen schönen kleinen Wochenendmarkt, wo es auch Sauerkraut gab. Ich finde es immer wieder amüsant, dass Wort hier zu lesen oder zu hören. Danach waren wir einkaufen wobei ich deutlich schneller fertig war und daher alleine zurückfahren wollte. Dann jedoch bin ich in der Stadt ein paar Mal stehen geblieben. Ich habe mir hier das älteste Geschäft und einen anderen älteren Laden angeguckt. Und die waren so schön. Man merkt diesem Ort seine offene Art sehr an, obwohl es nicht aufdringlich ist. Also sehr viel Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit mit indigenen Kulturen. Ich habe mir auch als Teils meines Roadtrips vorgenommen mehr über die verschiedenen Kulturen kennenzulernen und das wäre ein echt guter Ort gewesen, um sich damit auseinanderzusetzen. Ich bin jedoch nur durch die Läden geschlendert und dann hat mich der eine Verkäufer angesprochen und wir sind kurz ins Gespräch gekommen. Er hat mir dann erklärt, dass die Stadt sich in den letzten Jahren gewandelt hat, aber es ruhig noch mehr sein könnte, da es immer noch etwas ruhig ist. Er hat mir dann auch erzählt, dass es um Lillooet fünf indigene Stämme gibt und sie sehr gut zusammenleben. Er sagte mir aber auch: Pass mit den Bären auf! 🐻Denn erst letzte Woche, haben (ultra dumme) Touristen auf meinem Campingplatz Bärenbabys gefüttert. Was passiert? Bärenbabys wollen mehr, kommen zum Campingplatz, Menschen haben Angst, rufen die Polizei und die muss dann die Bären erschießen. Also manchmal.... du glaubst gar nicht, wie gründlich man hier abends sein Besteck wäscht, um keine Bären anzulocken. 😅 Nach dieser Bärenwarnung ging es weiter und ich sah noch ein Museum. Zack direkt angehalten, um noch etwas Kultur mitzunehmen. 😁 Das Museum ist eine alte Kirche und behandelt die alte Zeit, in der hier Gold gescheffelt wurde. Das Gute war, man konnte seinen Eintrittspreis selbst bestimmen, daher bin ich auch hier mit wenig Dollar weggekommen. 😅 Die Frau hat auch direkt das Gespräch mit mir angefangen und wir haben etwas gequatscht. Währenddessen ging dann draußen auch eine Pride-Parade los. Es war richtig cool zu sehen, wie viele Leute doch in dieser recht kleinen Stand zusammenkommen, sogar die Feuerwehr hat mit daran teilgenommen. Ich muss sagen, diese Gegend liebe ich. Einen sehr guten kostenlosen Campingplatz und eine Kleinstadt, die gerade groß genug ist, um alles Lebensnotwendige zu haben und ein scheinbar sehr nettes Stadtklima. Die Natur, die Seen und Flüsse hier, geben dem ganzen natürlich noch den positiven Rest. Whistler, Squamish oder Vancouver sind in zwei bis drei Stunden auch erreicht und das ist hier in Kanada nicht viel. Mir gefällt es sogar so gut, dass ich anstatt meiner geplanten einen Nacht nun drei Nächte hierbleibe. Mich würde noch eine Wanderung vielleicht reizen, aber morgen ist denke ich wirklich Abfahrt und dann geht es weiter. Während ich vorhin übrigens Abendbrot gegessen habe, kam er rüber und sagte mir, dass ich nicht so viel essen soll, da er auch gleich für uns kocht. Ich werde verrückt, es schmeckt so gut! Vielleicht bleiben wir drei doch noch einen Tag länger?!

Kurzer Zeitsprung, denn mittlerweile ist es Samstag. Durch die Essenseinladung bin ich abends nicht mehr in den WLAN-Bereich gegangen, sodass der Beitrag doch erst heute (Samstag) online kommt.

Wir sind auf jeden Fall immer noch hier. Gestern beim Abendbrot haben wir darüber gesprochen, dass es keinen Sinn macht an einem Samstag den Campingplatz zu wechseln, da alle Wochenendcamper unterwegs sind. So bleiben wir noch bis Sonntag oder evtl. Montag. Heute regnet es alle paar Stunden wieder etwas. Ziemlich gut für die Natur, aber so ist man doch recht im Auto gefangen. 😁 Leider kann ich auch nicht mit Schuhen und Regenjacke raus, da ich gestern vergessen hattem meine Schuhe unters Auto zu stellen, sodass sie erst mal trocknen müssen. Sonst wurde ich heute mal wieder zum Frühstück eingeladen. Ich liebe dieses Pärchen. 😁😍

Eine Sache noch: Dass ich weitere kostenlose Campingplätze mit WLAN finde, ist mehr als unwahrscheinlich. Dieser hier wird von den Wasserwerken B.C.s erhalten (hier ist auch direkt eins nebenan) und die haben ein paar wenige Campingplätze in B.C. auf denen man übernachten kann. Diese werde ich wohl nach und nach abklappern sonst werde ich kein unbezahltes WLAN auf einem Campingplatz finden. 

Abschließend kann ich sagen, dass die ersten 24 h eventuell nicht der Brüller waren, aber seitdem geht es mir super. Ich bin so dankbar, dass ich so scheiß freundliche Nachbarn habe. 😁 Die Gegend hier gefällt mir super und ich kann hier noch mal etwas mehr Ruhe genießen, bis es dann in doch eher Touristen lastigere Orte geht.

Bis dahin dir alles Gute und Pass auf dich auf!

Samuel ✌🏽

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