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Tag 16: Yosemite Nationalpark

Veröffentlicht: 18.07.2022

Nachdem ich gestern heldenhaft das Death Valley überlebt hatte, drohte mich heute der zweitägige Kaffeeentzug umzubringen. Mit letzter Kraft konnte ich den Filter in die Maschine legen und den Knopf betätigen. Das war knapp.

Mit zurückgewonnener Energie ging ich nach dem Auschecken ein letztes Mal an dem sehr beruhigenden "Achtung, Bären"-Schild vorbei in die Tiefgarage und machte mich auf die heutigen 250 Kilometer, die zu 100% durch bärenbewohntes Gebiet führten. Es ging nämlich von meinem Skiresort über das Sierra Nevada Gebirge in den berühmten Yosemite-Nationalpark. 

Die ersten paar Kilometer führten mich dabei zunächst nochmal am Ostrand des Gebirges vorbei Richtung Norden. Bevor es dann Richtung Westen ging, machte ich nochmal einen Tankstopp für den Wucherpreis von 6,60$.

Bevor jetzt bei einigen von euch vor Schock die Kinnladen runterklappen, kann ich euch beruhigen: Da die Amerikaner wie sture Kinder es nach wie vor verweigern, sinnvolle Maßeinheiten zu benutzen, wird hier Benzin in Gallonen und nicht in Litern verkauft. Eine Gallone entspricht dabei genau 3,785411784 Litern. Wie ich jetzt natürlich komplett ohne Taschenrechner ausgerechnet habe, entspricht 6,60$/Gallone 1,74$/Liter. Also immer noch deutlich günstiger als in Deutschland, obwohl das mit Abstand mein teuersten Tanken hier war. In Utah z.B. konnte ich normales Super-Benzin für 1,30$/Liter tanken. In einem Land, wo man ohne Auto dazu gezwungen ist, sich entweder ein schnittiges Pferd mit großer Ausdauer anzuschaffen oder einfach für immer zu Hause zu bleiben, ist so ein niedriger Preis aber auch definitiv nötig.

Vollgetankt (sowohl Engelbert, als auch ich) ging es nun auf den wunderschönen Tioga-Pass, welcher auf 9.800 Fuß (konnte ich mir auch nichts drunter vorstellen, sind ungefähr 3.000 Meter) das Sierra Nevada Gebirge überquert. 

Beginn Tioga-Pass

Nach ein paar Kilometern befindet sich auf dem Pass auch der östliche Eingang des Yosemite-Nationalparks. Um diesen befahren zu können braucht man neben dem Eintrittsticket auch eine besondere Durchfahrerlaubnis. Da es jetzt schon ein paar Beiträge her ist, dass ich mich selber für meine hervorragende Vorbereitung gelobt habe, ist es jetzt endlich wieder an der Zeit. Ich habe diese Erlaubnis nämlich schon seit fast drei Monaten.

Die Straße führte für knapp 100 Kilometer durch wunderschöne dichte Nadelwälder, an deren Seiten sich immer wieder grüne Lichtungen oder glasklare Bergseen auftaten. Ich habe natürlich wieder viel zu oft die vielen Parkbuchten genutzt, um Fotos zu machen.

Eingang Yosemite-Nationalpark
Mond als Special-Guest

Schließlich erreichte ich das Herzstück des Yosemite-Nationalparks: Das Yosemite Valley. Spätestens ab hier ist der Blick in jede Richtung ein potenzielles Postkartenmotiv.

Einer der bekanntesten Felsen befindet sich auf der Nordseite des Valleys:

El Capitan

Das ist El Capitan. El Capitan ist eine fast 1.000 Meter hohe Steilwand. Und was denkt sich jeder Mensch, wenn er eine 1.000 Meter hohe Steilwand vor sich sieht? Richtig, da muss ich unbedingt hochklettern. Genau aus diesem Grund hat sich El Capitan über die Jahre zur Königsdisziplin des Klettersports entwickelt. Im Jahr 1958 wurde über 47 Klettertage verteilt erstmals eine Route bis nach ganz oben erschlossen. Als eine der größten Errungenschaften des Sports gilt die Leistung von Alex Honnold, welcher im Jahr 2017 El Capitan in unter 4 Stunden komplett ungesichert bestieg. Die dazugehörige Dokumentation "Free Solo" wurde daraufhin mit dem Oscar ausgezeichnet. 

Ich habe von meiner Position aus natürlich auch genau die Wege und Routen einstudiert und bin zu der realistischen Einschätzung gekommen, dass ich wahrscheinlich nach genau 28 Centimetern abstürzen würde.

Aber neben El Capitan gibt es auch noch unzählige weitere wunderschöne Felsen, Wiesen und Landschaften:

sieht aus wie ein Auge oder?

Die Straße führt auf einem gut 15 Kilometer langen Rundkurs einmal durch das Valley und wieder zurück. Neben vielen Startpunkten zu diversen Wanderrouten ist ein beliebter Stopp auch das Visitor Center. Da es eine große Auswahl an Schlüsselanhängern gab, bekommt dieses eine Bewertung von 10/10 Punkten.

Visitor Center

Dann wagte ich mich tatsächlich auch noch auf eine Wanderung zu den Lower Yosemite Falls. Das Ziel dabei ist ein mittelgroßer Wasserfall. Der Weg geht zunächst ganz sanft ein paar 100 Meter in dessen Richtung, bevor die Schwierigkeit komplett eskaliert und man sich auf Felsen ohne festgelegten Weg bei 37 Grad zu dem kleinen Becken am Fuße des Wasserfalls kämpfen muss. Zum ersten mal auf dieser Reise wünschte ich mir, meine Wanderschuhe angezogen zu haben. Diese befinden sich allerdings seit gut 17 Tagen gemütlich ganz unten in meinem Koffer. Mit meinen Turnschuhen, die wirklich mittlerweile komplett am Ende sind, war das mit großem Abstand das gefährlichste Unterfangen auf dieser Reise bisher, aber es hat sich gelohnt:


Von hier sah es noch einfach aus
Dieser Mann hat die ganze Zeit zwei Fahrradräder mit sich rumgeschleppt. Bin mir noch unschlüssig, ob komplett verrückt oder total genial.
Lower Yosemite Falls

Auf dem Rückweg habe ich mich dann auf der Suche nach einem besseren Weg ein ganz kleines bisschen verlaufen und musste mich durch das Unterholz zurück auf den eigentlichen Weg kämpfen. Noch nie hätte ein Braunbär schneller Beute machen können. Tja, Chance vertan. 

Wo muss ich lang?

Dann kam ich mal wieder dezent durchgeschwitzt bei Engelbert an und wir machten uns auf den Weg zu meinem heutigen Hotel in der Stadt Oakhurst. Dabei wurde zum ersten mal am heutigen Tage ein Umstand relevant, den ich die letzte Woche etwas besorgt verfolgt hatte: Das "Washburn" Feuer. 

Dieser Waldbrand im Yosemite-Nationalpark ist vorletzte Woche ausgebrochen und war weltweit in den Nachrichten, da unter anderem die sehr alten und seltenen Riesenmammutbäume des Mariposa Grove davon bedroht waren. Das Feuer ist mittlerweile zu einem großen Teil unter Kontrolle und heute konnten die Bewohner des Ortes Wawona (der gerade einmal 32 km von mir entfernt ist) in ihre Häuser zurückkehren. Der Highway 41, welcher die schnellste Route zu meinem Hotel gewesen wäre, ist aber nach wie vor gesperrt, sodass ich einen Umweg von gut einer halben Stunde fahren musste. Das war an sich kein Problem für mich, aber ich hätte echt gerne die Riesenmammutbäume gesehen... 

Mein Hotelzimmer ist wieder gut und groß (Ihr merkt, ich bin ein guter Hotelkritiker).

Gut und groß

Das wichtigste ist aber, dass ein Bügelbrett und Bügeleisen wieder vorhanden sind. Und ja, das habe ich beim gestrigen Hotel vergessen zu erwähnen, auch dort war beides am Start. Damit liegt die Quote vor dem letzten Hotel morgen bei 8/11 (72,7272727272727272(...)7273 %)

Um euch für meine Vergesslichkeit von gestern zu entschädigen, habe ich das Bügelbrett und Bügeleisen diesmal sogar aufgebaut und es als Fotomotiv posieren lassen. Mit dem schönsten Bild des Tages möchte ich mich für heute verabschieden. Morgen ist dann schon mein letzter voller Tag in den USA. Bis dann.


traeL

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