hin-und-weg

1001 Kirche - nein, diesmal nicht!

Im Tuktuk zur Gruppensexparty

Jetzt mache ich genau dasselbe wie alle anderen auch, die über die Tempel von Khajuraho schreiben. Ich greife von den abertausenden Relief-Skulpturen, die hier die Tempel bedecken, jene zehn Prozent heraus, die erotische bis explizit pornografische Szenen darstellen. Je nach dem, wie verklemmt der Umgang mit diesen Darstellungen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert ist (sie sind also richtig alt), werden verschiedenste Interpretationen angeboten - für die vielen hübschen Mädchen, die ebenfalls dargestellt sind, zB während sie sich schminken, sich einen Dorn aus dem Fuß ziehen oder sich einfach lasziv räkeln, hat man sich diese Interpretationsmühe aber nicht gemacht. Manche Experten (es sind meist Männer) meinen, dass die Reliefs Hinweise auf rituelle Gruppensexveranstaltungen in den Tempeln sind (die dann so etwas wie die Swingerclubs des 10. Jahrhunderts wären) , was angesichts der wenigen Reliefs, die tatsächlich Gruppensexszenen zeigen, leicht schwachsinnig ist. Andere (die Frommen und Verklemmten) lesen die erotischen Darstellungen als Hinweise für die Betenden, dass sie beim Betreten der Tempel ihre sinnlichen Begierden ablegen müssen. Niemand weiß wirklich Genaueres, aber die manchmal akrobatischen Stellungen, wie man sie aus dem Kamasutra kennt, machen wohl nur den Steinskulpturen (und manchen Zirkusartisten und -innen) Spaß.

Gekommen sind wir nicht wegen der erotischen Szenen (die wir aber sehr lustig finden), sondern wegen der hohen Qualität der Skulpturen und ihres größtenteils sensationell guten Erhaltungszustandes. Die besten von ihnen kleben gar nicht auf den Tempeln, sondern sind große Tierfiguren: ein über und über mit kleinen Reliefs bedeckter Eber, ein Stier, ein Löwe, der mit einem Kind spielt. Aber auch die Reliefbänder auf den Tempeln sind meist sehr gut (insbesondere die älteren), leider verstehen wir deren Inhalt nicht wirklich, denn beim Hinduismus fehlt uns der Durchblick. Auch architektonisch haben die Tempel viel zu bieten, ich fürchte, auf den Fotos wird man das nicht so verstehen. Zwei Tage intensive Tempeltour (zum ersten Mal in einem Tuktuk!!!), lassen allerdings die einzelnen Gebäude etwas verschwimmen, die hinduistische Kunst ist halt noch sehr neu für uns.


#indien#khajuraho

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