leavingtoreturn
leavingtoreturn
vakantio.de/leavingtoreturn

6. Stopp: Australien, Part 2: Camper Cruisin'

Veröffentlicht: 07.06.2019

Endlich sind wir wieder zu Dritt, denn wir haben ein neues Familienmitglied für die nächsten 5 Wochen: Unseren Camper „Kalle“. Kalle ist ein uralter Toyota Hiace mit zarten 430 000km Tachostand, dem ein erhöhtes Dach aufgesetzt und eine Camperausstattung eingebaut wurde. Diese umfasst ein Spülbecken mit Wassertank und Pumpe, einen Gasherd, eine Mikrowelle, einen Kühlschrank und zwei Sitzbänke mit Tisch, die zu einem Bett umgebaut werden können. Ihr könnt euch also vorstellen, dass Kalle für uns der Inbegriff von Luxus ist nach so vielen Monaten im Zelt. Vor allem weil wir jeden morgen Frühstück im Bett haben können! Unsere erste Tour im Camper musste natürlich etwas Besonderes sein und so beschlossen wir direkt eine der berühmtesten Straßen der Welt zu erkunden: Die Great Ocean Road.

Unser neues Familienmitglied: Kalle

 

Der Innenraum unseres Minihauses auf Rädern


Camperleben ist einfach wundervoll!!!


Die Great Ocean Road startet in Torquay, einem Surferparadies mit langer Tradition, denn die größten Surf-Outfittermarken wie Ripcurl oder Quiksilver haben in diesem kleinen Städtchen ihren Ursprung. Dem entsprechend findet hier auch jedes Jahr an Ostern ein großer Surfwettbewerb am Bells Beach statt, denn um Ostern herum sind die Wetterbedingungen mit viel Wind und bis zu 5m hohen Wellen ideal. Den Wettbewerb haben wir zwar um 2 Wochen verpasst, allerdings konnten wir bei etwas weniger Wellengang einigen begabten Surfern bei ihren Kunststücken zusehen. Vorteil des bereits beendeten Wettbewerbes war, dass die guten Surfer zwar immer noch vor Ort waren, wir den Strand und den Küstenweg aber fast ganz für uns allein hatten und ihn in Ruhe genießen konnten. Eine Situation, die wir bald schon auf der Great Ocean Road vermissen werden, aber dazu hört ihr später mehr. 

Bells Beach, das Mekka der Surfer


Es sieht so leicht aus und ist doch so schwer


Entertainment pur


Bei Torquay konnten wir allerdings nicht nur das erleben, was die moderne Kultur Australiens heute ausmacht, Surfen, sondern auch einem Stück alter Kultur näher kommen: Den Aborigine. Im Narana Aboriginal Culture Center erfuhren wir spannende Dinge über Boomerangwurf, Didgeridoos (die übrigens von den Aborigine selbst nicht so genannt werden) und Aboriginalkunst und betrachteten wunderschöne Gemälde von Aboriginalkünstlern. Diese Bilder werden traditionell nur mit Punkten gestaltet und beinhalten meistens Symbole mit wichtiger Bedeutung, z.B. steht ein Kreis mit Linien für „Reisen“. Leider durfte man natürlich nichts fotografieren, daher empfehlen wir einfach mal zu googlen, falls euch die Kunst interessiert. Da wir Deutsche, insbesondere deutsche Physiker, allerdings zahlen lieben, haben wir ein paar spannende Zahlen für euch über die Aboriginiekultur: 

1. Die Aboriginiekultur ist 60 000 Jahre alt und damit die älteste durchgehend bestehende Kultur der Welt 

2. Bereits vor 40 000 Jahren wurde mit Didgeridoos, große von Termiten ausgehöhlte und danach präparierte Holzrohre, Musik gemacht 

3. Ein Boomerang kann bei der Jagd bis zu 500m weit geworfen werden, 4mal so weit wie ein Speer, und ist auf 200m tödlich 

4. Erst 2008 entschuldigte sich der britische Premierminister offiziell bei den Ureinwohnern für alles, was man ihnen bei der Besiedelung ihres Landes angetan hat 


Danach haben wir noch Point Addis besucht, von wo man eine gute Sicht über die Küste und das Meer hat, und ein langes Gespräch mit einem super sympathischen Australier geführt, der mit seinen ca. 60 Jahren noch Surfen, Mountainbiking und viel Wandern geht. Um unseren Tag etwas zu versüßen haben wir daraufhin einen Abstecher in der Great Ocean Road Chocolaterie gemacht und uns ein riesiges, hervorragendes Eis gegönnt. Gekrönt wurde das Ganze nur noch von dem absolut luxeriösesten Campingplatz aller Zeiten mit beheiztem Innenpool, Kängurus als Mitbewohner und 4 kostenlosen Willkommensbier, weil die nette Rezeptionisten uns etwas Gutes tun wollte, da der Campingplatz mit 45$ pro Nacht etwas teuer für uns war. Ach diese Australier, wir können nicht oft genug betonen wie nett und cool diese Menschen einfach sind. 

Point Addis


Yummy Süßes!


Jan ist im siebten Himmel


So sieht also "Glamping" aus


Unser neugieriger Nachbar


Unsere weitere Reise auf der Great Ocean Road hat uns an viele Strände, hohe Klippen, zu Leuchttürmen und durch dichte Regenwälder und Eukalyptuswälder geführt, denn ganz entgegen unserer Annahme hat sie viel mehr zu bieten als nur Surfstrände. 

So haben wir uns die Straße vorgestellt


Leuchttürme dürfen bei steilen Klippen nicht fehlen


Die Great Ocean Road heißt für uns ab jetzt Rainbow Road


Eukalyptus überall


Regenwald direkt am Meer


Süße Küstendörfer entlang des Weges


In dem verschlafen Dörfchen Kennett River gingen wir auf die Suche nach wild lebenden Koalas und fanden innerhalb von 1 Stunde insgesamt 6 verschlafene und gut versteckte Kerlchen hoch in den Eukalyptusbäumen. Einer kam zum Schluss sogar noch von seinem Baum und lief über die Straße, was eine riesige asiatische Busgruppe völlig aus dem Häuschen brachte. Natürlich stürmten sie sofort alle auf ihn zu und versuchten ihn zu fotografieren und sogar anzufassen. Wir versuchten sie mit allen Mitteln zurückzutreiben und ihnen ihr absolut respektloses Verhalten deutlich zu machen, aber leider erfolglos. Diese negativen Effekte des Tourismus erleben wir leider immer wieder, auch wenn wir alles dafür tun selbst einen möglichst geringen negativen Einfluss zu haben. 

Zur Begrüßung erstmal ein Vögelchen


Unser erster Koala: Was für liebenswerte Tiere


An dem berühmtesten Ort der Great Ocean Road, den 12 Aposteln, explodierten die Touristenzahlen dann vollkommen. Bei den 12 Aposteln handelt es sich um 7 im Meer stehende Felsen, die nur 12 Apostel genannten wurden, um den Tourismus anzukurbeln. Das ist ihnen wirklich gelungen, denn um eine gute Sicht über die im Meer stehenden Felsen zu bekommen, muss man auf ein paar Aussichtsplattformen gehen. Schon der Weg dorthin war ein einziges Gedränge, wie wenn man für eine neue Achterbahn im Freizeitpark ansteht. Auf den Plattformen selbst wurden wir dann ständig von Selfie-wütigen anderen Touristen hin und her geschubst und dafür, dass wir einfach nur die Aussicht genießen wollen, gab es gar kein Verständnis. Hier merkt man schnell: Reisen ist für viele Menschen heutzutage nur eine Möglichkeit den Instagramm Account aufzufrischen. 

Die 12 Apostel ziehen auch richtige Künstler an: Eine alte Kamera


Also verzogen wir uns schnell wieder und versuchten unser Glück auf etwas Ruhe und Abgeschiedenheit an einigen schönen Felsformationen weiter westlich. Und zack, sobald man sich aus dem Dunstkreis der 12 Apostel hinausbewegt, kehrt wieder Frieden ein und sogar die Felsen im Meer sind viel interessanter und schöner als die Apostel selbst. Und so kamen wir zum Schluss doch noch einmal in den Genuss eines ruhigen und romantischen Küstenspazierganges mit anschließendem Sonnenuntergang. 

The Grotto


London Bridge


Insgesamt hat die Great Ocean Road uns mit ihren zerklüfteten Küsten, den vielen Stränden, dem kalten Wind und den kleinen Dörfern sehr an unseren Urlaub an der Algarve erinnert. Wahrscheinlich auch dadurch hat uns ein bisschen Heimweh erfasst, denn von der Algarve wäre es nur ein Katzensprung nach Hause. Es fehlt uns mit Freunden und Familie Geschichten auszutauschen, zu lachen und einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und natürlich vermissen wir langsam auch ein Heim, einen Ort, an dem wir uns wohlfühlen, zurückziehen oder einfach entspannen können ohne auf der Durchreise zu sein. Natürlich ist so eine lange Reise wahnsinnig aufregend und erfüllend und wir lieben jeden Tag davon, aber so langsam realisieren wir auch, was uns in unserem Alltag erfüllt hat, ohne dass wir es gebührend wertgeschätzt haben. Naja, immerhin haben wir eine Duftkerze gekauft, um den Camper etwas zu pimpen. 


Nach der Great Ocean Road stand uns der Sinn mehr nach Bergen. Da traf es sich gut, dass der Grampians National Park nicht weit entfernt (naja zumindest für australische Verhältnisse) im Inland liegt und mit seinen bizarren Felsformationen lockt. Der Grampians National Park ist eigentlich ein großer, von der Natur geschaffener Abenteuerpark. In dieser Gegend haben sich 5 schroffe Gebirgsketten aus dem nichts hochgeschoben und bergen so einen tollen Ort zum Wandern und Klettern. Markenzeichen der Berge sind zum Einen ihre Form, denn die Ostseite der Berge ist immer steil, während die Westseite flach ansteigt, und zum Anderen ihre vielen Felsspalten und kuriosen Felsformationen. Daher macht es einfach einen riesigen Spaß, sich auf Wanderungen zu begeben und abseits der befestigten Pfade auf Gesteinsbrocken zu klettern, über Felsspalten zu springen oder seine Höhenangst an Abhängen auf den Prüfstand zu stellen. 

Mit dem Camper in die Berge


Uns hat vor allem die Wanderung zum Pinnacles Lookout gefallen, denn der Weg allein ist schon ein Abenteuer über Stock und Stein und durch eine enge und tiefe Felsspalte. Oben am Gipfel angekommen hat man zu guter Letzt einen ungehinderten Blick über das ganze Tal und die steil abfallenden Felswände der Grampians. Von dort hat sich uns auch die Sicht auf die vielen Buschfeuer eröffnet, die in der Gegend wüteten. Buschfeuer sind in Australien etwas vollkommen normales und zu Hunderten an der Tagesordnung, aber für uns war es natürlich zuerst schockierend so viel Rauch aufsteigen zu sehen. Mitten drin auf unserem Campingplatz konnte man dann nur ein paar Meter weit sehen und am nächsten Tag rochen wir wie Räucherschinken, eine Erfahrung, die wir noch öfter in Australien machen werden. 

Kletterspaß in den Grampians


Am Klettern arbeiten wir noch


The Pinnacles Lookout


In den Grampians ist uns auch die Aboriginiekultur wieder begegnet, denn in der Gegend gibt es viele Höhlenmalereien, von denen einige für Besucher zugänglich gemacht wurden. Leider ist das Wissen über die genaue Bedeutung der roten Handabdrücke auf den Felsen und der kleinen gemalten Menschen verloren gegangen, aber interessant war es trotzdem. Z.B. weiß man, dass die Handabdrücke immer nur von Kindern hinterlassen wurden und wahrscheinlich aus vielen Generationen stammen, wie eine Art Stammbaum. 

Auf dem Weg zur Aborigine Wandmalerei


Menschenabbildungen


Kinderhände wie ein Stammbaum


Da wir eigentlich nach Brisbane mit dem Camper müssen, haben wir als nächstes eine lange Fahrt vor uns gehabt, um wieder an die Küste bei Melbourne zu gelangen und von dort aus Richtung Norden zu fahren. Denn da Australien im Inland so gut wie ausgestorben ist, entschieden wir uns mit dem klapprigen Camper doch lieber für die Küstenroute Richtung Brisbane. Ein bisschen Hinterlanderfahrung wollten wir dennoch sammeln und fuhren noch einen Umweg über den Silo Art Trail. Hier im Inland, wo es außer Großbauern und einigen verlassenen Westerndörfern nicht viel gibt, haben sich ein paar Künstler auf riesigen Getreidesilos verewigt. Mit Hebebühnen, viel Farbe und noch viel mehr Geduld und Kreativität haben die Streetart-Künstler, überwiegend aus Australien, so eine Kunstgalerie in überdimension in der sonst so tristen Landschaft geschaffen und für etwas Tourismus gesorgt. Cooler kann man Kunst wohl nicht gestalten und wir waren jedes Mal erneut sprachlos über dieses Talent und die Dimensionen bei jedem neuen Silo. 

Fast im Outback: Hier herrscht noch richtiges Landleben


Ein fantastischer Streetart-Künstler hat hier die Generationen einer Farmerfamilie abgebildet


Eine spezielle Maltechnik, bei der die Textur des Untergrundes im Bild sichtbar bleibt


Der kleine Mensch unten ist Jan vor seinem Lieblingssilo


Wieder angekommen in der Nähe von Melbourne, auf der Phillip Island, haben wir festgestellt: Diese Reise um die Welt wird langsam zur Pinguinsafari. Auf Philipp Island leben nämlich ca. 30 000 Blue Penguines, die kleinsten Pinguine der Welt. Um diese zu sehen, muss man allerdings in ein Reservat gehen und auf den Sonnenuntergang warten, denn die scheuen kleinen Kerlchen kommen erst bei Dämmerung oder Dunkelheit aus dem Meer an Land und watscheln zu ihren Brutkästen. Das war einfach ein unglaublich süßes Spektakel, auch wenn wir natürlich nicht alle Pinguine der Insel gesehen haben, waren es doch 1098 Frackträger (die an Land kommenden Pinguine werden jeden Tag von den Rangern gezählt). Zuerst sieht man sie als kleine Gruppen von ca. 15 Pinguinen in den Wellen auftauchen und an den Strand schlittern, bevor sie sich etwas unbeholfen aber ziemlich flink auf den Weg in die Sträucher und Wiesen vor dem Strand machen. Im Moment finden die Pinguine neue Partner und so konnten wir an den Brutstellen flirtende, kämpfende oder verliebte Pinguine beobachten. Dabei kommt man ihnen so nahe, dass man sie durch einen niedrigen Zaun sogar anfassen könnte, was wir natürlich niemals getan hätten. Um dem Wohl der Tiere gerecht zu werden sind Kameras und Handys strengstens verboten, daher konnten wir keine Bilder machen, aber wir durften einige von der Website des Reservats für unseren Blog nutzen. 

Die Aussichtsterassen


Eine Gruppe von Pinguinen an Land wird "waddle" genannt


Blue Penguines sind wirklich winzig


So haben wir nun auf unserer Reise schon die kleinsten Pinguine (Blue Penguines und Humboldpinguine), die bedrohtesten Pinguine (Gelbaugenpinguine) und die zweitgrößten Pinguine (Königspinguine) gesehen und fühlen uns überglücklich von der Natur mit so vielen kleinen Wundern beschenkt worden zu sein. Daher an dieser Stelle ein kurzer Appell an alle: Da Pinguine, so wie alle Meereslebewesen, extrem unter der Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll leiden, sollten wir alle versuchen unseren Plastikverbrauch zu reduzieren. Fragt euch beim nächsten Wocheneinkauf selbst: Wo kann ich auf Plastik verzichten? Brauche ich die Obsttüten wirklich, oder überleben meine Äpfel den Transport auch ohne Tüte? Schmeckt Ketchup aus der Plastikflasche anders als Ketchup aus der Glasflasche? Ist Leitungswasser nicht genauso gut wie Wasser aus Flaschen? Oder kann ich meinen Cocktail auch ohne Strohhalm trinken und meinen Geburtstag ohne Luftballons feiern? 


Um die Safari fortzuführen fuhren wir als nächstes zum Wilson Promotory National Park, dem beliebtesten Nationalpark Australiens, da er mit seinen weißen Sandstränden, seinen vielen Wanderwegen und seiner Tiervielfalt für jeden Geschmack etwas bietet. Leider war uns das Wetter nicht wohl gesonnen, was allerdings auch bedeutete, dass wir fast alleine im Park waren. So machten wir das Beste aus Sturm und Wolken (zum Glück blieb der Regen aus) und wanderten durch die einsamen Wälder, über Hügel mit 360° Panoramablick und zu Felsen und Stränden, wo wir das tosende Meer beobachteten und uns von der Gischt nass und salzig spritzen ließen. 

Wandern im Unwetter kann auch Spaß machen


Den Naturgewalten ausgeliefert


Neben den riesigen Wellen war das wahre Highlight allerdings die Tierwelt, die sich am Nachmittag blicken ließ: Kängurus, Wallabies, Emus, Papageien, Rosellas und das aller Beste, Wombats. Wombats sind Riesenmeerschweinchen und einfach nur dick, flauschig, träge und sehr hungrig. Dadurch sind sie sicher eines der niedlichsten Tiere der Welt und haben uns den Tag versüßt. 

Kleine Vögel...


... und große Vögel


Wallaby


Die Kängurus hier werden überwacht um ihr Verhalten zu erforschen


Das süßeste Tier Australiens: Wombat


Leider ist danach eine kleine Tragödie passiert: Wir mussten unseren Camper Kalle beerdigen. Er hat nur 2000 Kilometer mit uns geschafft bevor die Lichtmaschine das Zeitliche gesegnet hat und wir im kleinen Ort "Sale" (der Name kam uns irgendwie ironisch vor) liegen geblieben sind. Nach einem ganzen Tag hin und her am Telefon mit der Campervermietung hieß es dann abends im Dunkeln endlich: Hallo neuer Camper, wir taufen dich auf den Namen „Forest“. Warum Forest? Naja wir sagen nur: Run Forest, run! Vielleicht motiviert das unseren neuen Camper etwas, uns bis nach Brisbane zu bringen. Mit seinen jugendlichen 350 000 Kilometern auf dem Tacho sollte das auch realistischer sein (hoffentlich). 

Auf ein Neues!


Song of homesickness: Home away from home – Canopy Climbers 

Antworten

Australien
Reiseberichte Australien