Ich bin dann mal weg
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Wie im Armenien-Blog erwähnt, hat mir mein letzter Vermieter in Gjumri bei der Organisation meiner Weiterreise zurück nach Georgien geholfen. So bin ich am 17.7. erst mit einem Sammeltaxi über die georgische Grenze nach Ninotsminda gefahren und schließlich mit einem Minibus weiter nach Akhaltsikhe, nahe der türkischen Grenze. Dort hatte ich für zwei Nächte eine sehr schöne Privatunterkunft bei einer sehr netten Familie. Gewöhnungsbedürftig war allerdings, dass ich auf dem Weg von meinem Zimmer zum Bad durchs Wohnzimmer der Familie musste. Und das war gleichzeitig das Schlafzimmer des Opas! Gleich nach meiner Ankunft habe ich die orientalische Festung Rabati, die größtenteils aus der osmanischen Zeit stammt, besichtigt und am nächsten Tag habe ich einen Ausflug zu einem der größten Touristenmagnete Georgiens, der Höhlenstadt Vardzia, gemacht. Unglaublich beeindruckend! Die Anfänge der Stadt liegen im 12. Jahrhundert, von ursprünglich ca. 2000 Höhlen sind ungefähr 500 renoviert und teilweise begehbar. Die Höhlenstadt erstreckt sich hoch über dem Fluss Mtkvari auf 900m Länge und 13 Ebenen. Auf der Rückfahrt konnte ich noch einen Blick auf die Khertvisi-Festung werfen, dabei fühlt man sich wie in Europa. Am 19.7. fuhr ich weiter nach Kutaissi, der drittgrößten Stadt Georgiens. Leider schlug auf dem Weg dorthin das Wetter um und es hat erstmals seit Beginn meiner Reise geregnet. In unmittelbarer Nähe von Kutaissi liegt das Kloster Gelati, das zu den wichtigsten Klöstern Georgiens gehört! Nein, auch wenn man den Namen so ausspricht, Eis gibt es dort leider nicht! Auch am zweiten Tag in Kutaissi war das Wetter schlecht und ich habe nur einen kurzen Spaziergang durch die Stadt gemacht und ein Museum besucht. Gegen Abend hat es aufgehört zu regnen und ich bin zum Kloster Motsameta in traumhafter Lage gefahren. Leider erhielt ich an diesem Abend die Nachricht, dass mein Vater schwer erkrankt ist und im Krankenhaus liegt. Was tun?? Sofort nach Hause fliegen? Nach Rücksprache mit meiner Mutter habe ich mich entschlossen die Reise erstmal wie geplant fortzusetzen. In den folgenden Tagen ging es meinem Vater dann etwas besser.

Am nächsten Tag, den 21.7., bin ich in einer 6stündigen Fahrt mit dem Minibus nach Mestia ins Hochgebirge gefahren. Mestia liegt im Landesteil Oberswanetien. Die Menschen dort sprechen Swanetisch als Muttersprache, sind im Winter in manchen Dörfern manchmal monatelang von der Außenwelt abgeschnitten und sind für ihre Wehrtürme bekannt. Jede Familie hatte einen! Dort konnte man sich vor seinem Nachbarn verstecken, wenn die Blutrache drohte, welche bis in die 1930er Jahre hier im großen Stil praktiziert wurde! Zwischen 1917 und 1925 wurden 600 Männer Opfer der Blutrache, was einem Prozentsatz von 2% entspricht! Heute ist Oberswanetien ein Paradies für Wanderer in einer weitgehend unberührten Umgebung von Lagen in Mittelgebirgshöhe bis in die Höhe von über 5000m. Ich habe mich für den Mestia-Ushguli-Trail entschieden, einer 4tägigen Wanderung mit Übernachtungen in kleinen Bergedorfer in Privatunterkünften. Insgesamt 60km und knapp 3500 Höhenmeter werden dabei zurückgelegt. Den Großteil meines Gepäcks konnte ich in Mestia zurücklassen. Der Weg ist wunderschön, meist gut markiert, nicht allzu anstrengend und niemals gefährlich. Da in der Hochsaison täglich ca. 100 Bergwanderer die Strecke in Angriff nehmen, findet man immer Gesellschaft, wenn man denn Begleitung haben möchte, man kann aber auch völlig allein unterwegs sein. So war ich auf der dritten Etappe mit Jeronimo, einem Argentinier, unterwegs, der mich gleich nach Mendoza eingeladen hat, falls ich im Frühjahr wie geplant in Argentinien sein sollte. Er mag alle Deutschen, hat er gesagt, außer Mario Götze! In den Dörfern gibt es in den Unterkünften Abendessen und Frühstück, einfache Gerichte, aber immer gut und reichlich! Leider war das Wetter immer noch wechselhaft. Ich habe am 4.Tag planmäßig am frühen Nachmittag Ushguli erreicht, den wohl schönsten Ort in Oberswanetien mit teilweise sehr gut erhaltenen Wehrtürmen (die Partnerstadt ist passenderweise San Gimignano) und dem grandiosen Schhara-Gletscher im Hintergrund am Fuße des Schhara, des mit 5200 Metern höchsten Bergs Georgiens!  Am nächsten Tag ging es mit dem Sammeltaxi zurück nach Mestia, wo ich noch eine abschließende Bergtour zum Mestia Cross machen konnte. Am 27.7. bin ich dann mit dem Minibus nach Tiflis zurückgekehrt und dann hieß es Abschied nehmen! Mein letzter Abend in Georgien war gekommen! Am späten Abend dann der Schreck! Durch Zufall habe ich erfahren, dass ich mein E-Visum für Aserbaidschan in ausgedruckter Form dabei haben muss! Wo sollte ich um diese Zeit einen Drucker auftreiben? Mein Vermieter hat mir schließlich geholfen und in einem benachbarten Hotel konnte mein Visum schließlich ausgedruckt werden. Ein weiteres Beispiel für die Gastfreundschaft der Georgier! So bin ich am 28.7. mittags in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, angekommen. Mein Start dort verlief etwas holprig, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

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