Tuktuk / Tobasee
Auf dem Weg Richtung Süden zum Tobasee gab es noch interessante Zwischenstops, daher buchten wir (auch mangels Alternativen) wieder mal einen privaten Transport. Zuerst ging es...


Veröffentlicht: 11.03.2026















































Nachdem wir uns von der Busfahrt erholt hatten, ging es also los Bukttinggi zu erkunden. Hier merkte man sofort, dass wir die christlich geprägte Gegend verlassen hatten und die muslimische Lebensweise dominierte. Die Leute waren zum Teil aufgregt, dass sie uns trafen und sehr freundlich. In einem Café, in dem wir die ersten ausländisch aussehenden Ausländer waren, wurden wir direkt von allen Seiten fotografiert für Werbezwecke - hoffentlich hilft`s! Was wir allerdings schwierig fanden, war die weit verbreitete Verschleierung von ganz kleinen Mädchen und sogar Babys. Wenn nach unserem Verständnis (und wir sind bestimmt keine Experten) der Hijab die Sittsamkeit wahren soll, ist das für uns im Umkehrschluss eine sehr frühe Übersexualisierung. Zum Glück ließen die Mädels, die wir beobachteten, sich nicht vom Kindsein abhalten und tobten in voller Montur durch die Gegend. Und als es zu heiß wurde, wurde der Hijab auch schon mal durchs Restaurant geschleudert!
In Bukittingi und Umgebung sind übrigens die Minangkabau zuhause. Diese verstehen sich zum größten Teil als Muslime, Erbfolge und Wohnort sind aber auf die Frauen ausgelegt. So werden zB die Reisfelder traditionell an die Töchter vererbt und der Ehemann muss bei seinen Schwiegereltern einziehen. Die Minangkabau-Häuser sind große Langhäuser auf Stelzen mit vielen Holzverzierungen und großen, geschwungenen Dächern, die an Büffelhörner erinnern sollen. Beispiele hierfür konnte man im Umland beim sehr schönen Pagaruyung Palast bewundern (allerdings ein Nachbau, weil der Palast des öfteren dem Feuer zum Opfer fiel), und auch in der moderneren Architektur werden gerne Elemente übernommen. Die Marawa, die Flagge der Minangkabau ist übrigens schwarz-rot-gold, allerdings vertikal angeordnet.
Wir mussten etwas außerhalb der Stadt zum Kantor Imigrasi, da wir unser Visum verlängern wollten. Hatten wir zwar alles online beantragt und bezahlt, aber man musste noch mal persönlich vorstellig werden. In der Behörde selbst war nichts los, wir schienen die einzigen Kunden zu sein. Personal gab es zwar viel, aber zunächst wollte keiner was mit uns zu tun haben und fühlte sich eher belästigt, von uns angesprochen zu werden, schließlich wurden wir aufgefordert Platz zu nehmen und zu warten. Die Person, die sich nach einer gefühlten Ewigkeit um uns kümmerte, war die ganze Zeit da gewesen, musste wahrscheinlich aber erst den Mittagschlaf beenden oder sich geistig auf uns einstellen. Nach ein paar Klicks war alles erledigt, wurde dann online nach Jakarta geschickt und noch mal überprüft und ein paar Tage später bekamen wir die Info, dass die Verlängerung genehmigt war.
In den nächsten Tagen besuchten wir ein altes unterirdisches Tunnelsystem (Lobang Jepang) , das die Japaner während des 2. Weltkriegs hauptsächlich als Versteck für Waffen erbaut hatten. Ganz spannend, aber bisschen gruselig mit einer Menge Fledermäusen und deren Exkrementen, insgesamt wohl etwa 8 km lang, 1-2 km konnte man besuchen. Dann ging es zu dem kleinen Canyon Ngarai Sianok an der Stadtgrenze, eigentlich ganz hübsch, aber viele zerfallene und verlassene touristische Infrastruktur und Müll. Von dort aus ging es weiter zur "Great Wall" von Bukittinggi. Über eine baufällige Schrottbrücke (die wohl mittlerweile auch eingestürzt ist) ging es zu einem wild betonierten Treppenkomplex in der Pampas - hier bedarf es doch ziemlich viel Fantasie, um sich an das Original in China erinnert zu fühlen. Wir wissen nicht ob es hier mal tatsächlich mehr Tourismus gab oder man nur optimistisch war, dass der eines Tages stattfinden würde. Aber zumindest hatte hier jemand mal Visionen!
Gar nicht schön war der Besuch im Kinantan Wildlife und Cultural Park. Eigentlich wollten wir nur das alte niederländische Fort De Kock und das Kinatang Gadang House Museum besuchen, stellten aber dann fest, dass diese sich in einer Art Zoo befanden - der reinste Horror! Hier wurden die Tiere auf schreckliche Art und Weise gehalten - unabhängig ihres Sozialverhaltens meist alleine in kleinen, schmutzigen Käfigen, und in erbärmlichen Zuständen, oft an Ketten gehalten. Am krassesten für uns war das einsame Orang-Utan-Männchen, das mit stumpfen, dreckigen, zerzausten Fell und toten Augen ins Leere starrte. Was für ein Trauerspiel, wenn man an die wunderschönen, freundlichen und stolzen Tiere in Bukit Lawang zurückdachte.
Wir trauten uns noch mal in ein Padang-Style-Restaurant - dieses Mal wussten wir ja wie der Hase läuft - und suchten uns eine angemessene Anzahl Gerichte aus. Die Teller mit Hirn und Innereien, die wir nun besser als anfangs identifizieren konnten, ließen wir weg, die ausgesuchten Speisen waren wirklich lecker. Besonders Chicken oder Beef Rendang wird uns in Erinnerung bleiben und das möchten wir zuhause auf jeden Fall mal versuchen nachzukochen. Ansonsten waren wir oft Cafés, in denen auch Essen angeboten wird uns sich besonders abends viele junge Menschen tummelten, als Alternative zu Bars.
Das absolute Highlight in Buktttinggi sollte aber der Besucht beim Pacu Jawi sein, einem traditionellen Bullenrennen, welches nur hier in der Umgebung stattfindet und für das wir extra ein paar Tage länger in Bukittinggi blieben. Hierfür organisierten wir uns einen ortskundigen Fahrer (kaum einer in Bukttinggi kannte das Bullenrennen, was uns sehr verwunderte), mit dem wir erst den oben erwähnten Pagaruyung Palast besuchten und die ländliche Umgebung erkundeten, und auch in einer kleinen und sehr einfachen Kaffeefarm und Rösterei Halt machten. Tee aus Kaffeeblättern schmeckt übrigens sehr gut! Dann fuhren wir in der Gegend herum und suchten, wo das Rennen an diesem Tag genau stattfinden sollte, der Ort wechselt nämlich jedes Mal und wird nicht groß offiziell bekannt gegeben. Irgendwann sahen wir einen Transportwagen mit Bullen darauf, dem wir raus aus den Dörfern über die Feldwege folgten. Und da war es! Plötzlich waren da im Nichts viele Menschen, Essenstände, Musiker, und ganz, ganz viele Bullen, die ausgeladen, in Richtung der Rennstrecke getrieben, gefüttert, gestriegelt wurden. Viele von ihnen hatten mit Farbe Logos aufgesprüht, um sie den jeweiligen Besitzern zuordnen zu können, manchmal Markennamen wie Puma oder Porsche. Als Touristen musste man eine Eintrittsgebühr bezahlen, um Fotos machen zu dürfen. Dadurch kann das Rennen mittlerweile öfter stattfinden (in der Erntesaison wohl einmal die Woche), aber insgesamt waren fast nur Einheimische hier. Was ein Trubel und was für eine Stimmung, schon bevor die ersten Rennen überhaupt losgingen. Auch wenn es Bull race genannt wird, handelt es sich nicht um ein klassisches Wettrennen, es wird auch keine Zeit gestoppt oder ein definitiver Sieger bestimmt. Es findet auf abgeernteten Reisfeldern statt, die geflutet und so in eine Matschwüste verwandelt werden. Dann werden zwei Bullen locker mit leichten Schnüren an einen Pflug gebunden, und der Jockey stellt sich hinten auf den Pflug und hält sich an den Schwänzen der Tiere fest. Dann rennen die Tiere los, und der Jockey versucht sich auf dem Pflug zu halten und bis zur Ziellinie am Ende des Feldes zu kommen. Soweit die Theorie - die Praxis sah anders aus. Zum einen hatten die Bullen, die von klein auf an den Trubel gewöhnt werden, nicht unbedingt Lust, überhaupt loszulaufen. Daher versuchten die Teams von jeweils schätzungsweise 5-6 Leuten erst einmal im Matsch stehend, die Tiere halbwegs zum gewollten Zeitpunkt loslaufen zu lassen. Manchmal verweigerten die Tiere sich aber oder liefen zu früh los. Dann musste der Jockey auch noch auf dem Pflug bleiben, auch das klappte eigentlich selten. In der Folge gab es viele spektakuläre Stunts und Matschlandungen. Im Laufe des Rennens wurde immer mehr Wasser in das Feld gepumpt, es wurde also alles immer matschiger. Das Publikum stand am Rand und feuerte an, immer bereit in kritischen Momenten zur Seite zu springen und nicht gefeit davor, selber im Matsch zu landen. Während die Bullen selber nur vielleicht ein oder zwei Mal rennen mussten, nahmen die Jockeys sehr oft teil - und wurden mit der Zeit immer schwächer und zitterten, auch ein Arm wurde mal ausgekugelt und ein Bein gebrochen, im Testosteron- und Adrenalinrausch nebensächlich. Aber was eine Stimmung! Es ging um sehen und gesehen werden, Geschäfte machen, Leute treffen, zeigen was man für schöne Bullen hat, was man für ein toller Hecht ist. Wirklich fantastisch! Nach ein paar Stunden war der Spaß vorbei, und wir machten uns müde, Matsch bespritzt und euphorisch auf den Rückweg. Mega!
