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Oswaldo Guayasamin

Veröffentlicht: 07.05.2017

Den Namen könnt ihr googeln und ihr erfahrt mehr, als was ich euch hier schreibe. Den Fakt aber, dass ich heute vor seinen Werken gestanden, sie gesehen und Erklärungen dazu bekommen habe, und insbesondere den Eindruck von seinem Werk, den könnt ihr emotional nicht nachempfinden. Ich war tief bewegt davon.

Jetzt aber der Reihe nach. 
Letzte Woche wäre ein Ausflug zu dem Haus von Oswaldo Guayasamin auf dem Schulprogramm gestanden. Da ich der einizige Angemeldete war, habe ich drauf verzichtet. Mit der Schule wären wir per Taxi gefahren. Ich habe es heute so gemacht, dass ich zuerst in den Parque Metropolitano spaziert bin, um dort meinen wohl letzten Cache in Ecuador zu holen. Danach führt ein Weg aus dem Parque direkt zu seinem Haus. So ging ich also alleine hin und habe eine spanische Führung mitgemacht. Es hätte auch Englische gegeben, aber wozu bin ich hier, hä?
Dabei durfte ich erfreut feststellen, dass das Verstehen schon recht gut geht, wenn es irgendwie klar ist, worum es geht. Jedenfalls habe ich 85% verstanden. 

Da du bestimmt noch nicht gegoogelt hast, hier eine kurze Erklärung zu Oswaldo Guyasamin. Er war Maler. Er war Sozialist, ein Freund von Fidel Castro und anderen Sozis. Er hat die Schmerzen der Unterdrückten, der Gefolterten, der Getöteten ungeheuer eindrücklich in meist düstere Farben gebannt. Szenen aus den verschiedenen Kriegen sind zu sehen (2. Weltkrieg, Spanischer Bürgerkrieg, Vietnamkrieg) und dabei zielt er hauptsächlich gegen rassistische, faschistische Diktaturen. Immer wieder sucht er in seinen Bildern auch die lateinamerikanische Identität: Die Vermischung von indigener, spanischer und afrikanischer Kultur, aus welcher die mestizische Identität entstanden ist. Er malt gewaltig eindrücklich vom Ausdruck, aber auch von der Dimension her. Sein grösstes Bild in der Ausstellung ist 6 mal 12 m gross in Acryl gemalt. 
Ich habe, da man im Museum drin nicht fotografieren durfte, ein Bild vom Internet runtergeladen und hier auf den Blog gestellt. Das Gesicht mit den Fingern davor. Schaut es selber an. Die Geschichte dazu: Im Sebtember 1973 starben innert 12 Tagen Guayasamins drei besten Freunde in Chile: Salvador Allende, Victor Jara und Pablo Neruda. Allesamt Opfer des Militärputsches von Pinochet. Dies Bild ist der Ausdruck dieser, seiner Erfahrung. Mich berührt es ganz tief.
Im
 Museum hat es mich fast zum Weinen gebracht: Das Bild, die Vorstellung der Situation, die Betroffenheit. 

Nach dem Museum bin ich Richtung Parque Carolina gewandert. Da unten hoffte ich eine kleines Restaurant oder eine Imbissbude zu finden, denn der Magen knurrte. Auf dem Weg fielen mir zwei Graffittis auf. Ich habe schon mal festgestellt, dass in Quito einige sehr schöne Graffittis zu sehen sind. Irgendwie musste ich beim Betrachten der beiden Bilder erkennen, dass ich auch in ihnen Hinweise auf die Suche nach Identität finde. Kunst ist nicht bloss im Museum, nein, auch auf der Strasse.

Nach dem Passieren der Avenuda Eloy Alfaro zog mich dann ein Chinarestaurant an. Drinnen waren nur Chinesen und gesprochen wurde Chinesisch. Wunderbar, dann musste das Essen ja gut sein. Ein Portion würziges Tofu mit Reis habe ich bestellt. Ich wollte wissen, ob Tofu denn auch gut schmecken kann, nachdem das in der ersten Woche gegessene Sojaprudukt eher lau war. Diesmal wars besser, dank der Sauce, welche meine Schleimhäute in der Nase wieder mal an die Grenze der Belastbarkeit brachte. Und das mit nur einem Papiernastüechli in der Hosentasche. Da mussten die zwei gereichten Papierserevieten auch noch dafür herhalten. Übrigens ziehe ich am liebsten ohne Rucksack durch die Stadt. Portemonnaie, Handy und GPS sind die Wertsachen, welche ich jeweils dabei habe. Die stecke ich in die reissverschlussgesicherten Taschen der leichten Jacke und hinten im Hosensack ist der Knirps. Der darf rausgucken. Wenn ihn jemand stehlen will, bitte. So viel habe ich hier in Quito gelernt: Nicht ohne Regenschirm! Im Hosensack vorne sind Münzen und vielleicht ein lumpiger 5$ Schein. Und eben ein Nastüechli auf der anderen Seite. Falls mal was grösseres getragen werden muss, dann am besten in einem dieser mickrigen Plastiktüten, welche man in jedem Laden zu jedem Einkauf kriegt. Das sieht unauffällig und einheimisch aus.

Das Essen habe ich übrigens nicht ganz fertig gegessen. Es war schlicht zu viel und vor allem habe ich die Peperoncinis mehrheitlich aussortiert, sonst hätte ich das Tischtuch auch noch zum Naseputzen verwenden müssen.

Danach ging es durch einen Teil des Parque Carolina, den ich nicht kannte. Paradies für BMX Fahrer, Rollerbladler und Skateboardfahrer. Eine riesige, gewundene Halfpipe. Alles in allem gute 500 Meter lang. Daneben ein Kinderspielplatz. Und wieder unheimlich viele Leute. Fiesta im Park, Familienpicknick, lautes Kinderlachen und Gekreische, Lebensfreude. Schnell ein paar Pokomönchen gesammelt und dann nach Hause. Wieder mal vor dem Regen.

Und noch was: Heute habe ich sehr lange mit Aline gesprochen. Natürlich ging es um die Schule, wie es läuft und was so abgeht. Da geh ich jetzt nicht ins Detail, logo. Nebst Schule ging es auch um den Blog, ob die Kinder den auch lesen dürfen. Selbstverständlich! Ich bin mir bewusst, dass theoretisch die ganze Welt da hineingucken könnte. Drum schreibe ich auch so, dass ich niemanden vor den Kopf stosse oder irgend einen unbedachten Stumpfsinn von mir gebe (Was mir beim Sprechen dann schon hin und wieder passiert!!). Es freut mich, dass er gelesen wird und falls es nicht interessiert, dann kümmert es mich nicht besonders. Ich schreibe auch deshalb, damit ich später weiss, was der Reihe nach passiert ist. So ein bisschen im Sinne eines Tagebuches. An diesen Gedanken hängen noch viel mehr Erinnerungen und wenn ich es später durchlese, so werden mir diese einfallen. Also herzlich willkommen in meinem Blog. 
4.Klässler: Solltet ihr vor einigen Tagen die Bilder meines jetzigen Zimmers gesehen haben, so ist euch ziemlich sicher entgangen, dass in einem Bild in diesem Zimmer ein weisser Zettel steckt. Wisst ihr was das ist? Nein, wie auch. 
Es ist euer Zettel mit den Wünschen drauf für meine Zeit hier in Ecuador.
Jaja, den habe ich aufgehängt. 

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