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Die Amalfiküste entlang nach Salerno

Veröffentlicht: 09.05.2018

Die Amalfiküste mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entlang zu fahren, kann ganz schön anstrengend sein. Es gibt nur Busse, um von Sorrento der Steilküste folgend nach Salerno zu gelangen, und diese Busse (natürlich ohne Toiletten) sind rappelvoll. So erfahre ich, als ich mich nichtsahnend 10 Minuten vor der Abfahrt an der Haltestelle in Sorrento einfinde, dass der nächste Bus bereits bis auf den letzten Stehplatz ausgebucht ist und ich mich in eine lange Schlange von Wartenden einreihen muss, um eventuell einen Platz für den übernächsten Bus zu ergattern. Dieser fährt in 40 Minuten. Wenn es nicht klappt, heißt es eine weitere Stunde länger warten. Ich frage mich, wie es hier wohl in der Hauptsaison zugeht, denn noch ist Anfang Mai, zudem ein Werktag. Ich warte mehr oder weniger geduldig in der Schlange und bekomme tatsächlich einen Sitzplatz im übernächsten Bus. Doch während der Fahrt gemütlich aus dem Fenster schauen und die Landschaft bewundern ist unmöglich. Zwischen den Sitzreihen stehen mindestens doppelt so viele Menschen als erlaubt, sie werden bei jeder Kurve hin- und hergeschleudert, Flaschen rollen auf dem Boden herum, und ich kämpfe gegen die Übelkeit an, die durch das ständige Bremsen und wieder Anfahren des Fahrzeuges entsteht.

Nach einer knappen Stunde sind wir in Positano. Es herrscht leider Nebel, und dicke Wolken kündigen ein Gewitter an. Ich habe mir die Amalfiküste anders vorgestellt. Nichstdestotrotz bummle ich durch das direkt an die Klippen gebaute Dörfchen und versuche, mir die Gegend bei Sonnenschein auszumalen.

Als ich in den Bus nach Amalfi einsteige, wo ich übernachten werde, fängt es gerade zu schütten an. Die Menschen, die an den folgenden Haltestellen einsteigen, sind pitschnass; andere müssen im Regen auf den nächsten Bus warten, denn unserer ist wieder hoffnungslos überfüllt.

In Amalfi, dem bekanntesten Ort und Namensgeber des Küstenabschnittes, will ich nur noch etwas essen und ins Bett. Doch die Preise in den Restaurants lassen mich nur den Kopf schütteln und bestätigen den VIP-Status der Ortschaft: Eine Gemüsesuppe für 10,-€, eine Lasagne für 18,-€. Ich kaufe mir in einem Lebensmittelladen Brot, Käse und Joghurt und mache mir ein Abendessen in meinem 50,-€ teuren Mini-Zimmer mit Minimini-Bad (der Duschkopf ragt direkt über der Kloschüssel aus der Wand; Duschvorhang Fehlanzeige – einmal das Wasser aufgedreht, schwimmt das ganze Zimmer).

Am nächsten Tag ist das Wetter unverändert. Dennoch besichtige ich Amalfi und kann nicht verstehen, weshalb so ein Hype um eine ganz nette, aber in keiner Weise besondere Ortschaft gemacht wird. Dann fahre ich mit meinem Lieblingsbus nach Ravello und werde besänftigt. Denn Ravello ist wirklich schön, selbst bei Nebel. Das Städtchen mit 2.500 Einwohnern thront auf einer 300 m hohen Terrasse über dem Meer und ist maurisch geprägt. Es herrscht viel weniger Tourismus als in Amalfi, und ich genieße die ruhige Idylle. Übrigens kam auch Richard Wagner mit seiner Frau Cosima auf Eselsrücken einmal nach Ravello und fand dort Inspiration für seine Oper „Parsifal“. Ich spaziere durch die Ortschaft und will gar nicht mehr weg, schon gar nicht mit dem überfüllten, ruckelnden Bus.

Irgendwann setzt wieder der Regen ein, und ich rappel mich auf für die anderthalb stündige Fahrt nach Salerno, wo die Amalfiküste endet und wo ich ein weiteres Mal übernachte. Salerno wird in meinem Reiseführer gar nicht als sehenswert erwähnt, dennoch finde ich das Städtchen sehr hübsch. Es hat eine Festung, schöne Gässchen und eine Promenade am Meer. Und die Sonne scheint wieder… 😊

Alles in allem hat mich die Amalfiküste ein wenig enttäuscht. Bestimmt ist es bei strahlendem Wetter ein anderes Erlebnis, dennoch wird die Fortbewegung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch dann nicht stressfreier sein, außerdem sind manche Orte - wie etwa Amalfi - komplett überlaufen und überteuert. Aber auch das ist eine Erfahrung, die ich mitnehme und umso mehr freue ich mich nun auf meine Zugfahrt nach Sizilien und auf die geschichtsträchtigen Städte unter einer hoffentlich strahlenden sizilianischen Sonne… :-)
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