11. Etappe Camino del Norte von Serdio nach Pendueles
Heute bin ich von Glöckchengebimmel geweckt worden. Hinter der Unterkunft auf einer Weide standen Schafe. Ich habe mich gefühlt wie Heidi. Lach. Da ich so nett geweckt worden...

Veröffentlicht: 14.06.2025





















































































Heute Morgen haben in dem kleinen Dorf mehrere Hähne um die Wette gekräht und mich "ganz sanft" aus meinem Schlaf gerissen. Trotz des frühen tierischen Weckers fühle ich mich in den kleinen landschaftlich geprägten Orten viel wohler, als in den touristischen Orten. Ich mag vor allem die Ruhe.
Der Besitzer von meiner Unterkunft hat frisches Brot zum Frühstück gebacken. Alleine der Duft war schon großartig. Endlich gab es wieder ein tolles Frühstück.
Gut gestärkt konnte es losgehen. Es war heute stark bewölkt, aber trotzdem angenehm warm. Also fantastisches Wanderwetter für Anke :-). Der Camino lag quasi direkt an meiner Unterkunft, sodass ich schnell wieder auf dem Weg war. Am Ende des Ortes habe ich dann auch noch meinen tierischen Wecker erblickt. Der hat richtig Gas gegeben und lauthals gekräht.
Am Anfang bestand der Untergrund des Caminos aus kleinen Steinchen und Sand. Ich musste unzählige Male anhalten und mir die Schuhe ausschütteln, da sich ständig kleine Steinchen darin befanden.
Diesmal war die Landschaft vor allem an der Küste anders. Es gab nicht nur grüne Wiesen, sondern auch große Steine, Gestrüpp, Bäume usw. Alles wirkte irgendwie ruppiger. Zu meiner linken Seite lagen riesige Berge.
Nach ca. 5 km gab es noch einmal die Möglichkeit, Bufones zu sehen. Ich bin hingelaufen, konnte aber keine Wasserfontäne erblicken. Die Geräusche waren jedoch wieder irre. Auf einer Koppel gegenüber stand eine Horde Pferde mit zig kleinen Fohlen. Lustig war, dass, sobald sich das erste Pferd hingelegt hatte, alle anderen nacheinander folgten.
Der Camino führte dann durch ein größeres Waldstück mit vielen Eukalyptusbäumen. Die Bäume sehen mit ihren riesigen Stämmen ja auch schon gigantisch aus. Hinter einer Kurve hatte ich einen tollen Blick auf eine Holzbrücke und auf einen Fluss. Nach einem kurzen Stück bergab und einer leichten Linkskurve stand ich vor dieser Holztreppe und konnte ganz allein rüber gehen. In der Mitte blieb ich stehen und sah mir eine Weile den Fluss und die Umgebung an. Es war unfassbar ruhig, man hörte nur die Vögel zwitschern.
Dann ging es weiter in einen Ort, irgendwo stand ein Schild mit der Aufschrift „Restaurante y Terrassa”. Yippie, ich konnte rasten, und das nach einem so schönen Start in den Tag! Ich hatte zwei Männer gefragt, wo das Restaurant sei. „No, no ... clooosssssaaaaa“. Na klar, was auch sonst. Sie zeigten mir einen kleinen Minimarkt. Der war wirklich mini, aber ich konnte mir etwas zu trinken holen und dort kurz verweilen.
Danach führte die Ortsstraße bergauf und von oben hatte man einen tollen Blick auf die Berge, den Ort und eine Bucht. Zwei Pilger, die ebenfalls dort oben standen, strahlten mit mir um die Wette. Sie meinten, es sei einfach nur „beautiful”!
Dann gab es wieder zwei Varianten: Entweder man ging unten an der Straße entlang oder so dachte ich, einen Hügel hoch. Doch schon bald entpuppte sich der Hügel als Berg, aber jede Anstrengung war es wert. Die Aussicht auf Llanes und den Küstenstreifen war gigantisch. Ich musste ständig stehen bleiben und fotografieren. Dann passierte es; mir fiel meine Wasserflasche aus dem Rucksack und rollte los – runter ... Zum Glück drehte sie leicht ab und ich konnte sie stoppen. Na, das wäre es gewesen, wenn die Flasche bis unten gerollt wäre! Gut gesichert wurde sie wieder verstaut und es ging weiter den Berg hoch und runter und hoch und runter ... Als es endgültig bergab ging, fühlte es sich so an, als würde man fliegen, so steil war es. Auf Komoot habe ich nachgeschaut: Es waren 16 % Gefälle.
Unten angekommen verlief der Camino schön durch das Zentrum von Llanes. Holla, der Ort war sehr groß und leider auch sehr touristisch! Mir war es dort viel zu voll und wuselig. Ich wollte nur schnell wieder raus und bin schnurstracks zum Küstenweg gelaufen.
Dort war es auf jeden Fall ruhiger. Heute habe ich auch nur vereinzelt Pilger gesehen. Es war schön einfach wieder allein zu laufen.
Bis zu meiner Unterkunft in Barro bin ich zum größten Teil an der Küste entlanggelaufen. Nach 22,9 km habe ich mein Hotel erreicht. Diesmal stehen keine Schafe oder Hühner vor meinem Zimmer, sondern fünf Esel. Die machen vielleicht einen Krach, ich dachte, die machen nur „I-A”, aber die geben ja merkwürdige Geräusche von sich. Noch stehen sie auf der Wiese. Ich bin gespannt, ob die gleich in den Stall kommen ... grins.
Ich sende liebe Grüße
Anke