TeamStini
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Versteinerte Trolle und 1000 Herzen

Veröffentlicht: 27.06.2023

Wir fahren ziemlich unvorbereitet nach Norwegen. So unvorbereitet, dass wir, obwohl es ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes Norwegens ist, gar nicht damit rechnen einem sehr bekannten Fabelwesen zu begegnen, bis wir in Trollholmsund eben genau dies tun. Wir spazieren zu den großen auffälligen Kalksteinformationen neben dem türkisblauen Meer, wo sich ein paar Trolle versteckt halten sollen. Eine Legende besagt, dass die Trolle, die ihre Schätze vergraben wollten, beim Überqueren des Fjords von der Sonne überrascht wurden und zack waren sie versteinert. Sonne gibt es ja mehr als genug, zwar versteckt sie sich schon mal hinter den Wolken oder Nebel, aber hell ist es, als wir da sind, 24 Stunden. Nach einem kurzen Abstecher auf die Nachbarinsel verbringen wir unsere erste Nacht in Norwegen standesgemäß an einem Fjord nahe der Stadt Lakselv um am nächsten Tag unsere Mission zu beenden.

Wir ziehen die letzten Kilometer durch und da stehen wir, nach ca. 5550 Kilometern, am Nordkap unter der Mitternachtssonne und trinken Dosenbier. Etwas früher als wir gedacht haben sind wir am nördlichsten Punkt beim Besucherzentrum angekommen. Irgendwie hat uns die Idee gefallen dort unseren zweiten Hochzeitstag zu verbringen, aber der Wetterbericht hat uns dann überzeugt schon zwei Tage früher anzureisen. Die Idee hatten übrigens viele Wohnmobile, Autos, Camper, Rad- und Motorradfahrer. Fast jedes Europäische Autokennzeichen ist auf dem großen Parkplatz vertreten.

An diesem speziellen Punkt Europas zu spazieren, ist etwas Besonderes, aber auch die Anreise ist für uns durchaus ein besonderes Erlebnis. Die Landschaft, die uns seit unserer Ankunft in Norwegen begleitet, ist unglaublich. Schneebedeckte Berge ragen neben dem glitzernden Meer empor und alle paar Meter sehen wir eine Rentierherde mit Nachwuchs. Unbedingt erzählen müssen wir auch von Reini aus Niederösterreich, einer der unzähligen Radfahrer, die das Nordkap erradeln. Reini treffen wir in der letzten größeren Stadt vor dem Nordkap, Honningsvåg, und unterhalten uns lange. Er ist eine ähnliche Route wie wir in fast der gleichen Zeit geradelt (unglaublich!!!!) und das Ganze für einen guten Zweck. Schaut doch einfach rein unter www.8000.bike (Verlinkung leider nicht möglich!!) und holt euch eine Portion gutes Karma.

Am nächsten Tag genießen wir die Stimmung am Nordkap. Bis zum frühen Nachmittag sitzen wir, wie man es von uns kennt, einfach nur auf einem Stein und lassen unseren Blick und unsere Gedanken schweifen. Wie fahren nur ein paar Kilometer weiter nach Skarsvåg dem nördlichsten Fischerdorf der Welt mit 60 Einwohnern, wo es im Restaurant für Christian endlich nordische Spezialitäten und für Christine Waffeln gibt. Wir machen eine kleine Wanderung auf der Insel zum Kirkeporten. Wir haben schon oft erwähnt wie bezaubernd und unbeschreiblich schön wir die Natur und die Landschaft empfinden, aber der Ausblick der sich uns hier bietet zählt zu den absoluten Highlights. Sogar zwei Delfine haben sich im Wasser getummelt. Diese Idylle ist wortwörtlich die Ruhe vor dem Sturm. Bei Sturmböen über 80 km/h werden wir im Wohnmobil richtig durchgeschüttelt, der Wind heult und an Schlaf ist diese Nacht kaum zu denken.

Am darauffolgenden Tag treten wir die Reise Richtung Süden an. Nach einem interessanten Spaziergang, der mit einem Defekt an unserer Trittstufe endet, fahren wir Richtung Alta. Wir fahren über das nordische Hochland vorbei an Schneefeldern und Rentieren zum Altafjord, wo wir an einem lauschigen Plätzchen im Wald, direkt am Fjord unseren Hochzeitstag mit einem Gläschen Prosecco feiern. Tags darauf ruft aber wieder der Camperalltag und wir suchen in Alta einen Campingplatz auf um Wäsche zu waschen. Etwas mehr Sonnenschein wäre an unserem Waschtag hilfreich, denn die Trockner mit denen wir es bislang zu tun hatten werden wohl nach Stunden und nicht nach Leistung bezahlt. Nach einer Nacht im Waschraum, in dem sich schon eine kleine Clique aus Camperinnen und Christian geformt hatte, fahren wir nach Tromsø wo wir auf einem Parkplatz die Aussicht auf die Stadt und Lilli die großzügige Hundefreilauffläche genießen.

Der veien slutter, begynner eventyret - wo die Straße endet, beginnt das Abenteuer. Das haben wir auf einer Wanderinfotafel gelesen, dem stimmen wir voll und ganz zu aber manchmal sind die Straßen auch schon ein Abenteuer für sich. Einspurige Tunnel und enge kurvige Straßen paaren sich mit Straßen voller Schlaglöchern, Rissen und Unebenheiten. Für Busfahrer Christian ist das natürlich alles kein Problem, Christine stößt da manchmal an ihre Grenzen und hat auch schon mal überlegt den restlichen Weg bis zur nächsten Fähre zu Fuß zu bestreiten. Geht natürlich nicht, denn ein Fahrer ist nur so gut wie sein Beifahrer und man darf nicht vergessen, dass wir gerne von den Hauptverbindungsstraßen abfahren und auf Nebenstraßen das Land erkunden. Einerseits ist es einfach wunderbar, denn man kann die atemberaubende und abwechslungsreiche Landschaft genießen, andererseits ist es verwunderlich, gelten die Norweger doch als Meister des Straßenbaus. Bauen tun sie wahrlich wie die Weltmeister, vor allem die E6 um schneller von Nord nach Süd zu kommen. Auch Tunnel und Brücken findet man überall, selbst dort, wo man sie jetzt nicht unbedingt brauchen würde.

Unsere Route wird begleitet von tausenden Herzen, denn unzählige norwegische Häuser zieren ein oder zwei von ihnen, die aussehen als wären sie aus Zweigen oder Metall gefertigt. Wir haben selbstverständlich wieder recherchiert was es damit auf sich hat, doch sind bis jetzt noch nicht darauf gekommen.

Ein paar Übersetzungen mit diversen Fähren später landen wir abends auf der Insel Senja. Wir steuern einen Stellplatz in dem kleinen Ort Mefjordvær an. Umgeben von mächtigen Bergen, sanften Hügeln und viel Grün stehen wir direkt am Meer. Wir verbringen die nächsten Tage bei schönem Wetter ganz entspannt, machen kleinen Wanderungen um Mefjordvaer Bygdelag. Auch hier kreuzen Trolle unseren Weg.

Die nächsten beiden Tage gehören zu unseren absoluten Lieblingstagen unseres bisherigen Abenteuers. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein auf der Panoramastraße an der Küste entlang, vorbei an einem bekannten goldenen Klohäuschen und halten am äußersten Enden der Landzunge beim Rastplatz Tungeneset. Ein perfekter Ort um Fotos des Gebirgsmassiv Oksen mit den vielen spitzen Gipfeln zu machen, auf den Felsen beim Meer zu sitzen und die besondere Atmosphäre dieses Ortes zu genießen. Die Straßen sind wie beschrieben schmal und einspurige, dunkle Tunnel sind keine Seltenheit, aber es lohnt sich (sagt auch Christine). Mittags picknicken wir nahe Bøvær an einem weißen Sandstrand mit türkisblauem Wasser und genießen die Sonne. Auf der Suche nach unserem heutigen Schlafplatz machen wir einen Abstecher zu den Resten des Trollmuseums in Finnsæter. Einst stand dort der größte Troll, der mit seinen 18 Metern sogar im Guinessbuch der Rekorde zu finden war. Leider ist dieser mit großen Teilen des Museums 2019 abgebrannt. Wie übernachten an einem ruhigen Plätzchen am Fjord zwischen Sifjord und Flakkstadvåg. Der Weg dorthin führt uns über verschneite Berge, teils gefrorene Seen und ein Panorama, das einem den Atem raubt. Wir sind immer wieder beeindruckt was Norwegen zu bieten hat – mittags mit den Füßen im Meer und etwas später hüpfen wir durch den Schnee. Nicht umsonst sagt man, dass Senja Norwegen in a nutshell ist, man quasi alles was Norwegen zu bieten hat auf kleinem Raum vorfindet. Schön langsam müssen wir der Insel auf Wiedersehen sagen, vorher steuern wir aber noch einen gemütlichen kleinen Sandstrand in der Nähe des Skatvikfjellet Naturreservats an. Wir unternehmen eine Kajaktour auf türkisem Wasser, sehen Seesterne am Meeresgrund und beobachten Möwen beim Fischen.

Im nächsten Beitrag geht es weiter Richtung Süden und wir beantworten euch die Frage wie man ohne teuren Flug in die Karibik kommt.
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