Napoli: Die Stadt, die immer wäscht
Das Bild von Neapel ist für mich unzertrennlich mit dem Bild frisch gewaschener Wäsche verbunden. Frisch gewaschene Wäsche hängt hier überall: Vor den Fenstern und auf den...

Veröffentlicht: 05.05.2018

































Zu meiner Entdeckungsreise im Golf von Neapel gehört auch ein Tag auf Ischia. Die Fähre, die mich hinüberbringt, schaukelt ganz schön, und ich stelle fest, dass ich nicht das Zeug zur Matrosin habe...
Die knapp 50 km² große Insel mit ihren 60.000 Einwohnern bietet für jeden etwas: Strände zum Faulenzen, Dörfchen zum Verweilen und Einkehren, Geschichtliches zum Besichtigen und für Wanderlustige den knapp 800 m hohen Berg Epomeo – Überbleibsel eines vor etwa 600 Jahren erloschenen Vulkans, dem die Insel ihre Entstehung verdankt. Ich erkunde den alten Stadtkern des Hauptortes, der verwirrenderweise ebenfalls Ischia heißt, und besteige die Aragoner Burg, die auf einem Inselchen, dem Isolotto, thront. Die Burg ist auf jeden Fall ein Highlight, und ich genieße nach zwei verregneten Tagen in Neapel endlich wieder die Sonne und den wunderbaren Panoramablick auf Stadt und Meer.
Nach dieser Mini-Besteigung steht die anspruchsvollere Tour des Tages an: Mit dem Linienbus geht’s ins verschlafene Dörfchen Fontana, von dem aus Wanderwege zum Berg Epomeo führen. Nebel zieht auf und umhüllt bereits die Bergspitze, nichtsdestotrotz trabe ich unerschrocken los - ein Steinbock zieht durch, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Der Weg wird immer schmaler, der Nebel immer dichter, doch kurz vor dem Ziel kehrt man nicht um. Die letzte Etappe ist spektakulär: Ich sehe vor lauter Nebel gar nichts. Doch dann wirbelt der Wind plötzlich die Nebelschwaden zur Seite und enthüllt die Felswand unterhalb vom Gipfel: Ich entdecke in den Stein gehauene Häuser und zahlreiche lochartige Grotten, die früher zur Aufbewahrung von Schnee dienten. In die Hohlräume gestopft und mit Laub und Stroh bedeckt wurde dieser bei Bedarf in isolierten Körben ins Dorf gebracht und dort zu Speiseeis verarbeitet.
Als ich den Gipfel erstürme, herrscht wieder dicker Nebel, und ich muss ein wenig bei Wind und Kälte ausharren, bis der Wettergott wieder für einen kurzen Moment die Sicht freischaufelt: Es zeigt sich eine atemberaubende Landschaft unter mir und um mich herum.
Nach diesem (mit Abstieg) knapp zweistündigen Workout fahre ich mit dem Bus weiter nach Sant’Angelo. Die Ortschaft liegt malerisch auf einer winzigen Landzunge und verfügt über zahlreiche heiße Quellen, die den Tourismus ganzjährig kräftig ankurbeln.
Zuletzt setze ich die Umrundung der Insel per Linienbus fort und gelange über Forio und Casamicciola (gilt als das Kurgebiet der Insel mit den meisten Quellen) erneut nach Ischia.
Es war ein superschöner Tag, und die Insel, auf der übrigens fast jeder deutsch spricht, bietet sich als idealer Erholungsort an. Meine Erholung muss ich auch dringend antreten, denn bereits in wenigen Stunden bringt mich die schaukelnde Fähre wieder zurück ans Festland.