12. Etappe Camino del Norte von Pendueles nach Barro
Heute Morgen haben in dem kleinen Dorf mehrere Hähne um die Wette gekräht und mich "ganz sanft" aus meinem Schlaf gerissen. Trotz des frühen tierischen Weckers fühle ich mich in...

Veröffentlicht: 15.06.2025








































































Zur Information; von den Eseln habe ich nachts und am Morgen nichts gehört. Sie haben aber auch eine riesige Wiese und standen am frühen Morgen ganz weit weg. :-)
Beim Frühstück war ich heute der einzige „frühe” Gast. Pedro hatte mir das Frühstück gebracht und sich ein bisschen auf Deutsch mit mir unterhalten. Das Frühstück war nicht besonders gut, aber ich wurde satt.
Ach ja, das muss ich noch von gestern erwähnen. Als ich zum Essen ging, musste ich an einer Weide mit Rindern vorbeilaufen. Plötzlich ist ein mittelgroßer Hund auf die Wiese gelaufen und wollte die Herde aufmischen. Da hat sich „El Toro” positioniert und ist dem Hund hinterhergelaufen, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Zum Glück hat er den Hund nicht erwischt. Der Hund lief zu seinem Herrchen. Als El Toro wieder in die Mitte der Wiese lief, kam der Hund zur Herde zurück. Der Stier scharrte mit dem Huf und schnaufte. Bevor er noch einmal loslief, konnte der Besitzer seinen Hund doch noch einfangen. Ich fand es faszinierend, wie sich die gesamte Herde hinter den Stier gestellt hat. Das sah super aus. Boah, aber so ein Stier ist ja ein reines Muskelpaket! Der sah schon angsteinflößend aus!
Bevor es heute losging, musste ich meinen rechten Schuh kontrollieren. Es fühlte sich nämlich so an, als wäre dort noch ein Steinchen. Zunächst hatte ich den Schuh nur ausgeklopft, aber ich spürte immer noch einen Druck. Ich habe dann die Sohle herausgenommen und siehe da, da waren mehrere Steine, die sich reingebohrt hatten. Nachdem ich die kleinen Dinger beseitigt hatte, konnte die Tour starten.
Das Wetter war wie gestern: viele Wolken, aber trotzdem warm – also wieder absolut perfekt für mich. In Barro hätte man noch eine schöne Kirche besichtigen können, wenn sie denn geöffnet gewesen wäre.
Es ging dann erst durch mehrere kleine Waldstücke, bis wieder zwei Wege zur Auswahl standen. Diesmal entschied ich mich gegen den Küstenweg und wanderte lieber durch das Hinterland.
Der erste Ort war klein und ich wollte noch schnell einen Kaffee trinken, doch wie die Tage zuvor hatte nichts geöffnet. Da sollte unbedingt daran gearbeitet werden. ;-)
Nun denn, ich hatte auf jeden Fall reichlich Proviant und Wasser dabei. Schnell war ich durch den Ort gelaufen und es folgte wieder ein längeres Waldstück mit vielen Eukalyptusbäumen und noch mehr Farn. Dann erschienen wie aus dem Nichts drei Häuser, dann ging es wieder in den Wald. Es war unfassbar ruhig, was ich genoss. Auf dem ganzen Weg heute habe ich nur einen Pilger gesehen. Die meisten gehen wohl tatsächlich an der Küste entlang.
Nach dem Waldstück kam ein toller Ort. Dort hatten einige Bars geöffnet, sodass ich mich stärken konnte. Der Camino führte durch den gesamten Ort und mir gefiel es dort sehr gut, denn einige Häuser hatten Berge im Hintergrund. Das sah sehr schön aus. Aber auch, weil wieder viele Einheimische draußen vor ihren Häusern waren. Sobald es warm wird, spielt sich das Leben tatsächlich draußen ab.
Als ich den Ort verließ, musste ich wieder Gleise überqueren. Dabei muss ich immer lachen, keine Ahnung, wieso. Man darf es ja, aber irgendwie fühlt es sich immer noch verboten an. ;-) Natürlich steht dort auch ein Warnschild, das die Pilger zur Vorsicht mahnt. Das ist klar und ist ja auch gut gegangen. Grins.
Es folgte eine Passage über einen schmalen Feldweg, von wo aus ich einen tollen Blick auf die Berge hatte. Es hingen dunkle Wolken an den Bergen, das sah nach Unwetter aus. Aber bis jetzt ist nichts passiert und laut der Besitzerin wird auch nichts passieren.
Was mir heute extrem aufgefallen ist, ist, dass viele Höfe und Häuser total verfallen sind. Von einem Haus war ich fasziniert und wäre deshalb fast in die falsche Richtung gelaufen. Aus dem Augenwinkel hatte ich zum Glück noch den gelben Pfeil erkannt. Da hatte ich echt Glück!
Die Steigungen waren heute überhaupt kein Problem, die konnte ich sehr gut bewältigen. Da ich nicht bis Ribadesella laufen wollte, hatte ich mir gestern Abend noch eine schöne Unterkunft in Camango gebucht.
Ich freue mich zwar jedesmal, wenn ich an meinen Unterkünften ankomme. Aber ich bin auch traurig, da dann die Tour für den Tag beendet ist. Auch heute, war es landschaftlich wieder ein absoluter Traum, die Berge, die Küste, die Tiere, einfach alles ist sehr sehr schön und ich bin dankbar, dass ich das alles erleben darf :-)!
Als ich in der Unterkunft ankam, fragte mich die Besitzerin, ob ich schon gegessen hätte oder etwas dabei hätte. „Nein und nein.“ Sie reservierte daraufhin einen Platz in einem Restaurant für mich, da es hier in der näheren Umgebung nichts gebe. Ich hätte 30 Minuten dorthin laufen müssen. Als ich gerade losgehen wollte, rief mich die Besitzerin zurück und teilte mir mit, dass ihr Mann mich hinfahren würde. „Oh, das ist ja nett.“ Der Mann sprach nur gebrochen Englisch, aber wir haben uns trotzdem nett unterhalten. Plötzlich sehe ich eine ekelige gelbe Spinne mit langen Beinen auf meinem rechten Arm entlanglaufen. Ich habe im Auto geschrien und die Spinne von meinem Arm geschlagen. Der Mann guckte mich ganz erschrocken an und fragte ganz verstört: „Was ist denn los?” Ich meinte, es sei eine „Spinne“. Mir war das wirklich sehr sehr sehr sehr peinlich, aber ich war so angewidert von dem Tierchen ... Er hat sich für die Spinne entschuldigt. Aha ...! Zum Glück waren wir dann auch schnell im Restaurant angekommen und ich habe draußen erst einmal einen Lachanfall bekommen und habe mich gründlich von oben bis unten abgeklopft. Auch jetzt muss ich wieder lachen. Der Typ denkt bestimmt, die Deutsche hat sie nicht mehr alle! Aber egal, ich kann halt nicht anders.
Jetzt werde ich den restlichen Tag im Garten der Unterkunft verbringen und mich erholen.
Die heutige Etappe war 20,0 km lang und wieder sehr angenehm zu laufen.
Liebe Grüße
Anke - Flip