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La Patagonia Argentina

Veröffentlicht: 10.02.2019

Bevor ich hier her kam, habe ich Patagonien ausschließlich mit Chile verbunden. Dass Argentinien ja eigentlich noch einen viel größeren Anteil daran hat, kam mir nicht in den Sinn. Immer wieder habe ich dieselben Städtenamen von anderen Reisenden gehört. Dass die Natur dort so schön sein soll, Hiker's Paradise, usw. Also wieder ab nach Argentinien, das Grenzüberschreitungsverfahren kenne ich ja mittlerweile schon.

In San Pedro de Bariloche (oder nur Bariloche) habe ich mich auf Anhieb so wohl gefühlt, dass ich gleich zehn Tage geblieben bin. Die Landschaft mit den Bergen und den riesigen, verästelten Seen ist einfach traumhaft schön und eröffnet einem unendliche Wandermöglichkeiten. 

Ich fühle mich, als wenn ich in ein Bild von Bob Ross gefallen bin. Wer den verstorbenen Fernsehmaler mit dem Afro aus den 80er Jahren kennt, weiß, wie liebevoll und gottgleich er Landschaften auf der Leinwand hat entstehen lassen. Bisher dachte ich immer, er habe sich solche Landstriche nur ausgedacht. Heute weiß ich, dass er seine Inspiration von hier haben muss. Alles ist so detailliert, so farbintensiv. Dieses Werk was ich vor meinem Auge sehe, muss ein ganz großer Künstler vollbracht haben, das steht fest. Und ich empfinde einfach unendliche Dankbarkeit, dass ich das hier erleben und auf mich wirken lassen darf.

Um noch mehr zu wandern habe ich mich kurzerhand für drei Tage auf dem Campingplatz in der Schweizer Kolonie im Nationalpark angemeldet. In meinem geliehenen Zelt habe ich mich recht wohl gefühlt, auch wenn ich erst in der zweiten Nacht herausgefunden habe, was ich tragen muss, damit es mich nachts nicht friert. Das kleine Örtchen erwacht drei Mal die Woche zum Leben, wenn selbst gefertigte Souvenirs, schweizerisch angedeutete Speisen und Getränke sowie argentinische Musik dargeboten werden. 

Im Moment sind Sommerferien in Südamerika und viele Einheimische verreisen. So wundert es nicht, dass viele Argentinier dieses schöne Fleckchen besuchen. Camping und Wandern scheint Volkssport zu sein, auch unter den jungen Menschen. Mit dabei ist immer ihr Mate. Zu Beginn konnte ich es nicht zuordnen. Die kleinen, teilweise kunstvoll gestalteten und mit Leder überzogenen Becher mit dem metallenem Strohhalm und dem grünen Zeugs drin, das aussieht wie grünes Pesto, dazu das ständige Zugießen aus der riesigen Thermoskanne, die überall mit hin getragen wird. Diese Kräuter („yerbas“) - wir würden einfach Tee sagen, das wird dem Ganzen aber nicht gerecht, denn Mate ist eine Sache für sich - kommen vom Matestrauch und werden getrocknet mit Wasser übergossen. Man kauft die yerbas im Einkilobeutel, alles andere wäre für die heavyuser nicht sinnvoll. Der Mate schmeckt sehr bitter, man kann ihn jedoch mit Zucker oder Honig süßen. Das Trinken von Mate kommt einem sozialen Event gleich, denn man teilt ihn überall und mit jedem. Man steht an der Bushaltestelle und bietet dem anderen Wartenden, aus dem eigenen metallenen Strohhalm versteht sich, an, mit zu trinken. Man trifft sich mit Freunden nicht auf ein Bier, sondern auf einen Mate. Man fährt an den See und nimmt eine Thermoskanne in der Mate-Ledertasche mit. Überall kann man in Restaurants heißes Wasser in die Thermoskanne nachfüllen lassen. Der tägliche Konsum ist obligatorisch. Es wird sogar von Mate in Liedern gesungen.

Die Stadt Bariloche an sich wirkt wie eine Außenstelle der Schweiz. Die Stein-Holz-Gebäude und die alpine Kulisse passen eher nach Europa als nach Argentinien. Es gibt Käsefondue und Schokolade an jeder Ecke und gegen einen kleinen Obolus kann man ein Foto mit einem Bernhardiner samt Holzfässchen und Schweizerflagge schießen lassen.

Im Winter kann man Skisport betreiben, im Sommer bis 22 Uhr abends die Natur im Freien bei warmen Temperaturen genießen. Wirklich ein wunderschönes Fleckchen Erde hier.

Eine gute Flugstunde entfernt (die 24-Stunden-Busfahrt habe ich mir nicht gegeben) liegen die Orte El Calafate und El Chalten, die ebenfalls das Herz eines jeden Wander- und Naturliebhabers mit Wonne erfüllen. Sie sind Ausgangspunkte um das Patagonian Icefield, dass sich Argentinien und Chile teilen, zu erkunden. Das Areal beinhalten knapp 50 Gletscher, die nach der Antarktis und Grönland das drittgrößte Süßwasserreservoir der Erde darstellen. Die Beziehung zwischen Argentinien und Chile war und ist nicht gerade die beste. Ein großer Streitpunkt in der Vergangenheit war auch diese Ressource.

Der Besuch des Perito Moreno Gletschers, der zum einen durch seine einfache Zugänglichkeit, vor allem aber dadurch bekannt ist, dass er im Vergleich zu vielen anderen Artgenossen nicht an Masse verliert, sondern auch das ganze Jahr über gleich groß bleibt, ist super beeindruckend mit seinen 30 km Länge. Das laute krachende Geräusch wenn ein Stück abbricht und in den See fällt, lässt einen aufhorchen und gefesselt von der Naturgewalt stehenbleiben und die kleine Eisstaubwolke beobachten.

Der bekannteste Berg in El Chalten ist der Fitz Roy, der mit seinem Erscheinungsbild mächtig dem Torres del Paine, wo ich später noch hingehen werde, Konkurrenz macht. Der hohe Berg mit seinem weißen Gipfel und der strahlend blaue See davor, sehen aus, als wenn man mich vor eine Fotoleinwand gesetzt hat. Die Natur hat hier eindeutig das Sagen, der Mensch ist nur geduldet. Das bekommt man regelmäßig anhand des Windes oder auch des Regens zu spüren. Bei Windstärken von 80 km/h fühlt man sich, als wenn ein Sturm über einem hereinbricht. Dabei erstrahlt der Himmel aber in freundlichem babyblau und tut so, als wenn nichts wäre. Die Straße kann man nur in gedrungender Haltung und mit viel Muskelkraft passieren. An solchen Tagen ist nichts mit wandern, da bleibt man schön zu Hause und nutzt das schlechte bis nicht vorhandene, satellitengestützte Internet oder liest klassisch ein Buch.

Die Tierwelt zeigt sich ebenfalls von seiner besten Seiten. In den Tagen hier konnte ich Flamingos, Guanacos (Lama-Art), Nandus (kleinerer Vogel Strauss), Kondore und weitere unzählige Vögel zu Wasser und in der Luft und somit in freier Wildbahn sehen.

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