Santiago de Chile
Nach soviel Heimatliebe waren wir nun mehr als bereit für den Sprung nach Santiago - in einem sehr komfortablem Flixbus über Nacht. Wir freuten uns erst über die sehr viel...


Veröffentlicht: 01.03.2025

































Von Santiago aus ging es in die nur ca. 2h entfernte Hafenstadt Valparaiso. Im Vorfeld haben wir ganz unterschiedliche Meinungen zu der Stadt gehört, die von ganz toll zu ganz schrecklich reichten.
Die Stadt ist ist eine Ansammlung bunter Häuser, die auf ca. 40 Hügeln wild durcheinander ohne erkennbare Ordnung gebaut sind, mit vielen Graffitis und naiver Malerei versehen, dazwischen winden sich Treppen und Standseilbahnen (Ascensores). Man spürt den Glanz und Reichtum vergangener Tage, gleichzeitig sieht man deutlich die Spuren von Renovierungsstau, Vernachlässigung, Erdbeben und Feuern (die wenn sie hier einmal ausbrechen halbe Stadtteile verschlingen).
Geschichtlich ist an Valparaiso interessant, dass es zusammen mit San Francisco einer der bedeutensten Häfen der Westküste Amerikas war und einer der ersten Häfen, die man nach der Umfahrung des Kap Hoorns erreichte. Der Hafen verlor dann nach der Eröffnung des Panamakanals an Bedeutung. Heute ist die Stadt Sitz des chilenischen Kongresses und der Marine.
Eine Stadt, die eigentlich dazu einlädt, durch die endlos sich die Hügel auf- und abwindenden Gassen zu wandern und sich in diesem Häusermeer zu verlieren. Leider ist es aber so, dass in den letzten Jahren die Gewalt sehr zugenommen hat und offenbar außer Kontrolle geraten ist. Bei Nachfrage wurde uns gesagt, dass man sich eigentlich nur auf zwei kleinen touristischen Hügeln aufhalten könne und das nur bei Tag, auch große Teile der Unesco-Weltkulturerbe-Altstadt könne man nicht besichtigen. Wir hielten das erst für übertrieben und spazierten auch ohne Probleme durch das Hafengebiet und Teile der Altstadt (Armut und erhöhter Drogenkonsum waren aber deutlich merkbar).
Aber als wir dann aus Versehen den falschen Aufzug auf einen falschen Hügel nahmen, wurden wir mit sehr viel Nachdruck von Anwohnern aus ihren gut verriegelten Häusern heraus gebeten, schnell das Weite zu suchen, weil es sonst kein gutes Ende für uns nehmen würde. Dieser Ratschlag wurde uns mehrfach gegeben, und die Leute meinten es ernst. Tatsächlich hörten wir dann auch immer gruseligere Geschichten von Touristen (und Anwohnern), die am helllichten Tag sehr brutal überfallen wurden. Und immer, wenn wir nur etwas aus dem Haupt-Tourispot entfernten, wurden wir eindringlich gewarnt. Das dämpfte die Stimmung etwas, weil die zwei "erlaubten" Hügel einfach nur eine sehr kleine Fläche hatten, und auch hier wurden um spätesten 21 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt und niemand war mehr unterwegs Wir fühlten uns eingesperrt! Dennoch versuchten wir das Beste darauf zu machen und genossen tagsüber die wirklich schönen alten Cafes mit tollem Ausblick auf die Stadt, haben mal richtig gute Pizza gegessen, und darüber philosophiert was dazu geführt hat, dass es den Menschen in dieser Stadt so schlecht geht und dass die Stadtverwaltung wohl große Teile aufgegeben hat und sich selbst überlässt.
Dennoch trauten wir uns einen Tag in das benachbarte Vina del Mar (hier wurden wir gleich von einer Oma im Bus adpotiert die dafür gesorgt hat, dass wir das richtige Wechselgeld bekommen, dass unsere Taschen gut verschlossen sind, und wir heile ankommen), um etwas am Stand zu schlendern und das archeologische Museum zu besuchen. Das hatte eine richtig tolle Abteilung zu den Rapa Nui (Volk der Osterinseln).
Das war Valparaiso, für uns toll und schrecklich zugleich.
