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#2 BALTIKUMREISE 2022 - RIGA | SANDWICHSTAAT & KULTURSTADT

Veröffentlicht: 08.05.2023

Nach einer 3-stündigen Busfahrt kamen wir bei einem leichten Regen am Bahnhof von Riga, der Hauptstadt unseres zweiten baltischen Staats, an.

INFORMATIVES ZUM LAND

Lettland ist ein baltisches Land an der Ostsee, das eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Geprägt von verschiedenen Herrschaften und Kulturen, entwickelte sich Lettland von einem von Rittern und Kaufleuten dominierten Gebiet zu einem modernen, unabhängigen Staat. Die ersten Siedlungen in der Region entstanden bereits vor Tausenden von Jahren, und im Mittelalter wurde das Gebiet von deutschen Ordensrittern erobert, die Lettland christianisierten und es in die Livländische Konföderation eingliederten. Später geriet das Land unter schwedische und polnische Herrschaft, bevor es im 18. Jahrhundert vom Russischen Zarenreich übernommen wurde. Im 19. Jahrhundert erwachte eine lettische Nationalbewegung, die sich für die Stärkung der lettischen Sprache und Kultur einsetzte.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte Lettland 1918 seine Unabhängigkeit, doch während des Zweiten Weltkriegs wurde das Land erst von der Sowjetunion, dann von Nazi-Deutschland und schließlich erneut von der Sowjetunion besetzt. Während dieser Zeit erlebte die lettische Bevölkerung schwere Repressionen, Massendeportationen und eine gezielte Russifizierung. Erst mit dem Zerfall der Sowjetunion konnte Lettland 1991 seine Unabhängigkeit wiedererlangen. Seitdem hat sich das Land stark modernisiert, ist der Europäischen Union und der NATO beigetreten und hat sich zu einer dynamischen, wirtschaftlich wachsenden Nation entwickelt.

Die Hauptstadt Riga ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Lettlands und die größte Stadt des Baltikums. Gegründet im Jahr 1201, spielte Riga eine bedeutende Rolle im Hansehandel und entwickelte sich zu einem wichtigen Handels- und Kulturzentrum. Die Altstadt, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, besticht durch ihre gut erhaltenen mittelalterlichen Gebäude, beeindruckenden Jugendstilfassaden und das berühmte Schwarzhäupterhaus. Während der schwedischen und später der russischen Herrschaft wuchs Riga weiter und wurde zu einer der bedeutendsten Städte des Zarenreichs.

Im 20. Jahrhundert wurde Riga stark von den politischen Umbrüchen Lettlands geprägt. Während der sowjetischen Ära wurde die Stadt industrialisiert und erlebte einen starken Zuzug russischer Bürger, was bis heute die ethnische Zusammensetzung beeinflusst. Nach der erneuten Unabhängigkeit Lettlands 1991 entwickelte sich Riga zu einer modernen europäischen Metropole mit einem lebendigen Kulturleben, einer wachsenden Startup-Szene und zahlreichen Festivals und Veranstaltungen. Heute zieht Riga Besucher mit seiner einzigartigen Mischung aus Geschichte und Moderne an, von den engen Gassen der Altstadt bis zu den kreativen Vierteln wie Miera iela. Lettland und seine Hauptstadt stehen exemplarisch für den Wandel eines Landes, das trotz vieler Herausforderungen seine kulturelle Identität bewahrt und sich zu einer zukunftsorientierten Gesellschaft entwickelt hat.

WIE BISTE HINGEKOMMEN?

Wie bereits erwähnt, dreistündige Busfahrt aus Tallinn durch die estnischen Wälder in das graue, verregnete Riga an der baltischen Küste. Busfahrt über LUX Express online gebucht für 16€ pro Person. Erwartet nicht viel, außer dass der Busfahrer wahrscheinlich ein ehemaliger estnischer Formel 1 Fahrer ist und sein Können mehrmals auf den Straßen nach Riga unter Beweis stellen wird. Wir machten uns sofort auf den Weg in Richtung unserer Bleibe in der Altstadt.

WO HAST DU GENÄCHTIGT?

Überraschung im Haus: wir haben ein Hochbett gebucht, und das war mal hoch! Turns out, wir haben die Matratze nach unten geworfen und auf dem Boden geschlafen. Ich hab nicht sonderlich viele Ängste, aber Höhenangst in Gebäuden oder mir erscheinenden instabilen Objekten haut mich immer um. Ich vertraue meinem schlafenden ich einfach nicht, nachher fall ich da im Schlaf runter.

Die Wohnung an sich ist sehr klein, in einem verschnörkelten kleinen Haus mitten in der Innenstadt gelegen. Für 30 € pro Person pro Nacht können wir da nicht meckern, mit Hostels etc. würde es aber deutlich günstiger von statten gehen. Naja, was solls.

Abends wollten wir nur noch eine Kleinigkeit essen gehen, als wir uns in einem Kellergewölbe wiederfanden und bei leckerem Bier und einer Bierplatte mit fritierten Schwarzbrot den zu Volksmusik tanzenden Menschen zusahen. Alles war perfekt!

frittiertes Schwarzbrot, ihr kranken Schweine

WAS HASTE GESEHEN?

Am nächsten Morgen machten wir uns zuerst auf in die Altstadt und die Stadt auf eigener Faust erkunden. Wir besuchten die alten Markthallen am Rande der Altstadt, die als Flughangars der Nazis während der deutschen Besatzung erbaut worden und hierfür nun genutzt werden. In den vier Hallen gibt es alles, was ein Mensch zum Leben benötigt. Fisch, Fleisch, eingemachte Lebensmittel, frische Lebensmittel, getrocknete Lebensmittel und viel Kleidung und Kleinscheiss. Die Fischhalle hat mir da aber schon gezeigt, was hier abgeht.

Markthallen

Von hieraus aus liefen wir am äußeren Kanal der Stadt entlang in Richtung der schönen Kathedrale, wo ich meine Drohne das erste Mal steigen lassen wollte. Und ich liebe meine Freundin, aber manchmal ist sie zu vorsichtig. Ein Mann stand neben uns und beobachtete mich anscheinend mehrere Minuten, während er telefonierte.

Für die Frau war die Sachlage klar: Hier kommt gleich das FBI und ich werde eingesackt.

Kirche von oben

Zur Geschichte gehört aber auch, dass ich in der Nähe vom Verteidigungsministerium geflogen bin, was verboten ist. Aber ist nochmal gut gegangen 🥶

Kirche

Abends gingen wir dann noch was Einfaches in einer Art Kantine essen und dann ging es auch schon ins Bett, da das Wetter wirklich ekelhaft war und wir am nächsten Morgen auf Besserung gehofft haben.

Am nächsten Tag war’s dann leider nicht besser, aber wir wollten den Tag optimal nutzen. Deshalb buchten wir uns für den Tag glatt zwei free walking Tours.

Die erste durch die Altstadt am Vormittag und am Nachmittag durch die Außenbezirke der Stadt. Unser Führer auf beiden Touren war Kaszper, der mit einer guten Prise Humor alles wunderbar erklärte.

Hier hab ich Free walking Tours wirklich für mich entdeckt. Du bekommst durch die Leute vor Ort alles wahnsinnig detailreich und humorvoll vermittelt.

Während den Spaziergängen hat man auch Gelegenheit, über persönliches zu sprechen und sich Tipps einzuholen.

Besser geht es wirklich nicht. Und vor Allem günstiger geht es nicht, gerade in Europa!

Altstadt

So zeigte er uns, dass die meisten als historisch gekennzeichneten Gebäude einfache Replikas waren, da sie durch den 2. Weltkrieg zerstört wurden. Riga wurde in der Vergangenheit von ALLEN zerstört, die vorbei kamen. Napoleon, Hitler, Zaren und die Sowjets waren nur einige der Okkupanten.

alte Häuser ganz neu

Rigas Ghettos wurden im 2. Weltkrieg der Heimatort von Millionen Juden, von denen die meisten in KZ oder den umliegenden Wäldern durch die SS ermordet wurden.

Durch diese Fakten verliert die Stadt schnell ihren ersten Charme, da doch nicht alles so historisch ist wie es scheint.

Nachmittags führte uns der Weg dann in die sagenumwobenen Außenbezirke, die sehr geschichtsträchtig waren und unter dem Radar fliegen.

Damals verpönt als rechtsfreie Zone, wird es immer weiter gentrifiziert. Im späten 18. Jahrhundert wurden die Viertel erbaut, aber nur aus Holz. Damit wenn ein Invasor die Stadt angriff, man schnell alles anzünden konnte und eine freie Kampffläche hatte und es zu keinen Häuserkämpfen kommen konnte.

Kleiner Random fact: Hammer und Sichel, das Symbol der Sowjets sind in Litauen ebenfalls verboten wie das Hakenkreuz des Nazi-Regimes. Auf dem Gebäude der Wissenschaft, ähnlich zu denen in Warschau und Moskau, ein Geschenk von Stalin, sind diese Zeichen am einzigen Ort der Stadt abgebildet.

Kulturpalast in schön

Diese Führung hat uns deutlich besser gefallen und unser Führer hatte uns empfohlen, in seinem Viertel essen zu gehen. 

Gesagt getan, nach einem einstündigen Fußmarsch kamen wir an der Food Hall an. Mega cooles Konzept, hier gab es mehrere Stände von Leckereien aus verschieden Ländern. Wir starteten mit einer Pizza, dann gab es Borscht von Ukrainern und zu guter Khachapuri aus Georgien.

Den Abend schlossen wir dann mit einem Riga Coffee ab. Höllenzeug!

Am nächsten Morgen ging dann unsere wieder 3-stündige Busfahrt in die letzte Station im Baltikum: Vilnius, die Hauptstadt von Litauen!

WAS HASTE DIR EINVERLEIBT?

Wir haben in Riga einiges probiert, wie immer!

Wie gesagt, waren wir Abends nach unserer Ankunft noch in einem kleinen Lokal mit Gewölbekeller. Hier wurde getrunken, gelacht und eine Menge getanzt. Traditionell getanzt.

Ala Pagrabs – Riga

Bierplatte mit Käse, Knabberzeug und dem heiligen Brot ~ 7,50 €

Hunken Bier, Kirschbier WAS ZUR HÖLLE ~ 5,00 €

Den Anfang am nächsten Tag macht eine Suppe auf dem Zentralmarkt der Flugzeughangars. War jetzt nicht so mein Type. Aber war auch nur eine kleine Aufwärmung. Wobei das Konzept ein cooles ist, da die Suppe in einem essbaren Becher serviert wird. I Like.

Zuppa Good - Riga

Pilzsuppe ~ 3,90 €

Das LIDO Alus Sēta ist ein bekanntes Restaurant in Riga, das Teil der beliebten LIDO-Restaurantkette ist. Es befindet sich im Herzen der Altstadt und ist besonders für seine traditionelle lettische Küche und seine gemütliche, rustikale Atmosphäre bekannt. Hier kann man für einen fairen Preis sehr lecker essen gehen.

Man geht mit seinem Tablett von Schalter zu Schalter und kann sich das Essen auf den Teller stelle, am Ende wird dann an der Kasse abgerechnet. Einfaches, freundliches Konzept, das auch die Einheimischen offensichtlich nutzen.

LIDO Alus sēta - Riga

Gemischter Teller mit allem möglichen + Bier ~ 6,50 €

Den Abschluss bildet der Āgenskalns-Markt. Wie gesagt, er liegt ein wenig außerhalb aber dafür ist er den Weg wert. Hier findest du ähnlich wie in einem Foodcourt in Asien alles, was dein Herz benötigt. Hier wird wirklich jeder fündig.

Āgenskalns-Markt - Riga

Pizza Salami bei Vīnkalni Āgenskalns, picērija ~ 8,00 €

Borscht bei Borščs - garšīgi pie ukrainietēm ~ 6,00 €

Khachapuri mit Ei und Käse bei Hačapurija ~8,50­ €

WIE WAR ES?

Riga war unser persönliches Highlight. Klar, ist sehr klein und das Wetter hat nicht zu 100 Prozent mitgespielt. Aber hier hat die Küche uns überzeugt, die Menschen waren nett, eine passende Historie hat der Ort auch vorzuweisen und es gibt sehr viel zu sehen. In der Stadt aber auch in den Außenbezirken.

RATING FÜR RIGA: 8,8 / 10

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WAS KOSTET DER SPAß?

Unterkunft Riga: 31,70 € pro Person / Nacht

2x Free Walking Tour (Spendenbasiert, könnt geben was ihr möchtet): 25,00 € pro Person

Bus Riga – Vilnius: 16,00 € pro Person

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