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Torres del Paine & Puerto Natales

Veröffentlicht: 14.02.2019

Jetzt bin ich nun endlich in Puerto Natales, dem Ausgangspunkt für die weltberühmte Wanderung im Torres del Paine Nationalpark. Im Vorfeld hatte ich zunächst kein Glück, Campingplätze für den 4-tägigen Trek zu ergattern. Entsprechend groß war die Enttäuschung. Nach einem erneuten Versuch und intensiverem Einlesen drei Wochen später, war ich jedoch erfolgreich. Einen Tag bevor der Bus morgens um 7 Uhr losfährt, kümmere ich mich um meine Ausrüstung. Ich brauche Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kochutensilien und Essen. Alles ist schnell ausgeliehen und gekauft, aber wie soll alles im Rucksack Platz finden? Und viel schlimmer, wer soll das alles schleppen? Die Antwort liegt auf der Hand. Die Alternative, sich in Mehrbettzimmern mit Vollverpflegung einzuquartieren hat seine Vorzüge, aber ich bin nicht bereit, dafür den vierfachen Satz der eh schon kostspieligen Angelegenheit auszugeben. Ausserdem muss man ja hin und wieder seine Grenzen ausloten. An das Schlafen im Zelt habe ich mich schon gewöhnt, meine Funktionskleidung schon ausprobiert, für top erklärt und meine Beine sind wandertechnisch auch schon in den letzten Wochen aufgewärmt. Es kann also losgehen. 

Das Wetter ist mir die ganze Zeit gut gestimmt. Das, so die ausführliche Beschreibung im Vorfeld sei so unberechenbar, dass man sich auf alles gefasst machen muss. Ich hatte, Gott sei Dank, nur wenig Wind und keinen Regen. Nicht auszumalen, wie der Rucksack sich anfühlt, wenn darin auch noch nasses Zeug zu transportieren ist. Eigentlich sind die Strecken, auf denen ich den Rucksack tragen muss, gar nicht so umfangreich. An einigen Punkten kann man ihn zurücklassen und die Wege mit dem kleinen Tagesrucksack gehen. Tja, wenn man das halt im Vorfeld gewusst hätte. Blöderweise habe ich am ersten Tag die Rangerstation und den Campingplatz verwechselt und aus lauter Übermut den sch....schweren Rucksack 16 km weiter den Berg hoch und auch wieder runter getragen als es notwendig war. Die nächsten Tage wusste ich dann aber genau Bescheid, wo ich den Rucksack deponieren kann.

Der W-Trek, der in seinem Verlauf auf der Karte dem Buchstaben ähnelt, führt zum einen am See vorbei und biegt dreimal in  sehr unterschiedliche Täler hinein. Die Natur auf dem Wanderweg ist wirklich wunderschön und wild. Wieder fällt mir auf, dass die Landschaft sehr trocken ist. Es wachsen nur wenige verschiedene, maximal kniehohe Pflanzen. Bäume haben es hier sehr schwer Wurzeln zu schlagen und wachsen auch nur spärlich. Oder ein Feuer alle Dekade rafft sie dahin. Dann bleiben nur noch weiß-silbrige dünne Stämme stehen, die das Feld in eine seltsame Märchenstimmung verwandeln.

Die drei Täler sind wie gesagt sehr unterschiedlich. Dass sie so nah zusammen sind, macht den Torres del Paine Nationalpark aus. Erst geht es zum Cerro Torres. Das Bild mit den drei Spitzen im Hintergrund und der Lagune im Vordergrund, ist sehr bekannt. Leider war es etwas bewölkt, so dass die Fotos nicht ganz so strahlend sind. Es gibt insgeheim einen Wettstreit zwischen Cerro Torres (Chile) und Fitz Roy (Argentinien). Für mich war Fitz Roy der klare Favorit. Aufgrund des Wetters und der Wanderstrecke bis zum Gipfel.

Die Campingplätze sind gut ausgestattet, bieten aber nicht unbedingt Schutz vor Wind. Wenn es hier richtig stürmt, möchte ich nicht hier sein. Ansonsten passiert nicht viel im Camp. Zelt aufbauen, Essen kochen, Duschen, schlafen, damit man am nächsten Tag wieder fit ist. Überraschungsbesuch sind Füchse (einmal ein einzelner, an einem anderen Tag 3 junge, die gespielt haben), die einem quasi zeigen, dass man sich in der freien Natur befindet. Pumas habe ich hier nicht entdeckt, sind aber definitiv vorhanden, wie man an diversen Dokumentationen und Warnschildern ablesen kann.

Im zweiten Tal gibt es den Britanico-Lookout, der mein persönlicher Liebling im Nationalpark war. Die Natur mit dem reissenden Fluss war spektakulär und die stundenlange Wanderung mit nur zwei kurzen aber heftigen Anstiegen endet auf einer Anhöhe in einem Tal, das mit einigen Bergen wie in einem Kessel umgeben war. Auf einer Seite geht es aus dem Tal wieder raus, mit Blick auf den azurblauen See. Einfach wunderschön.

Das dritte Tal ist dem Grey Gletscher gewidmet. Ihn sieht man nach ca zwei Stunden Wanderung von einer Anhöhe das erste Mal. Um ehrlich zu sein, habe ich nun schon einige Gletscher gesehen und er erinnert mich stark an den Perito Moreno. Abgebrochene Eisschollen schwimmen auf dem See herum. Auch wenn der Anblick schön ist, meine persönliche Euphorie hat ein wenig nachgelassen. Dafür strahlt die Sonne als wenn es kein morgen gibt. Ich bin zu diesem Zeitpunkt sehr dankbar, dass sie das nicht die ganzen vier Tage gemacht hat, es hätte das wandern zusätzlich erschwert.

Das Fazit fällt in Summe positiv aus, auch wenn mir ein zu großer Hype um den Torres del Paine gemacht wird. Es ist sehr kostspielig und zeitaufwendig hier her zu kommen und wenn man es mit den Wanderoptionen in El Chalten vergleicht, so würde ich den Ort in Argentinien wählen. Sorry Chile, der Punkt geht an die Nachbarn. Meine persönliche Erkenntnis. Ich mag zelten mittlerweile wirklich, aber zukünftig wird nur noch mit Auto gezeltet. Das Schleppen raubt einem die nötige Energie um die Natur vollends zu genießen.

Ansonsten ist Puerto Natales ein touristisches aber nettes Städtchen. Die Hauptstadt der Region "Ultima Esperanza" (Letzte Hoffnung) - zurückzuführen auf die ersten Siedler und einem der letzten Versuche endlich eine Passage zum Meer durch die Fjorde zu finden - besteht seit 1911. Es waren viele Deutsche und Briten unter ihnen, der Stadtvater ist Hermann Eberhard, dem heute noch Straßennamen gewidmet sind. Das Wachstum der Siedlung ist hauptsächlich den Estancias zu verdanken. Auf den riesigen Schaf- und Kuhfarmen wurde Fleisch in riesigen Mengen produziert, verarbeitet, in Dosen gepackt und in einem Kühlhaus gleich für den Weitertransport an die Front für die Kriege zurecht gemacht. Auch heute noch gibt es jede Menge Schafe. Die Wolle wird für wenig Geld nach China verkauft, dort gewaschen, aufbereitet und von da aus in alle Welt verarbeitet oder roh verschifft. Eine Delikatesse, die man in dieser Region überall findet, ist das cordero, als das vollständig am Spieß und über dem Feuer gegrillten Lämmchen.


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