Blog Albanien – Achterbahnfahrt durch Schlaglöcher
Der Flughafen in Memmingen scheint Bayern pur zu sein. Hinfahrt durch Berge, Leberkäs im Restaurant und sogar das WiFi heißt Bayern-WLAN. Einen Widerspruch gegen das urbayrische...


Veröffentlicht: 05.01.2026










Gerade sitze ich an meinem Schreibtisch über 29 Deutschklausuren, die ich eigentlich korrigieren sollte, draußen liegt Schnee, wenn auch lange nicht so viel, wie ich vor ein paar Tagen hatte. Statt zu korrigieren lasse ich lieber die vergangene „Reise“ Revue passieren. Dafür sollte ich beim letzten Abend der Stadtmeisterschaften in Hausach kurz vor Silvester anfangen. Oder noch besser, bei einem Footballspiel in Domis Wohnzimmer im September, als die Idee für eine Reise nach Schweden aufkam. Während des Footballspiels haben wir mit einer Freundin telefoniert, die Au-pair in Schweden ist und bei deren Gastfamilie wir ein paar Tage bleiben dürften. An Silvester wollten wir eh weg, deshalb wurde eine Reise nach Schweden mit Zwischenstopp in Stockholm gebucht.
Die Reisegruppe stellte sich wie folgt auf, ich habe sie nach Überlebensskills gruppiert, als Vorbereitung, falls wir in der schwedischen Tundra verloren gehen:
Wen würdet ihr im Fall der Fälle als Ersten zurücklassen?
Zuerst stellte sich die Frage, wann wir die Reise beginnen wollen. Am 29. Dezember ist zwar das Abschlussfest der Stadtmeisterschaften, aber wir wollen auch nicht erst an Silvester fliegen. Also Flug am 30. und da wir viel vom Tag in Stockholm haben wollen, früher Abflug. Abfahrt in Hausach nach Frankfurt deshalb um 6:00 Uhr morgens.
Nun versetzen wir uns auf die Party nach den Stadtmeisterschaften, eigentlich wollte ich früh heim. Um 2:00 Uhr geht Domi nach Hause. Ich selbst wollte noch bleiben. Dann um 3:00 Uhr heim? Immer noch keinen Bock und jetzt auch alles egal. Also um 4:00 Uhr komplett voll heimgehen (falls das Schülerinnen oder Schüler von mir lesen, damit ist natürlich voll mit tollen Erinnerungen gemeint). Aufgrund vieler, absolut unaufschiebbarer Aufgaben an den Vortagen, hatte ich noch nicht gepackt, also Koffer im Zustand vorübergehender Einschränkung der Geistestätigkeit vollmachen und um 5:00 Uhr ins Bett, erstmal die Abfahrt verschlafen und auf der Fahrt und am Flughafen fast am Kater sterben. Domi, der fast genauso leidet und Stein, der gerade erst das Fieber von seiner Bronchitis besiegt hat, auf der Rückbank.
Der Flug war in der Folge ereignislos, in Stockholm kam beim Aussteigen die Kältepeitsche und eine lächerlich günstige Uber-Fahrt zum Airbnb. Dort mussten wir erstmal feststellen, dass die Rezensionen der Wahrheit entsprachen und der Duschabfluss wirklich so eklig mockte, wie beschrieben. Ansonsten war’s aber ok und die Schlafcouch war gut genug, um etwas Schlaf nachzuholen. Also von 8 Uhr bis 8 Uhr. Am folgenden Morgen gabs erstmal ein viel zu teures Frühstück in einem Café und Sightseeing in der Altstadt.
An Neujahr hätten wir dann fast unsere morgendliche Bootstour verpasst. Viel Ausblick hätten wir dabei durch einen halben Schneesturm aber nicht verpasst, die Schären waren dazu auch noch nebelverhangen. Als pflichtbewusster Instagrammer war ich trotzdem auf dem Oberdeck und habe fünf Minuten versucht, die Schwedenflagge am Heck zusammen mit dem Ausblick zu fotografieren. Das Risiko eines weggeblasenen Handys wurde dabei ritterlich für dieses atemberaubende Ergebnis in Kauf genommen.
An diesem Tag sind wir auch das einzige Mal Bus gefahren, da Uberfahrten leider so billig waren, dass selbst ein Taxiunternehmen-Erbe gerne damit gefahren ist. Mit dem Bus wollten wir zu einem vermeintlichen Wikingermuseum fahren und sind prompt in den falschen eingestiegen, weshalb die zu Fuß gehenden Domi und Stein viel früher als wir da waren. Zu ihrem Unglück mussten die beiden zur Überbrückung deshalb ins benachbarte Spritmuseum.
Als wir dann endlich beim richtigen Museum, dem Vasa-Museum, ankamen, wurde mir beim Eintreten in die Ausstellungshalle klar, dass das riesige Schiff, das vor 70 Jahren im Hafen von Stockholm geborgen wurde, als Galeone nichts mit Wikingern am Hut hatte, außer die Stockholmer Wikinger waren ihrer Zeit 500 Jahre voraus. Imposant und spannend war es aber auch ohne die bärtigen Terroristen des Mittelalters.
Männerschnupfen bei Domi oder immer etwas anderes bei Dunja sorgten für stetige Leiden sowie Ups und Downs.
Stein ist sogar vor der Reise nur knapp seiner Bronchitis entkommen, hat sich aber nie beschwert. Raucherpausen gingen auch immer noch, haben seiner Gesundung aber zum Glück nicht geschadet. Dem Alkohol hat er aber wegen der Krankheit entsagt, auch wenn er beim Darts schauen halt sechs alkoholfreie Bier trinkt. Vielleicht kann er auch statt Wasser in Wein, alkoholfreies Bier in richtiges Bier beim Trinken verwandeln.
Am folgenden Morgen wartete eine 5-stündige Autofahrt zu Antheas Au-pair Familie ins Landesinnere und davor ein Abstecher ins Naturreservat Björnö. Hier konnten wir dann auch endlich Schären bestaunen und die Tauglichkeit unserer Ausrüstung auf glatten Klippen testen.
Wie ihr euch sicher erinnert, war ich beim Packen meines Koffers nicht auf der Höhe, dafür kann sich das Ergebnis aber sehen lassen. Hatte nur aus Versehen die alten Schuhe eingepackt, die aber trotzdem wandergeeignet waren und ehrlich gesagt auch fast genau gleich aussehen wie die neuen. Aus Ermangelung des Besitzes einer richtigen Winterjacke durfte ich mir eine leihen, auch wenn der Verleiher nicht wirklich was von dem Deal weiß. Ich bringe sie aber wie frisch gewaschen zurück. Nach vier Stunden Kraxeln, inklusive vom Weg abkommen, ging es schließlich weiter. Wir fuhren „durch die Pampa“, wie sich im Auto beschwert wurde. Die Anmerkung, dass unser Ziel ja auch in der Pampa liegt, sparte ich mir. Die Fahrt ging bis in die Dunkelheit, die hier aktuell schon um 15 Uhr beginnt, es war ja dann schließlich auch schon 6 Stunden hell. Nachts durch magische Schneewälder zu fahren, hatte aber definitiv was für sich.
Endlich angekommen durften wir im Gästehaus wohnen und dort das erste Mal waschen. Das war gar nicht schlecht, ich hatte meine Thermo-Unterwäsche auch schon drei Tage an. Hier hätte man an etwas mehr davon im Koffer denken können. Aber man kann auch nicht alles erwarten.
Durch den Trockner konnte ich die Sachen eh schon am nächsten Tag wieder anziehen. Leider hat meine neue SC Freiburg Mütze Waschmaschine und Trockner nicht überlebt und musste mich leider verlassen. Viel Grund zur Trauer hatte ich aber nicht, denn meine AirPods hatten sowohl die Speedwäsche als auch das Turbo-Programm im Trockner überlebt, das sie in einer Hosentasche und später freischwebend durchlaufen durften. Hier war das Glas dann trotz des Verlusts meiner schönen Mütze definitiv halbvoll. Zumal die AirPods auch mal wieder richtig sauber waren. Würde die Nutzung einer Waschmaschine dafür aber trotzdem nicht empfehlen.
Domi hat es härter getroffen, da wir seinen heißgeliebten Gruyère (hab ich davor auch noch nie gehört) in Stockholm im Airbnb vergessen haben (bei der Schuldfrage gibt es unterschiedliche Ansichten), aber seine „Keule“ Stein konnte ihn trösten, indem ein Einkauf aus Süßigkeiten und Bier (alkoholfrei) durchgeführt wurde. Aufgrund der strengen Regeln für Raucher unserer Gastfamilie musste Manu jedoch immer wieder kleine Spaziergänge bei -6 Grad machen, die frische Luft trug aber bestimmt zur Gesundung bei.
Die Wanderung an unserem folgenden, letzten Tag durch eine richtige Schneelandschaft war beeindruckend, auch wenn sie teilweise querfeldein durch den Tiefschnee führte.*
Abends gab’s noch das langweiligste Darts-Finale ever und am Sonntag ging’s mit dem Flieger nach Hause. Im Flieger fanden uns die Stewardessen so toll, dass das Bier aufs Haus ging. Offiziell sind die Flaschen zu Bruch gegangen. Wir waren uns sehr sympathisch.
Anthea bleibt bis Ende des Jahres in Schweden und hat noch die Hausaufgabe von mir bekommen, mir eine Hose nachzuschicken, die ich clevererweise vergessen habe. Feiner Zug von ihr.
Bei mir war die Vorfreude auf das Finale von Stranger Things die ganze Reise über sehr groß. Da ich es in Schweden nicht schauen konnte und habe ich stattdessen das Icon-Lied „End of Beginning“ dazu in Dauerschleife gehört, bis es Manu im Auto verboten hat. Mein meistgehörtes Lied 2026 ist damit aber auf jeden Fall jetzt schon gebongt.
Was bleibt nun nach dieser Reise, nach den Stadtmeisterschaften und Schweden? Ich werde erstmal ein paar Tage nicht mehr auf mein Konto schauen (waren teure zwei Wochen), alle meine weißen Socken haben von meinen Wanderschuhen orangene Flecken, Domi ist der positivste Mensch, den ich kenne und Stein der entspannteste, Dunja hat gelernt, was ein Wüstgläubiger ist, Anthea ist mit 21 erwachsener als ich und leider haben wir weder einen Elch noch Rentiere getroffen.
Jetzt muss ich zurück an die Deutschklausuren und die Gedanken meiner Schüler zum Thema Kommunikation bewerten. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
*Habe für diesen Satz übrigens mal ChatGPT zu Rate gezogen, um zu schauen, ob er ihn schöner formuliert als. Bei dem schmalzigen Ergebnis blieb ich lieber bei meiner Formulierung. :D
„Die Wanderung an unserem letzten vollen Tag führte uns durch eine wahrhaftige, puderweiße Schneelandschaft – still, weit und von einer eindringlichen Schönheit, die tiefen Eindruck hinterließ.“
