21.11. Von Tempeln und einer Lichterfesteröffnung
Chinag Mai ist für seine vielen verschiedenen Tempel in seinem Umland bekannt. Aus diesem Grund verlängerten wir heute einfach unseren Roller vom gestrigen Tage und fuhren zu...

Veröffentlicht: 23.11.2018





















In den letzten Tagen war ich oft etwas müder, weshalb ich mir eine Nacht vor dem Hauptteil des Lichterfestes ein wenig mehr Schlaf gönnen wollte und so entspannt und ausgeschlafen in den Tag starten konnte. Andra war bereits ein paar Stunden früher aufgestanden, um Verehrungszeremonien beiwohnen zu können, weshalb wir uns dann bei einem Kratong Wettbewerb wieder trafen. Nach diesen Kratongs ist das offizielle Lichterfest Loy Kratong auch benannt. Dabei handelt es sich um schwimmende mit Blumen und Kerzen geschmückte runde Boote, die alle am morgigen Tag auf den Fluss gesetzt werden und diesen in ein Lichtermeer verwandeln. Die Laternen, die in den Himmel geschickt werden, sind eine spezielle Tradition Chiang Mais, die am heutigen Abend statt fand und ein Höhepunkt der Festlichkeiten darstellt.
Vom Kratong Wettbewerb aus liefen wir über einen riesigen Markt, der wirklich alles bot, was man sich vorstellen kann von getrockneten Früchten über Kleidung und Souvenirs bis hin zu Schweinshälften und noch in großen Eimern zuckend lebenden Aalen. Dort kauften wir auch unsere Laternen für den Abend, da man sie dort für den halben Preis bekommen konnte, der bei den Hauptpunkten des Laternensteigens gefordert war.
Darauf zogen wir noch ein wenig durch die Stadt, wobei es an jeder Ecke Aktionen zum Loy Kratong gab. Vor allem Schulen und Universitäten waren sehr aktiv und so kamen wir an einer vorbei, an der übergroße Laternen aus stabilerem Material von verschiedenen Gruppen schnellstmöglich zum Steigen gebracht werden mussten und in der Luft in einem Feuerwerk spektakulär explodierten.
Eine andere Schule veranstaltete einen traditionellen Tanzwettbewerb, bei dem viele Vierergruppen junger Mädchen ihre eigenen Choreographien zeigten. Dabei war es jedoch immer ersichtlich, dass es sich um den gleichen Tanz handelte, da die armen Mädchen bei jedem zweiten Schlag, in der prallen Sonne und in langen Gewändern halb in die Hocke gehen mussten. Ich konnte mich glücklicherweise im Schatten verkriechen und von dort dem Wettbewerb folgen.
Da wir darauf noch ordentlich Zeit hatten und neben der einen Schule die Haupttempelanlage Chiang Mais lag, nutzten wir die Zeit, um uns diese anzuschauen. Dabei wurde wiedereinmal offensichtlich - und dieses Mal ganz besonders - welche rückständige Haltung der Buddhismus gegenüber Frauen hat. Schon oft ist es so, dass ich mit kurzer Hose und ärmellosen Shirt durch alle Tempel gehen kann und Andra sich immer in einen Überwurf quälen muss, um eintreten zu dürfen. Diesmal allerdings durften Frauen den kleinen Tempel, der die „Säule“ des Glaubens in Chiang Mai darstellte, garnicht betreten.
Offenbar sorgte dies schon häufiger für Verwirrung, denn es war eine Tafel mit einer kurzen Erklärung angebracht, die den einen Grund offenbarte: die Menstruation der Frau. Wirklich zu diskutieren und es logisch zu hinterfragen lohnt sich bei diesem Thema wohl nicht, es handelt sich dabei schlicht um althergebrachte und patriarchale Regeln, die sich wahrscheinlich nicht so bald ändern werden. Abgesehen davon war der Tempel allerdings sehr schön und wir verbrachten eine Weile dort, da es wieder sehr viel zu sehen gab.
Darauf machten wir uns auf zu einem Platz, wo wir aus einer Bananenbaum-Unterlage, Bananenblättern und Blumen unser eigenes Kratong basteln konnten. Dabei bastelte man aus den Blättern stabilere Dreiecke und formte so mit der Unterlage eine Art Nest für Kerze und Blumen. Das fertige Werk wird dann morgen auf dem Fluss in die Freiheit entlassen.
Es stand die erste richtige Veranstaltung des Lichterfestes an. An einem Tempel unter einem großen Baum, an dem schon viele bunte Laternen hingen, stand eine Vielzahl von noch nicht entzündeten Kerzen. In einer feierlichen Zeremonie entzündeten die Mönche eine nach der anderen dieser Kerzen bis die gesamte Halbinsel, auf der der Baum stand, ein flackerndes Flammenmeer war. Ein unglaublich stilles und andächtiges Ereignis, welches in Erinnerung ruft, dass es sich beim Loy Kratong immer noch um ein geistliches Fest der Buddhisten handelt und nicht nur um einen Anlass, um Laternen schweben zulassen.
Nachdem die Zeremonie sich dem Ende zuneigte, gingen wir zu dem großen Fluss der Stadt, dem Mae Nam Ping, wo sich bereits sehr viele Menschen versammelt hatten und man schon von Weitem eine große Säule aus Laternen in der Luft sehen konnte. Ähnlich wie im Christentum, hat das Licht die besondere Rolle die Dunkelheit zu vertreiben und wird aus diesem Grunde verehrt. Auch Weihnachten ist im weitesten Sinne ein Lichterfest. Die Römer, die das Christentum letztendlich populär machten, übernahmen schlicht den Feiertag ihres Sonnengottes und nutzten diesen als einen der wichtigsten Feiertage der neuen Religion. Es ist immer unglaublich interessant, Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Religionen und Sprachen zu erkennen, obwohl sie sich völlig unabhängig voneinander im Laufe der Zeit entwickelten und nun ähnliche Eckpfeiler und Details besitzen. Daran merkt man dann doch, dass wir alle als Menschen im Grunde gleich gestrickt sind, auch wenn man von unterschiedlichen Herkünften und Aussehen sprechen mag.
Das Laternensteigen war dann allerdings auch ein sehr schöner und emotionaler Moment für uns beide. Man konnte seine Laterne vor dem Abflug mit guten Wünschen für sich und seine Angehörigen versehen und musste dann sehr vorsichtig den brennbaren unteren Teil der Laterne entzünden. Darauf war es wichtig etwas zu warten, bevor man der Laterne einen kleinen Schub gab und sie sich in den Himmel zu den vielen vielen anderen gesellte, ein Teil des Lichtschwarms wurde und man ihr nachsah, bis sie aus dem Blickfeld entschwand.
Ich ließ noch eine weitere steigen und entschweben, bevor wir uns noch ein wenig durch die Menschenmenge auf eine Brücke zwängten und von dort über viele weitere Teile der Stadt blicken konnten, um weitere aufsteigende Laternensäulen zu entdecken. Die schwebenden Laternen über der ganzen Stadt und das enge Gewühl um uns herum aus dem sich jede Sekunde eine neue Laterne erhob, schaffte eine so besonders Atmosphäre, dass man einfach glücklich mit sich und der ganzen Welt war und mit einem Dauerlächeln in die erhellte Nacht hinaus blickte.
Es war wichtig der Laterne nach dem Entzünden Zeit zu lassen, da sich erst genügend Wärme ansammeln musste, damit sie auch steigen würde. Wie oft sahen wir es, dass Laternen nachdem sie einen Meter gestiegen waren sich mit der brennenden Unterseite zuerst wieder in Richtung der Menschenmasse am Boden aufmachte? Das war auf der einen Seite natürlich schade für den „In-den-Himmel-Schicker“, vorallem jedoch gefährlich für die unten stehenden Menschen.
Nachdem sich unsere Laternen also in Richtung Himmel aufgemacht hatten, gönnten wir uns am Rande des Platzes und mit Sicht auf die steigenden Laternen eine Fußmassage. So beweglich und „weich“ haben sich meine Füße und deren Bewegungen lange nicht mehr angefühlt. Als die Massage zu Ende war, war dieser so besondere Tag zu Ende und wir liefen, immer noch einfach glücklich, zum Hostel zurück, wo wir wie Steine nach diesem langen Tag ins Bett fielen.