Ira Wil(l)ma reisen
Hallo alle zusammen :) Erst mal ein 'Gut Kick' in die Runde. Mein Name ist Ira Schwinhorst und ich bin für die nächsten 10 Monate in Irland unterwegs. Um diese neuen Erfahrungen am besten festzuhalten, habe ich mich dazu entschlossen, diesen Blog zu beginnen. Ich wünsche euch viel Spaß, wenn ihr euch bis hier her verirrt habt, oder, wie man hier sagen würde: "Bain taitneamh as" (Angaben ohne Gewähr. Ich hoffe mal, dass Google translate hier nicht komplett versagt hat, haha)

Steinbock und Schütze erkunden das Grab der Kriegerkönigin

Montag, 07.09.2020

Es ist Wochenende und das Wetter ist super und was kann man da besser machen, als auf kleines neues Abenteuer gehen? Genau, das war eine rhetorische Frage. Es gibt nichts besseres. Also haben Marco und ich unsere Rucksäcke gepackt und sind nach Strandhill gefahren. Die letzten Tage haben wir über mögliche Reiseziele gesprochen und auch schon einen ersten Wochenendtrip nach Galway geplant. Diesen Sonntag sind wir allerdings in der Nähe geblieben und haben uns entschieden, den Queen Maeve Trail zu gehen, der auf den Berg Knocknarea führt.

Der Start unserer Reise
Informationstafeln sind immer eine gute Idee

Mit dem Bus kommt man in ungefähr 10 Minuten und für 2,40 Euro nach Strandhill. Von der Bushaltestelle Dorris Strand sind es nur ein paar Minuten Laufweg, zu dem Beginn des Queen Maeve Trail. 

Auf der Spitze des Knocknarea gibt es ein Grab, das 3000 Jahre vor Christus erbaut wurde. Es ist ein großer, runder Steinhaufen, unter der eine Königin begraben liegt. Der Irischen Legende nach liegt dort die Kriegerkönigin Maeve of Connaught in ihrer kompletten Kampfmontur begraben. Ihr Schwert ist scheinbar noch immer gehoben und sie blickt ihren Feinden in Ulster entgegen, einer traditionellen Provinz im Norden Irlands. Selbst in unserer Nachbarschaft gibt es also Legenden und Mythen und gestern haben wir uns daran gemacht, diese selbst zu erkunden und der Irischen Kultur näher zu kommen.

Blick auf den Atlantik
Wie viele Blautöne könnt ihr erkennen?

Bereits nach ein paar Stufen (nach denen ich bereits ziemlich außer Atem war. Zwei Wochen eingeschränkte Bewegung in Quarantäne tun nicht gerade gut) hat man einen perfekten Blick auf den Strand und den Atlantik. Mein rasendes Herz und mein zu schneller Atem waren den Ausblick definitiv Wert. Die Irische Natur hat mich erneut umgehauen und der Speicher meiner Kamera musste wieder daran glauben. An diesem Tag habe ich ungefähr 550 Fotos gemacht, und der Aufstieg dauert nur etwas über eine Stunde.

Ein kleiner Blick zurück, aber ... alle Wege führen nach Rom
Kleiner Dank an die gute Qualität meiner Kamera (keine Werbung)

Nach den unzähligen Stufen (ich habe nicht nachgezählt) und dem ersten Ausblick auf den Strand, kommt man durch einen Wald. Die Stufen sehen wie eine Dominotreppe aus und es ist ziemlich beeindruckend an den ganzen Bäumen entlang zu gehen und immer höher zu kommen. Hätte ich meine Kamera und mein Handy nicht dabei gehabt, hätte ich bestimmt als einer von Königin Maeves Untertarnen durchgehen können. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie die Menschen ihren Leichnam und all die Steine in Rüstung und ohne Treppen den Berg hochgeschleppt haben (und ich war schon mit der Last meines Rucksacks überfordert).

Endlich oben angekommen
Das Grab der Königin

 Nach ein bisschen über einer Stunde sind wir endlich oben angekommen und haben das Grab gefunden. Es ist ein wirklich großer Steinhaufen, muss man sagen. Oben haben wir aber nicht nur das Grab gesehen, sondern auch die ersten Übeltäter, die das Gesetz nicht beachtet haben. Marco und ich haben unsere Rolle als Deutsche ziemlich gut ausgefüllt und haben missbilligend beobachtet, wie eine Familie auf das Grab gestiefelt ist, was eigentlich verboten ist. Auf dem oberen Foto habe ich den Gesetzesbruch festgehalten, für den Fall, dass wir eine Polizeistreife getroffen hätten (kleiner Spaß, haha).

Neue Heimat im Hintergrund
Balance bewahren (Symbolbild für dieses Auslandsjahr)

Wie ihr sehen könnt: der Ausblick ist unglaublich. Man kann die anderen Berge um Sligo herum sehen, der Atlantik erstreckt sich unter den Füßen und der Wind treibt die salzige Meeresluft nach oben. Marco und ich mussten aufpassen nicht weggeweht zu werden, haben es allerdings überlebt. Wir haben unendlich viele Fotos gemacht, die Übeltäterfamilie beobachtet und den Ausblick genossen, während die Zeiger auf der Uhr voran geschritten sind.

Ich weiß nicht, wie lange wir auf der Spitze des Berges verbracht haben: zwanzig Minuten, eine Stunde oder sogar zwei. Oben schien die Zeit nicht zu zählen und für einen Moment stehen zu bleiben.

Ausblick beim Abstieg
Hallo neuer Freund

Dann ging es irgendwann allerdings an den Abstieg. Wir haben nicht die gleiche Route zurück gewählt und sind stattdessen auf der anderen Seite des Berges herunter gegangen. Es gab, glücklicherweise, keine Stufen mehr, dafür kletterwürdiges Terrain, was für mich als Steinbock allerdings kein Problem dargestellt hat. Marco als Schütze hatte da ein wenig mehr zu kämpfen (kleiner Spaß), aber schlussendlich haben wir es beide in einem Stück geschafft, obwohl mein linker großer Zeh danach wehgetan hat (falsches Schuhwerk?)

Bereits gemerkt? Hier gibt es viele Kühe

Am Fuße des Berges haben wir allerdings bemerkt, dass wir auf der komplett anderen Seite sind und der Rückweg etwas länger dauern würde als erwartet. Wir hatten allerdings keine Lust wieder auf den Berg zu klettern und den gleichen Weg durch den Wald zurück zu nehmen, also haben wir die Beine in die Hand genommen und sind losgelaufen. Google Maps hat uns geholfen und bei dem Ausblick waren die langsam aufkommenden Fußschmerzen auch sofort vergessen.

Left & Right, Left & Right, ...
Marco mit der Brotdose und Ira mit der Kamera

Auf dem Rückweg wurde dann auch der Proviant ausgepackt und mit einem Sandwich in der Hand wurden die Schritte auch langsam leichter. Da die Straßen hier ziemlich schmal sind, mussten wir bei jedem Auto anhalten, damit wir nicht auf der Windschutzscheibe mitfahren, was aber wahrscheinlich definitiv schneller gegangen wäre, wenn ihr mich fragt.

Kurzsichtig
Weitsichtig
Als hätte ich noch nie eine Kuh gesehen als Dorfkind

Nachdem wir die Kühe hinter uns gelassen haben, sind wir allerdings ein wenig verloren gegangen. Google Maps hat uns an einer normalen Straße vorbei geschickt. In Irland gibt es keine Fußgängerwege oder Abschnitte für Fahrradfahrer, weswegen wir bei der erstbesten Gelegenheit zum Strand abgebogen sind, was sich im Nachhinein nicht als beste Idee herausgestellt hat.

Hätte ich Chemie nicht so früh abgewählt, hätte ich sagen können, weswegen diese Steine orange sind
Der erste Strandabschnitt war privat, was wir erst im Nachhinein erfahren haben. Um den Strand zu verlassen mussten wir über eine kleine Steinmauer springen und wieder die Straße entlang laufen. Uns hat allerdings niemand gesehen (hoffentlich) und schlussendlich sind wir doch noch zum öffentlichen Strand gekommen. Ich habe dort sofort meine Schuhe ausgezogen und bin ins Wasser gegangen. Es war wie ein cooler Fußwanderweg und meine schmerzenden Füße haben es mir gedankt.
Endlich zurück am richtigen Strand
Ist das der Ort, an dem die Kobolde und Feen leben?

Mit unserer Rückkehr nach Strandhill ging unser kleiner Wandertrip nach mehr als 20.000 Schritten zu Ende. Wir sind noch durch die Dünen gewandert, haben das Wasser am Strand genossen und sind dann zurück gefahren. Meine Füße haben noch ein wenig länger wehgetan, aber es hat sich gelohnt. Die Fotos sind super geworden, der Ausblick war atemberaubend und das Wetter war so gut, dass ich ebenfalls einen Sonnenbrand mitgenommen habe. Ich weiß, fast unvorstellbar im regnerischen Irland, trotzdem wahr.

Ich würde diesen Wanderweg auf jeden Fall weiterempfehlen, allerdings nur mit gutem Schuhwerk und Sonnencreme.

Tripadvisor: 5 von 5 Sternen
*Wir hören uns beim nächsten Mal aus Galway*

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