10. Etappe Camino del Norte von Comillas nach Serdio
Nachdem ich gestern einen erholsamen Ruhetag in Comillas eingelegt hatte, konnte ich heute mit viel Energie in die 10. Etappe nach Serdio starten. Zunächst möchte ich sagen,...

Veröffentlicht: 13.06.2025
























































Heute bin ich von Glöckchengebimmel geweckt worden. Hinter der Unterkunft auf einer Weide standen Schafe. Ich habe mich gefühlt wie Heidi. Lach. Da ich so nett geweckt worden bin, habe ich mich direkt geduscht und bin zum Frühstück gegangen. Das Frühstück war mit Abstand das schlechteste überhaupt. Es gab eine Tasse Kaffee, ein Glas Orangensaft und eine Scheibe Toastbrot mit Marmelade. Ich wollte noch eine Scheibe Toast bestellen, aber es war niemand mehr zu sehen. Grrrrr, das ist unglaublich. Pilger sollen doch gut gesättigt in den Tag starten :-)!
Kurze Zeit später bin ich dann losgelaufen. Es war noch angenehm kühl draußen und es ging erst einmal bei herrlichem Sonnenschein nur bergab, die gaaaaanze Zeit, bestimmt vier Kilometer lang. Es war sehr angenehm, zumal rechts und links immer wieder riesige Eukalyptusbäume standen, die wunderbar rochen.
Danach ging es über eine alte Brücke und es folgte der erste kleine Anstieg. Das war überhaupt nicht schlimm, denn die Sonne war noch nicht so stark und ich war noch relativ fit :-). Oben angekommen folgte ein sandiger Weg, der ebenfalls von Bäumen gesäumt war, sodass ich überwiegend im Schatten gehen konnte.
Es ging weiter nach Bustio. Hier gab es auf der rechten und linken Straßenseite genug Bistros und Cafés für ein zweites Frühstück. In einem tollen Café habe ich mir erst einmal einen Kaffee, Orangensaft und ein Teilchen bestellt. Die Speisen waren alle echt lecker und ich konnte sagen, "yip, ich bin endlich satt".
In Bustio gibt's auch eine echt schöne alte Brücke. Ich bin darüber gegangen und habe wie üblich ein paar Fotos gemacht. Danach folgte ein richtig fieser Aufstieg mit einer knackigen Steigung. Egal, Augen zu und durch. Ich musste mich immer wieder umdrehen, denn die Aussicht war echt mega. Man guckte hinunter auf den Fluss, die Brücke und das kleine Städtchen. Es sah einfach nur fantastisch aus, da unten bin ich gerade noch entlanggelaufen und jetzt stehe ich hier oben und blicke zurück. Das ist schon krass, den ganzen Weg zu sehen.
Also nächstes folgte der Ort Colombres. Ich bin dort ins Touristenzentrum gegangen und habe mir einen Stempel für meinen Pilgerausweis geholt. Danach habe ich mir noch zwei Straßen angesehen und bin dann raus aus dem Ort, weiter auf dem Camino gelaufen.
Kurz vorm Ortsausgang habe ich Micka entdeckt. Wir sind zusammen weitergelaufen und wollen im nächsten Restaurant etwas essen. Ich habe auf Englisch gefragt, ob es Spaghetti gebe. Die Kellnerin lachte und zeigte auf die Auslage mit belegten Baguettes. Ich hatte keine Lust auf Baguettes, also haben wir uns nur ein kühles Getränk bestellt.
Nach der kleinen Pause war der Weg echt angenehm und die Steigungen, die noch kamen, waren überhaupt nicht schlimm. Die Sonne hat sich dann auch mal kurz versteckt, ist aber schnell wieder zurückgekommen.
Wir hatten dann die Wahl, entweder durch die Orte oder an der Küste gehen und für uns stand fest, auf jeden Fall nehmen wir den Küstenweg. Dafür mussten wir Bahngleisen überqueren und über einen Zaun kletter. Es fühlte sich irgendwie illegal an, war es aber wohl nicht.
Es war wieder unbeschreiblich, wir wurden beide ganz still und haben einfach nur die Landschaft genossen. Wir haben uns immer wieder für eine kurze Zeit hingesetzt und uns das Naturspektakel angesehen. Man hat uns erzählt, dass das ein Naturphänomen ist, was sich da abspielt. Das Wasser schießt bei Flut und starkem Wellengang zig Meter in die Höhe. Das war echt einzigartig, vor allem die Geräusche. Manchmal klang es so, als ob es donnerte. Ich wäre am liebsten gar nicht mehr aufgestanden, so faszinierend fand ich die Wellen, die vor das Gestein prallten.
Micka musste heute wieder einen Ort weiter als ich. Wir haben uns verabschiedet und ich bin erstmal lecker Essen gegangen. In der Nähe meiner Posada ist ein Mexikaner, der richtig gute Bewertungen hatte. Ich war auch schon dort und kann die positiven Bewertungen nur bestätigen. Ich fand es nicht nur lecker, sondern auch extrem scharf. ;-)
Nach dem Check-in bin ich nochmal an die Steilküste gelaufen und habe mir das Naturschauspiel noch eine ganze Weile angeschaut. Irgendwann bin ich dann losgezogen und habe noch zwei Kälbchen beobachtet, wie sie bei der Mutterkuh tranken. Eines hatte ganz viel Milchschaum vor der Schnauze. Mega süß!
Ich sitze jetzt in meiner Unterkunft und plane meine morgige Etappe.
Heute morgen habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich nicht müde werde zu laufen. So ein Gefühl habe ich bisher noch gar nicht gehabt, ganz im Gegenteil, ich freue mich jeden Morgen auf eine neue Etappe und bin schon immer ganz gespannt, was ich alles erleben werde :-).
Ach, die heutige Etappe hatte eine Länge von 20,1 KM!
Liebe Grüße
Anke - Flip