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La Mitad del Mundo

Veröffentlicht: 28.04.2017

Niemand soll mich fragen, welche Autobusse man der Reihe nach nehmen muss, um zur Mitad del Mundo zu gelangen! Ich habe null Ahnung. 

Als ich heute morgen in der Schule erfuhr, dass Alessandra sich in der Pause auf den Weg dorthin macht, habe ich gleich gefragt, ob sie was gegen Begleitung hätte. Nein, gar nicht! Gut, dann noch den Schuldirektor und die Lehrerin fragen. Nein, sicher nicht!  

So schloss ich mich wieder Alessandra an, welche sich folgenden Plan zurechtgelegt hatte: Mit dem Taxi bis zur Station Ofelia im Norden der Stadt. Von dort aus sei der Bus zur Mitad problemlos zu erwischen. Es hat denn auch geklappt. Wir mussten einfach aufpassen, am richtigen Ort auszusteigen. 

Mitad del Mundo ist genau, was es sagt: Die Mitte der Erde. Dort geht die Äquatorlinie durch und du kannst mit einem Bein im Norden, mit dem anderen im Süden stehen. Ein totaler Touristenmagnet, egal ob für Einheimische oder Ausländer. Ein grosses Monument, eine ganze Häuschenanlage drumherum mit ein paar kleinen Museumsgebäuden, welche die Vermessung der Erde dokumentieren etc. etc.

Tatsache aber ist, dass der Äquator nicht wirklich dort durchgeht, wo in dieser Anlage die gelbe Linie verläuft oder das Monument steht. Nein, der Äquator liegt ca. 100 Meter nördlicher. Auf den Fotos ist das die rote Linie, welche sich in einer benachbarten Anlage mit dem Namen Museo de Sitio Intiñan. Und falls ich entscheiden müsste, welchen Platz ich besuchen wollte, dann wäre es klar dieser zweite. Der Eintritt kostet zwar 4 $, aber es wird eine kurze Führung in Spanisch oder Englisch geboten, welche wirklich super ist. Viel vom Land wird erzählt, von den verschiedenen indigenen Völkern, in einem Haus wird die Schokoladenverarbeitung gezeigt inklusive Degustation der Kakaobohne im Rohzustand und später. Die Kakaopflanze kommt ursprünglich aus Ecuador und überhaupt, sei es der beste Kakao der Welt, der von hier. In dem Fall kommt der Kakao von der Cailler Milchschoggi von hier, denke ich. Das ist nämlich meine Favoritin. Muss dann aber etwas leer schlucken, weil offenbar seit einigen Jahren die ecuadorianischen Produkte bei den Welt-Schokoladenprämierungen abräumen. Soweit kommt es noch, dass ich Schoggi von hier mit in die Schweiz nehme!!

Vor allem spannend während der Führung: Experimente am Äquator. Am meisten beeindruckt hat mich folgender Versuch: Ein Behälter mit Wasser gefüllt steht 3 m neben dem Äquator, im Süden. Der Abfluss ist mit einem Stöpsel verschlossen. Der Stöpsel wird gezogen und das Wasser fliesst mit Wirbel im Uhrzeigersinn ab. Dasselbe Experiment auf dem Äquator und das Wasser fliesst einfach grad runter ab. 3 Meter im Norden ... Das kennt ihrt ja alle, Abfluss im Gegenuhrzeigersinn. 

Beeindruckend auch die Ausführungen zu den verschiedenen Indigenos. Zum Beispiel wird die Herstellung der Schrumpfköpfe durch die Shuar eindrücklich gemalt aufgezeigt. Auch ein echter Schrumpfkopf ist da zu sehen, faustgross, nicht grösser. (Zu den Shuar gehe ich in zwei Wochen.) Oder die Huaorani, welche ebenfalls in Amazonia leben und deshalb bekannt sind, weil sie komplett nackt gehen, die Männer lediglich ihren P... per Schnur hochbinden, damit er beim gehen nicht so stört und sich immer grössere Hölzer in die gelochten Ohrläppchen stecken. Von denen ist ein Haus original nachgebaut. Auch ein Haus aus der Sierra, der Hochebene, ist dort aufgebaut. Aus Ästen, mit Lehm verklebt und verkleistert, ideal gebaut für die Kälte und das Klima auf über 3000 Metern. Wirklich imposant. Und wisst ihr, wie das Urvolk nördlich von Quito seine Toten bestattet hat? Gleich wie die Inkas, in einem grossen Tonkrug in Embrionalstellung, mit allem Drum und Dran. Heisst Waffen, Essen und ... ach ja, die Frau musste auch mit, falls ihr Mann ein Schamane war. Dafür gab es übrigens starke, halluzinogene Naturdrogen. Nochmals zu den Völkern in Amazonien: Es gibt solche, welche völlig abgegrenzt leben und keinen Kontakt zu den anderen Menschen wünschen. Dies wird akzeptiert, ist vom Staat so abgesegnet. Wenn sich doch jemand dorthin begibt, so ist er selber Schuld: Die töten ihn. Basta!

Ja, das war ein toller Tag! Am Ende habe ich mich bei Alessandra bedanken müssen. Schon zum zweiten Mal hatte sie die gute Idee und ich konnte mich einfach anschliessen. Vor allem hatte sie sich vorher informiert und von unseren Professoren erfahren, dass dieses Museo de Sitio Intiñan der bessere, spannendere Platz ist. Wäre ich alleine hingegangen, ich hätte ihn verpasst.

Auf der Rückfahrt haben wir einen blauen Bus genommen (Alle sind blau, übrigens!), welcher ins Zentrum Quitos fuhr. Eine überaus nette Frau sass im Bus neben Alessandra und hat mit ihr über alles mögliche gesprochen. Sie hat ihr die Telefonnummer gegeben für den Fall, dass mal ein langweiliger Tag sei und sie uns ein bisschen in der Stadt herumführen könnte. Da Alessandra übermorgen nach Brasilien zurückfliegt, gilt das Angebot dieser Frau, Laura mit Namen, jetzt einfach für mich. Leute in der Schweiz, ich muss euch sagen: Die sind sowas von hilfsbereit hier, unglaublich. Alle! Nicht dass dir jeder Privatführungen anbietet, sicher nicht. Aber wenn du jemanden nach etwas fragst, dann wird dir ohne zu zögern geholfen. Nicht nur der Angesprochene, nein gleich drei der Umstehenden deuten auf die entsprechende Haltestelle hin, wo du am besten aussteigst. Mit Ruhe, Offenheit und purer Herzlichkeit wird dir hier begegnet.

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